SpVgg Bayreuth

2:0 gegen Bayern: Warum 150 Dresden-Fans die Altstadt unterstützten

2.127 Zuschauer haben am Sonntag den 2:0-Sieg der Spielvereinigung Bayreuth gegen die zweite Mannschaft des FC Bayern gesehen. Darunter 150 mitgereiste Bayern-Fans und mindestens ebensoviele Anhänger von Dynamo Dresden.

Und dazu kam es so:

Am Sonntag um 11:30 Uhr, und damit zwei Stunden vor dem geplanten Anpfiff, wurde die Zweitliga-Partie Greuther Fürth gegen Dynamo Dresden wegen einer amtlichen Unwetterwarnung abgesagt.

Rund 2.000 Dresden-Fans hatten sich aber bereits auf den Weg ins 330 Kilometer entfernte Fürth gemacht. 1.750 Sachsen drehten nach Bekanntwerden der Spielabsage wieder um, 250 schmiedeten andere Pläne. Sie suchten kurzerhand nach Fußballspielen in der Nähe, die eben nicht ausfielen.

Tatsächlich wehte Sturmtief „Eberhard“ im Laufe des Mittags die LED-Werbebande im Fürther Ronhof um und riss weitere Werbeflächen aus der Verankerung, wie nordbayern.de schreibt. In Bayreuth dagegen war es zwar auch stürmisch und nass, angepfiffen sollte um 14 Uhr aber trotzdem werden. Kurzerhand entschieden sich 150 der 250 Dynamo-Fans für einen Ausflug in die Wagner-Stadt. Wahrscheinlich lockten die Namen. Der des großen FC Bayern natürlich. Andererseits: Auf eine Spielvereinigung, nämlich die aus Vestenbergsgreuth und Fürth, hatte man sich sowieso schon eingestellt.

In Bayreuth reagierte nicht nur der Bundesgrenzschutz auf die Anreise der Dynamo-Fans überrascht und forderte aus Sicherheitsgründen weitere Beamte zur Verstärkung an. Auch die Bayern-Fans zeigten sich sichtlich erstaunt:

Denn: Auf welche Seite sich die Dresdner schlagen sollten, war schließlich klar: Schwarz-gelb und schwarz-gelb gesellt sich eben gern.

Entsprechend dankbar zeigten sich die Verantwortlichen der Spielvereinigung Bayreuth nach dem Spiel für die Unterstützung:

Weitere Dynamo-Fans kommentierten den Auftritt ihrer Mitstreiter in den sozialen Medien ebenfalls wohlwollend:

Allerdings:

Die Spielvereinigung Bayreuth war nicht der einzige Verein, der am Sonntag ungeplant Unterstützung von einer sächsischen Reisegruppe erhielt. Etwa 50 weitere Dynamo-Fans suchten den Fürther Stadtteil Vach auf, um dem dortigen ASV im Bayernliga-Abstiegskampf gegen Jahn Forchheim den Rücken zu stärken. Vachs Fußballabteilungsleiter Jürgen Walthier erklärte gegenüber nordbayern.de: „Ich erhielt den Anruf eines Dresdner Fans, der fragte, ob bei uns gespielt wird. Als ich das bejaht habe, sagte er: Dann kommen wir zu euch.“

Vach gewann das Spiel mit 2:1 und der vorherige Tabellenletzte konnte die Rote Laterne an den ASV Neuenmarkt abgeben. So richtig rund ging es aber erst nach dem Spiel, als die Dynamo-Fans kurzerhand die Kabine der Vacher enterten:

Später bedankte sich Dynamo Dresden höchstpersönlich auf der Facebook-Seite des Vereins für die freundliche Aufnahme seiner Fans in Bayreuth und Vach mit den Worten: „War schön bei Euch.“

Doch auch damit nicht genug.

Ein noch kleinerer Haufen Dynamo-Fans besuchte nach Absage des Zweitliga-Schlagers das Derby zwischen Colditz und Döbeln in der Landesliga Sachsen. Wiederum andere besuchten die Bundesligapartie zwischen der TSG Hoffenheim und dem 1. FC Nürnberg (2:1). Erstere lieferten anschließend im Netz eine sehr unterhaltsame Erklärung, wie es dazu kam.

Unserem neuen Trainer scheinen wohl keene zwee Spiele hintereinander vergönnt zu sein, denn als wir vom Fürther IKEA off‘n Weg in de nächste Kneipe waren, stoppten uns de freundlichen Zivi‘s mit der Nachricht, dass der Kick heut abgesagt is. Wir, überrascht aus‘m Kragen guggend, fragten nu warum: „Wegen Sturmwarnung.“ war die Antwort. Das Genick nach hinten knickend in de Sonne blinzelnd geantwortet: „Is jetzt nen Witz Sportfreund, oder!?“ „Nö is so gut wie amtlich“ meente der Kamerad überzeugend aus seinem Seitenfenstern nickend. Also erschte ma weiter in de Kneipe und de üblichen Netzwerke durchwühlt, um ne handfeste Info zu finden. Bei günstig Bier und Roulade verdichteten sich dann de Info‘s und man musste nu irgendwie damit fertig werden. Also erschte ma das offgewühlte Gemüt mit nem zweetes Bierchen beruhigt. De Nadel aus dor Roulade gefummelt und es sich schmecken lassen. Nu hätte man in Ruhe verdauen können und dann bequemer weise off nen Kick in dor Gegend, wie zum Beispiel Bayreuth vs. Bayern II, ausweichen können. Abor nö! Es musste das Derby Colditz vs. Döbeln in dor Landesklasse Nord sein.

So verteilten sich die umsonst angereisten „sogenannten Fans“ in größeren und kleineren Gruppen über ganz Fußball-Deutschland. Einige wurden in Hoffenheim, Bayreuth, Chemnitz und beim ASV Vach gesichtet. Wir zerlegten unseren Kloß und ditschten fix de letzte Soße vom Teller. Bei gemütlichen 13 Grad, Windstille und Sonnenschein wurde dann de Kutsche gewendet und ab ging’s zurück in den blühenden Osten. Unter vier handgezählten und herrlich anzuschauenden Regenbögen durchrauschend, erreichte man fünf Minuten vor Anpfiff die „anona Arena“ in Hausdorf. Dort ging’s direkt wieder in de Kneipe und man nahm zu Kaffee und Kuchen platz. Also jagte quasi een kulinarischer Höhepunkt den nächsten und das ist ja nu och ni das Schlechteste. Dazu gabs bei Sturm und Regen nen knackigen Kick zu sehen, den der HFC Colditz mit 3:0 für sich entscheid. Herz was willste mehr. Gute Laune, gutes Essen, schäumendes Bier und dreckschen Fußball. Als Sahnehäubchen oben droff kommt ja noch, dass unsere dynamischen Helden heut ma nüscht verlieren konnten. Also een rundum gelungener Tag!! Nu hoffen wir, dass Fielo unsere schwarz gelben Ritter och ohne scharfen Test optimal für die anstehenden Derby-Wochen motivieren kann. Wir hingegen waren mit der spektakulär schmeckenden Fürther Roulade zufrieden. Ob man allein dafür aber noch ä ma 700 Kilometer fahren muss? Unbedingt, da sie das Beste am heutigen Tage war und die Stammkundschaft in dem Laden eefach nur gefetzt hat!

(Jokers Radeberg, eine Fan-Gruppe auf Facebook)

Daneben…

… benahm sich an diesem Sonntag nur ein einziger der berühmt-berüchtigten Sachsen und zwar in Nürnberg. Dort meldete die Polizei, dass ein 47-Jähriger Dynamo-Fan aufgegriffen worden sei, der vor Passanten in der Nürnberger Innenstadt antisemitische Parolen gegrölt und den Hitlergruß gezeigt habe.

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