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2018 – Ein musikalischer Jahresrückblick Teil 7: Deutsche Bands

In unserem letzten musikalischen Jahresrückblick richten wir den Blick mal auf uns. Also nicht als Personen, aber auf die Musik, die aus Deutschland kommt, oder zumindest Texte in deutscher Sprache hat. Songs abseits der Charts, teilweise ein wenig verschroben, was für Liebhaber eben. Alles frisch aus dem Jahr 2018 und fein säuberlich für euch sortiert! Wie immer ohne hirarchische Reihenfolge, wir haben alle Songs fast gleich lieb.


1. Tocotronic – Electric Guitar

Eine Band, die auch den Unbelesenen unter uns die große Poesie in die Ohren pfeffert. Und mit diesem Album haben sie wieder jegliche Erwartung gesprengt. „Die Unendlichkeit“ ist ein Konzeptalbum, dass uns durch ein ganzes Leben führt. Der große Hit auf der Scheibe: „Electric Guitar“, mit einer tollen Jasna Fritzi Bauer im zugehörigen Video.


2. Isolation Berlin – Serotonin

Das ganze Großstadtleben eines 25-Jährigen, gepresst in ein Album. Isolation Berlins Platte „Vergifte dich“ ist so voll mit destruktiver Hoffnung, dass man es mit geschlossenen Augen fast wie einen Spielfilm genießen kann. „Wenn du mich suchst, du findest mich am Pfandflaschenautomat / Da hol ich mir zurück, was mir gehört / Und ich schwöre dir, ich schlage heute ein paar Fressen ein / Wenn mich noch einmal jemand dabei stört“


3. Element of Crime – Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin

Gäbe es Gerechtigkeit auf dieser Welt, dann dürfte Sven Regener in keiner Liste über deutschsprachige Texte oder Musik fehlen. Auch wenn das Konzept seiner Band Element of Crime seit Jahrzehnten das gleiche ist, so ist doch jede Platte eine weiteres Buch im melancholischen Regal der deutschen Musikbibliothek. „Ich hab noch irgendwo ein warmes Bier zu steh’n / Du kannst die Blumen damit gießen / Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“


4. Drangsal – Arche Gruber

Drangsal wird seit seinem ersten Album aus dem Jahr 2016 in der Musikszene gehypt und das völlig zu Recht. Seine zweite LP nennt sich „Zores“ und sie ist deshalb so spannend, weil sie experimentell und mutig, aber gleichzeitig extrem melodiös und eingängig ist. Von englischer 80s-New-Wave-Party (Arche Gruber) zum Ärzte Sound (Turmbau zu Babel), die Grenzen verschwimmen zu einer ganz eigenen Schöpfung. Von den starken Texten ganz zu schweigen, sonst würde hier morgen noch geschwärmt werden.


5. Acht Eimer Hühnerherzen – Eisenhüttenstadt

Punk? Ja, vielleicht ein bisschen. Kluge, wilde und auch ein bisschen gemeine Texte. Dazu noch wilde und unkontrollierte Gitarren und ein Bassist der völlig überdreht herumzieht: das macht einfach Spaß! (Und erinnert fast ein wenig an die Lassie Singers)


6. Swutscher – Im Westen

Wütend und betrunken in jedem Song schreien Swutscher ihre kruden Gedankengänge in jeden der sie hören will und deren Nachbarn. Denn leise anhören kann man ihr Debüt „Wilde Deutsche Prärie“ nicht.


7. International Music – Farbiges Licht

Versucht mal diese Band zu googlen, macht keinen Spaß. Dafür ihr Debütalbum „Die besten Jahre“ aber umso stärker und erinnert vom Sound her des Öfteren an Joy Division oder andere Post-Punk-Perlen. „Mein neues Mädchen fragt mich jeden Tag was ich an ihr mag“ Schnell auf den Zug aufspringen, solange die Jungs noch keiner kennt!


8. Granada – Berlin

Gut, das zweite Album fetzt nicht ganz so wie das erste. Aber bei welcher Band ist das denn nicht so? Trotzdem packen uns die Österreicher wieder an der Hand und lassen uns vor der Bühne, im Wohnzimmer oder im Bus tanzen und „Scheiß Berlin“ singen! Vor ein paar Monaten haben wir die Herrschaften übrigens Backstage bei ihrem Konzert in Bayreuth begleitet.


9. Die Nerven – Niemals

Treibende Riffs, ein verzweifelter Sänger und ein cooler Bandname: Die Nerven! Das neueste Album „Fake“ ist kommerziell gesehen wohl das erfolgreichste der Band und ist definitiv ein mehrfaches Durchhören wert. Die Nerven spielen übrigens am 28. Februar in Nürnberg und das Ticket kostet nur 18 Euro. So günstig seht ihr die nie wieder, garantiert!


10. Sophie Hunger – She Makes President

Auch Sophie Hunger hält sich nicht an Gepflogenheiten und sprengt Genres in kleine, elektronische Teilchen die anschließend um unsere Köpfe kreisen. Melodie- und Tempowechsel soweit die Ohren reichen, nix zum nebenbei herdudeln also. Aber hört man richtig zu, dann ergibt ihr neuestes Album verdammt viel Sinn. „She will not make your babies / She will make president“ Sehr schön auch ein Beitrag der Reihe „Sagen Sie jetzt nichts“ mit Sophie Hunger in der Süddeutschen Zeitung.


11. Der Nino aus Wien – Hände

Der große Musiker aus Wien, der wohl für immer wie 18 aussehen wird, aber gefühlt seit 100 Jahren im Geschäft ist (tatsächlich kam sein erstes Album 2008 raus). Auch auf der neuen Scheibe geht es wieder schmutzig zu. Wobei es mit Wiener Dialekt eigentlich eh egal is, wos ma singt, des is eh fix! (Das eingebaute Video ist übrigens nicht das offizielle, just sayin)

 


12. Father Midnight – Sisyphos

Surfpunk aus? Berlin Natürlich! Der wohl geheimste aller Geheimtipps, die Band hat noch nichtmal 1.000 Plays auf Spotify. Zu Dritt schafft die Gruppe ein Sound, der einen ein halbes Orchester vermuten lässt. Gut, dass sie das nicht brauchen, denn noch spielen sie auf 2 Quadratmeter Bühnen. Also Bierchen auf und zu Father Midnight im Wohnzimmer vandalieren!


Der Musikalische Jahresrückblick 2018: Deutsche Bands auf Spotify

(„Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“ von Element of Crime ist auf Spotify nicht verfügbar. Dafür gibt es einen anderen Song vom gleichen Album)