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26-Jähriger prügelt sich über Kerwa: Frau erwischt es am Schlimmsten

Ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Amberg stand am Montag (25.11.2019) vor dem Amtsgericht in Bayreuth. Er soll auf der Kerwa in Pegnitz einen jungen Mann mehrfach mit der Faust ins Gesicht sowie einer Frau und einem weiteren Mann mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Kerwa in Pegnitz: Plötzlich gab es Schläge

„Er hat einen Schritt nach vorne gemacht und dann ging es auch schon los“, beschreibt der 18-Jährige, der von dem Angeklagten angegriffen wurde. Er habe mehrere Schläge auf den Kopf bekommen, sei dann umgefallen und wurde bewusstlos. Erst einige Minuten später kam er in einer Grillbude wieder zu Bewusstsein.

Der Grund für die Schläge: „Er wollte noch Bier von mir, weil ich zuvor im Bierstand geholfen habe“, erklärt der 18-Jährige. Aber es war bereits Schankschluss, was der Angeklagte aus Sicht des Opfers nicht einsehen wollte: „Er war schon sehr aggressiv“, erinnerte sich der 18-Jährige.

Mehrere Schläge gegen den Kopf

Der Angeklagte hatte davon allerdings nichts in seiner Aussage erzählt. In seiner Erinnerung, die aufgrund von reichlich Alkohol nicht bei 100 Prozent sei, gab es am Eingang eine Schlägerei, woraufhin der 18-Jähriger etwas zu ihm gesagt haben soll. Dann habe er zugeschlagen. „Ich hab erst drei Mal daneben geschlagen“, erinnerte sich der Angeklagte.

Dann sei sein Opfer zu Boden gefallen und „ich hab dann nochmal zugeschlagen“, sagt der 26-Jährige. Er wisse nicht mehr, ob er mit ihm umgefallen sei oder beabsichtigt auf den am Boden Liegenden eingeschlagen hat.

Das Resultat für den 18-Jährigen: Er war von Freitagnacht bis Sonntagmittag im Krankenhaus, da ihm übel war und er Kopfschmerzen hatte. Er soll eine Gehirnerschütterung und eine Jochbeinprellung von dem Angriff erlitten haben. Deshalb habe er noch drei bis vier Wochen Schmerzen gehabt.

18-Jähriger die Nase gebrochen

„Ich dreh mich um, dann kommt die Faust.“ An mehr erinnert sich die 18-Jährige nicht, die ebenfalls vom Angeklagten mit der Faust geschlagen wurde. Daran könne sich der angeklagte 26-Jährige nicht mehr erinnern. Die 18-Jährige bemerkte, dass ihre Nase blutete. Im Krankenhaus kam die Diagnose: Nasenbeinbruch.

Die Nase musste operiert werden, doch die 18-Jährige hat bis heute Beschwerden: „Ich habe immer noch Schmerzen“, „Kopfschmerzen“ und „bekomme keine Luft durch die Nase“. Deshalb müsse ihre Nase nochmals operiert werden. Eine Garantie auf Verbesserung gebe es allerdings nicht.

Deshalb war sie auch Nebenklägerin vor Gericht. Ihr Anwalt forderte 2.500 Euro Schmerzensgeld, dass der Angeklagte nach Absprache mit seinem Anwalt akzeptierte.

Drittes Opfer auf Kerwa in Pegnitz

„Der ist richtig durchgedreht“, liest Richterin Breuning die Aussage des dritten Opfers vor. Er könne wegen eines Lehrgangs nicht an der Verhandlung teilnehmen. In der Aussage stand weiter, dass der Angeklagte in die Grillbude gelaufen ist, um ihn von dort au durch das Fenster zu schlagen. Weiter heißt es, dass er nicht stark betrunken gewesen sei, da er noch normal gegangen ist.

Das bestätigte auch ein Zeuge, der Teile der Angriffe beobachten konnte. Er beobachtete auch, dass der Angeklagte grundlos zu der 18-Jährigen gelaufen sei, um sie dann zu schlagen. Auch er sagte, dass der Angeklagte nicht geschwankt hat.

Vorstrafe und Plädoyers in Bayreuth

Wegen Körperverletzung hat der Angeklagte bereits 2016 eine Freiheitsstrafe von 8 Monaten auf Bewährung erhalten. Die Strafe bekam er, weil er mit seinem Bruder und einem Unbekannten insgesamt vier andere Männer auf einer Beachparty verprügelt hatte. 2019 gibt es einen weiteren Eintrag wegen Besitz von Betäubungsmitteln.

Das legte die Staatsanwältin gegen den Angeklagten aus. Außerdem habe der Angeklagte während einer offenen Bewährung gehandelt und wurde schon wegen einer Körperverletzung verurteilt. Außerdem habe der 26-Jährige eine hohe Rückfallquote, eine hohe kriminelle Energie, da er auch auf den am Boden liegenden eingeschlagen habe.

Staatsanwältin in Bayreuth: Haftstrafe ohne Bewährung

Sie wertete die Entschuldigungen des Angeklagten, die er an die jeweiligen Opfer persönlich richtete, zu seinen Gunsten, sowie sein Geständnis und die Einwilligung Schmerzensgeld an die 18-Jährige zu zahlen. Die Staatsanwältin forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr ohne Bewährung, da es keine günstige Sozialprognose gebe. Sie fügte an, dass die Bewährung keine Warnung für den Angeklagten sei.

Der Anwalt des Angeklagten verwies auf die Reue seines Mandanten und die Entschuldigungen. Außerdem regte er an, dass der 26-Jährige an einer Suchtberatung teilnehmen müsse. Er forderte eine Strafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden solle.

Urteil in Bayreuth

„Es ist ein Urteil, das mir nicht leicht gefallen ist“, sagte Richterin Breunig. Sie verurteilte den Angeklagten zu einem Jahr auf Bewährung. „Eigentlich war mir klar, dass sie heute ins Gefängnis gehen“, fügte sie an. Doch die Reue, die Entschuldigungen, das Schmerzensgeld und der Vorschlag an einer Suchttherapie teilzunehmen stimmten sie für eine günstige Sozialprognose.

Die Bewährungsauflagen seien nach Auffassung der Richterin streng: Vier Jahre Bewährungszeit, eine ambulante oder stationäre Therapie zu Alkoholmissbrauch und 100 Stunden soziale Leistungen. „Es soll sie einschränken, damit sie die Bewährung spüren“, sagte de Richterin. In ihrem Schlusswort sagte sie: „Wenn sie gegen eine dieser Weisungen verstoßen, sperr ich sie ein.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.