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6,50 Euro Verlust pro Kasten: Brauer verlangen höheres Kastenpfand

Neun Euro Pfand für einen Kasten Bier: Das ist keine Dystopie, sondern bei der Brauerei Grösch in Rödental (bei Coburg) Realität. Andere Brauereien ziehen derzeit nach. Der Grund liegt im hohen Anschaffungspreis für die Kästen. Die bt-Redaktion hat sich in Bayreuth und Umgebung umgehört.

Kästen werden nicht zurückgebracht

Der Grund für den Anstieg des Bierpfands ist simpel. Oft würden die Käufer die Kästen nicht zurückbringen, sondern achtlos entsorgen oder verrückte Dinge damit anstellen. 

Manche Leute bauen aus leeren Kästen die abenteuerlichsten Dinge, wie zum Beispiel Bars oder Couchtische. 

(Eva Ploß, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit Maisel’s Brauerei)

Manchmal schleppen auch Touristen die Kisten aus Breitenlesau, Bayreuth oder Creußen mehrere hundert Kilometer mit nach Hause. Und da die Kästen dort niemand zurücknimmt, werden sie einfach verschrottet. Das wäre ja kein Problem für die Brauer, wenn das Kastenpfand die Anschaffungskosten einer Kiste decken würde. Doch dem ist nicht so. 

Bierkästen der Maisels-Brauerei. Symbolfoto: Pixabay.

Kasten teurer als Pfand

Der durchschnittliche Preis, den eine Brauerei für die Anschaffung eines Bierkastens zahlt, ist von vielen Dingen abhängig. Er richtet sich zum Beispiel danach, ob die Kiste aus Neuplastik gefertigt oder ob bei der Herstellung nur altes Plastik aufbereitet wurde. Daneben spielen auch weitere Faktoren wie Farbe, Form oder Aufwand eine Rolle.

Mit Sicherheit lässt sich jedoch sagen, dass jeder leere Kasten in der Anschaffung teurer ist als die 1,50 Euro, die Kunden in den meisten Getränkemärkten als Pfand zahlen. Im Durchschnitt liegt der Preis eher bei vier bis acht Euro pro Kiste. Mit jedem verlorenen Kasten, machen die Brauereien also mehrere Euro Verlust. Besonders betroffen sind kleinere Brauereien, denn diese müssten, aufgrund ihrer kleineren Bestellmenge, auch im Verhältnis mehr pro Kasten zahlen.

Hohe Preise

Bei Maisel’s und den anderen Brauereien in der Umgebung sei dennoch momentan kein Anstieg des Kastenpfands geplant. Konrad Krug von der Brauerei Krug in Breitenlesau erklärt, dass Alleingänge sowieso kaum möglich seien, da die Getränkemärkte eine Erhöhung nicht mitmachen und die Kästen dann einfach aus dem Sortiment nehmen würden. 

An den momentanen Pfandpreisen haben besonders kleine Brauereien und Mittelständler unglaublich zu knabbern.

(Konrad Krug, Geschäftsführer Krug GmbH)

Bierflaschen im Kasten. Foto: Pixabay.

Brauer müssen zusammenhalten

Um entgegenzusteuern, hat Christof Pilarzyk, Geschäftsführer des Brauereigasthofs Grosch, das Kastenpfand für seine Kisten von 3,10 Euro auf 9 Euro erhöht. Bis jetzt haben über 40 Brauereien nachgezogen und das Pfand ebenfalls nach oben geschraubt. Beim Brauhaus Germering beträgt das Pfand nun zum Beispiel 5 statt 1,50 Euro. 

Um dies aber auch flächendeckend umsetzen zu können, müssen die Brauereien, laut Krug, gemeinsam vorgehen. Der Brauereiverband versuche derzeit, diese Änderung anzustoßen. Krug hält dabei einen Pfandpreis von sechs Euro pro Kasten für fair. Denn momentan würde er pro Jahr etwa 50.000 bis 70.000 Euro für neues Leergut ausgeben müssen, obwohl bei ihm, der Erfahrung nach, verhältnismäßig viele seiner Kisten wieder zurückkommen. Bei seinen Kollegen sei diese Zahl daher oftmals noch höher.