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Alle Frauen haben einen Knax

Theodor Fontane war ein Frauenversteher, zumindest schaffte er es mit seinen weiblichen Romanfiguren wie Effi Briest in die Weltliteratur. Die Studiobühne Bayreuth widmet dem Autor zu seinem 200. Geburtstag einen Leseabend am 13. Dezember. Warum Fontane unterhaltsam und alles andere als schwere Kost ist, dazu haben wir mit Marieluise Müller gesprochen, die zusammen mit Birgit Franz Regie führt. Marieluise Müller lebt in Bayreuth, ist Regisseurin und inszeniert seit vielen Jahren in der Studiobühne.

bt: Warum sollten sich die Bayreuther in der sowieso schon dunklen Jahreszeit an einem Freitagabend in einen Keller setzen?

Marieluise Müller: Weil es da gemütlich ist. Und gesellig – um es mit einem altmodischen Wort zu sagen. Im Niederländischen beschreibt „Gezelligheid“ ganz aktuell ein gemütliches Glücksgefühl mit anderen Menschen. Und um Menschen und ihre Gefühle geht es auch in vielen Fontane-Texten, von denen wir Gedichte, bekannte und unbekannte, Balladen und Romanszenen vorstellen.

bt: Effi Briest, Jenny Treibel, der Herr von Ribbeck – uns erinnert das eher an stinklangweilige Deutschstunden in der Schule. Ist Fontane tatsächlich einer für einen unterhaltsamen Abend?

Marieluise Müller: Auch wegen genau diesen Deutschstunde-Erfahrungen machen wir Theater und Lesungen – um zu zeigen, dass „alte“ Literatur spannend und unterhaltsam sein kann. Überraschungen nicht ausgeschlossen! In der Vorbereitung auf den Lese-Abend waren wir überrascht, auf eine „Hamlet“-Übersetzung von Fontane zu stoßen. Da er eine zeitlang als Korrespondent in England lebte, ist es allerdings nicht verwunderlich, dass ihn Shakespeare interessierte.

bt: Was können wir in unseren unruhigen gesellschaftlichen Zeiten von Fontane lernen?

Marieluise Müller: Dass nicht Güter und Geld glücklich machen, sondern Freiheit das höchste Gut ist. Seine Reisebeschreibungen sind inspirierend, sein Feuilletonstil glänzt vor Esprit und Selbstironie, so auch sein Erlebnisbericht über die Bayreuther Festspiele. Und in seinen Romanen, wie in der verfilmten und für die Bühne adaptierten „Effi Briest“, steht das Plädoyer für Menschlichkeit im Vordergrund. Fontane sagte: “ Alle meine Frauengestalten haben einen Knax. Ich verliebe mich in sie nicht wegen ihrer Tugenden, sondern wegen ihrer Schwächen.“


Termin: Freitag, 13. Dezember um 20 Uhr im Theaterkeller, Eintritt gegen eine Spende

Regie: Birgit Franz, Marieluise Müller

Es lesen: Birgit Franz, Tim Haensell, Marieluise Müller, Nora Oeser

Leitung: Franz Müller