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Auf die Kuh gekommen: Zu Besuch beim Kälbermarkt

Was wohl kaum einer weiß: Alle zwei Wochen werden beim Kälbermarkt des Rinderzuchtverbandes in Bayreuth mehrere tausend Kälber versteigert. Da „muht“ es an allen Ecken. Das Bayreuther Tagblatt hat sich bei der etwas anderen Auktion umgesehen. Ein Video finden Sie über dem Text.

Christiane Böhm ist Landwirtin aus Neuhaus bei Aufseß im Landkreis Bayreuth. Vor zwei Jahren hat sie den landwirtschaftlichen Betrieb ihres Vaters übernommen und einen neuen großen Milchviehstall gebaut. Regelmäßig bringt sie ihre Kälber zur Versteigerung zum Kälbermarkt auf dem Gelände des Rinderzuchtverbandes nach Bayreuth. Im Jahr verkauft die Züchterin hier etwa 80 männliche Kälber und weibliche, die unfruchtbar sind.

Christiane Böhm bringt regelmäßig ihre Kälber zur Versteigerung nach Bayreuth. Foto: Magdalena Dziajlo

Die Landwirtin kommt gerne nach Bayreuth zum Markt. „Es gibt viele Kälber, viele Käufer und der Preis stimmt“, sagt Christiane Böhm.

Wenn die Kälber vier bis sechs Wochen alt sind, ist der beste Vermarktungszeitpunkt. Dann sind die Kälber gut entwickelt und etwa 80 bis 100 Kilogramm schwer.

(Christiane Böhm, Landwirtin aus Neuhaus)

Etwa 1.000 Kälber werden versteigert

Für Markus Schricker, Zuchtleiter beim Landwirtschaftsamt, beginnt der Tag an einem Markttag schon früh. Ab 8 Uhr liefern die Züchter ihre Tiere an. Ist der eine Transporter leer, wartet schon der nächste. Die Kälber werden registriert, gewogen und bekommen eine Katalognummer. Dann kommen die Tiere in Boxen, nach Alter und Nummer sortiert, wo sie bis Mittag auf die Versteigerung warten. Ein Amtstierarzt der Stadt Bayreuth überwacht den Auftrieb und checkt, ob die Tiere gesund sind.

Markus Schricker, Zuchtleiter. Foto: Magdalena Dziajlo

Pro Termin werden etwa 900 bis 1.100 Kälber versteigert. Im Jahr sind das rund 25.000.

(Markus Schricker, Zuchtleiter)

So muss ein Fleckvieh aussehen

Beim Kälbermarkt wird vor allem Fleckvieh versteigert. Ein weißer Kopf und ein gefleckter Körper, so sieht das ideale Tier aus. Bis zu 500 Euro bieten die Käufer für ein kräftiges Kalb, wobei die weiblichen meist um bis zu 200 Euro günstiger sind. Das hat auch seine Gründe. Schricker erklärt: „Die männlichen Kälber werden nicht kastriert. Durch das Testosteron wachsen sie schneller und werden größer.“ Das perfekte Mastvieh also.

Der weiße Kopf ist typisch für das Fleckvieh.

Drei, zwei, eins: meins

Um 12.30 Uhr beginnt die Auktion. Etwa 13 Bieter sind gekommen. Sie nehmen auf den einfachen Holzbänken Platz, jeder mit seiner Winker-Nummer ausgerüstet. Auktionator Karlheinz Heilingloh beginnt. Ein Tier nach dem anderen wird vorgeführt und dreht seine Runde an den Käufern vorbei. Zunächst die weiblichen, dann die beliebteren, die männlichen. Rasch steigt der Preis. Etwa vier Stunden dauert die Auktion. Die Kälber werden sortiert, sodass jeder Bieter die richtigen Tiere bekommt. Dann werden alle Tiere verladen. Noch am selben Abend ziehen sie in ihre neuen Betriebe.

Die Käufer sind bereit, die Kälber können kommen.