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Ausstellung: Wenn die Selbstoptimierung zum Zwang wird

Marius Seidlitz zeigt im August Werke der Ausstellung „Somewhere in Neverland“ im Forum Phoinix. Dabei widmet er sich dem Thema: Gesellschaft im Optimierungswahn. Das Bayreuther Tagblatt hat mit ihm darüber gesprochen, wie seine Bilder Schritt für Schritt entstehen und wie Selbstdarstellung ungesund werden kann. Eine Galerie von einigen Werken finden Sie über dem Text.

Endlosschleife makelfrei

„Ich sehe das ständige Streben nach Perfektion und das Erreichen von ihr als unmöglich an“, sagt Künstler Marius Seidlitz, der gebürtig aus Erfurt kommt. Allerdings sei es das, was wir über Instagram und in der Werbung jeden Tag sehen würden: optisch makellos zu sein. „Natürlich kommt es auch immer stark auf unsere eigene Stimmung an, wie wir damit umgehen“, fügt er hinzu. Doch letztendlich wäre es eine niemals endende Schleife.

Jeder hat Idole und möchte ihnen nacheifern. Am Ende versucht allerdings einer den anderen zu übertrumpfen – immer und immer wieder.

(Künstler Marius Seidlitz)

Der erste Schritt zur Serie: ein Schmierbild zum Thema Schönheit. Foto: Redaktion

Das Wetteifern nach Schönheit

Dem Streben nach Perfektion könne man nur schwer entkommen, so Seidlitz. Auch er selbst sei dem Optimierungswahn der Gesellschaft ausgesetzt. In der Serie habe er sich bewusst für die Darstellung von Frauen entschieden: „Ich denke bei Frauen ist dieses Wetteifern nach perfektem Aussehen besonders stark ausgeprägt“.

Bevor Seidlitz mit einer Serie startet, geht dem immer ein Brainstorming voraus: „Die Serie zu ‚Somewhere in Neverland‘ habe ich mit einem Schmierbild zum Thema Schönheit begonnen. Ich habe überlegt: Was macht Schönheit mit uns“, erklärt er.

Optimierung durch Verunsicherung

Natürlich gäbe es Menschen, die sich zwar immer wieder selbst optimieren, aber trotzdem gelassen und zufrieden sind. Doch leider gäbe es auch viele, bei denen die ständige Optimierung durch eine hohe Verunsicherung zustande komme, so Seidlitz: „Es ist ein ständiger Kampf um mitzuhalten. Ein  Rückschritt ist dann für viele nicht mehr denkbar.“

Freiraum bei der Betrachtung

Die Figuren seien in den Bildern nur flächenhaft angedeutet. „So hat jeder Betrachter Freiraum für eigene Vorstellungen, wenn er vor den Bildern steht“, sagt er. Der persönliche Blickwinkel verändere sich kontinuierlich mit der eigenen Stimmung und der Erinnerung an frühere Erlebnisse, so der 33-Jährige. „Die starken Farben, die ich in den Bildern verwendet habe, sollen auch ein Symbol für Vielfalt sein“, ergänzt er.

Künstler Marius Seidlitz mit der Darstellung einer Person, die vor ihrem Körper flüchtet. Foto: Redaktion

Die weiblichen Rundungen stechen in den Werken besonders hervor: „Das Entblößen eines Geschlechtsteils ist der letzte Schrei einer Person, um Aufmerksamkeit zu erhalten“, erklärt er. Am Ende wären Menschen bereit, dazu komplett alles von sich preisgeben und die Selbstdarstellung ende in einem Zwang.

Man sollte nicht einem Ideal hinterherlaufen, sondern eigentlich genau auf die Aspekte stolz sein, die einen von anderen unterscheiden.

(Künstler Marius Seidlitz)

Zur Ausstellung gehören neben dem knallig bunten Acryl und Aerosol auf Leinwänden auch kleinere Collagen auf Papier, die sich kritisch mit Schönheit und Perfektion beschäftigen.

Collage aus der Ausstellung "Somewhere in Neverland".
Collage aus der Ausstellung „Somewhere in Neverland“. Foto: Seidlitz

Der kreative Prozess

„Manchmal sitze abends ich eine Stunde lang vor der leeren Leinwand und überlege, wie ich anfangen soll“, sagt er. Das mache ihn manchmal wütend. Doch genau aus der Stimmung heraus würden neue Bilder entstehen, wenn erste wilde Farbkleckse auf der Leinwand landen. Es sei keine Seltenheit, dass er ein Bild kurz vor Ende noch einmal völlig übermalen würde. „Es ist ein längerer Prozess, in dem die Bilder entstehen“, erklärt der 33-Jährige.

Ich denke es ist wichtig sich selbst kreativ ausleben zu können. Den Fokus auf sich selbst, statt auf andere – in einem gesunden Mittelmaß versteht sich. Mir hat es in der Jugend geholfen Schlagzeug zu spielen.

(Künstler Marius Seidlitz)

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. August zu sehen. Geöffnet ist am Mittwoch und Samstag zwischen 18 und 21 Uhr, sowie auf Anfrage. Im Moment malt Seidlitz in seinem Atelier in Bad Berneck. „In Bayreuth hat sich leider bisher nichts ergeben“, sagt er. Optimal wäre ein Raum mit einer Größe von etwa 30 Quadratmetern.

Forum Phoinix. Foto: Redaktion