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Ball der Stadt: Drei Sorten Gäste

Hunderte Menschen gehen zum Ball. Aber wer genau hinsieht, der kann drei Typen ausmachen. So geschehen auf dem Ball der Stadt Bayreuth 2019.

Der erste Eindruck: Wow! Wer die Oberfrankenhalle als Sportarena kennt, der wundert sich, wie groß die wirklich sein kann, wenn sie mal ordentlich bestuhlt ist. Der nächste Eindruck: nochmal wow! Weil viele lange Lichterketten richtig tief hängen, fällt die eher zweckmäßige Beschaffenheit der Decke kaum auf.

Und zwischen Lichterkette und Turnhallenboden? Da tummeln sich hunderte Menschen. Und wer genau hinsieht, der kann sie in drei Gruppen einteilen.

Sorte 1:

Sehen und vor allem gesehen werden, das ist hier das Motto. Stadträte, Referenten, Ärzte, Anwälte – wer was auf sich hält, der ist hier vertreten. Und selbstverständlich lungert man nicht auf irgendwelchen Klappstühlen herum. Wäre ja noch schöner: diese rosa Dinger aus den 80ern! Man hat Freikarten für beste Lagen oder zumindest nicht irgendwelche Sitzplätze ganz am Rand. Und freilich wird auf den guten Plätzen nicht gesessen. Eher gestanden. Denn wen kümmern die Auftritte der Künstler, wenn gerade ein Referent oder Präsident von irgendwo und irgendwem in der Nähe ist. Der Abend wird weniger gefeiert als vielmehr verquatscht.

Und was ist mit Tanzen? Nunja, gut. Wenn’s der Dings aus Ausschuss X macht, dann muss man mithalten, oder besser: noch einen drauflegen. Aber wirklich nur dann.

Sorte 2:

Hier gilt: gucken und genießen. Die Tischkarten am Rand der Halle, also das, was Gruppe 1 übrig gelassen hat, waren leider schon weg. Obwohl: Wollten wir die überhaupt? Von der Tribüne aus kann man die Schönen, äh Reichen, äh Anderen doch viel besser beobachten. Und dann erst die Musik: ein Traum.

Viel wichtiger aber noch: Heute ist endlich mal wieder ein Grund, sich rauszuputzen. Seit der Hochzeit vom Sohn hängt der Anzug im Schrank und wird bestimmt nicht besser davon.

Gucken und genießen. Foto: Thorsten Gütling

Gesprochen wird freilich wenig. Aber nicht nur, weil man mit dem Gucken sonst nicht hinterher käme. Was hat sich schon noch zu sagen, wer sich gestern Abend auf der Couch schon nichts mehr zu sagen hatte. Und vorgestern und vorvorgestern auch nicht.

Typisch Italien: Überall hängt Wäsche. Also auch im Treppenhaus der Oberfrankenhalle. Foto: Thorsten Gütling

Tanzen? Vielleicht fragt er sie ja mal wieder. Das hat er doch früher so oft gemacht. Ansonsten bleibt nur rhythmisches Im-Sitzen-Zucken. Und selbst da schaut er schon komisch. Andererseits: Die Schmidts von nebenan haben gerade einen Dings, einen Dreher, aufs Parkett gelegt. Die stecken wir doch locker weg. Also gut: Ein Lied! Lass mal im Nebenraum anfangen.

Sorte 3:

Die ist zum ersten Mal hier. Gestern im Pausenhof waren sie die Checker, weil sie über ihre Anzüge und Kleider debattierten. Jetzt ist das Ganze hier so aufregend, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hin soll. Beim Auftritt eines Künstlers lieber auf der Tribüne sitzen? Oder doch besser stehen, ein Selfie mit Tanzmeute im Rücken? Rauchen gehen? Die wirklich wichtigen Leute gehen doch auch ständig raus. Und die Opern-Diva ist sowieso langweilig. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen. Laut.

Oksana Radkovska singt italienische Arien. Foto: Thorsten Gütling

Oder doch mal tanzen wie die Großen? Nee, oder? Nicht schon wieder? War nicht erst Tanzkurs? Haben wir uns da nicht kennengelernt? Und haben wir da nicht gemerkt, dass das gar nicht sooooo unser  Ding ist und er die anderen Traumtänzer nur irgendwie ausstechen musste. Okay, eine Runde Discofox vielleicht. Aber mit Eindrehen – gelernt ist gelernt.

Vespa und Discofox. Foto: Thorsten Gütling

Und danach? Vielleicht läuft ja doch noch irgendwo richtige Mukke. Im Gang hinter der Tribüne soll ein DJ auflegen. Lass mal weiter gehen. Wir sitzen hier schon seit fünf Minuten rum.