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Basketball vor 30 Jahren: Bayreuths größte Erfolge

Auf den Tag dreißig Jahre ist es heute her, dass die Mannschaft von Steiner Bayreuth mit der Titelverteidigung des Deutschen Basketball-Pokals den erfolgreichsten Monat in der Bayreuther „Sportgeschichte“ einläutete. Denn am Ende dieses Monats, am 19. April 1989, gelang der Truppe von Trainer Les Habegger im fünften Finalspiel um die Deutsche Meisterschaft sogar das „Double“. Hobbyhistoriker Stephan Müller blickt einmal mehr für das bt in die Geschichtsbücher.

Im Pokalendspiel deklassierte Steiner Bayreuth den deutschen Rekordmeister TSV 04 Bayer Leverkusen vor 4.500 Zuschauern in der Leverkusener Wilhelm-Dopatka-Halle sensationell mit 89:67 Punkten. Weil im Pokal nur ein Amerikaner eingesetzt werden durfte, entschied damals tatsächlich ein Münzwurf des Trainers. Calvin Oldham spielte, Alvin „Bo“ Dukes musste zusehen. Oldham dankte es mit 14 Punkten und der Lufthoheit gegen die „Riesen vom Rhein“.

Zwischenstand in Leverkusen. Foto: Stephan Müller.

Held des Tages: Michael Koch

Held des Tages war allerdings der junge Nationalspieler Michael Koch, der bei fünf erfolgreichen Dreiern für insgesamt 27 Punkte sorgte. Ebenfalls ein überragendes Spiel bot Uwe Sauer. Der Ex-Kölner, der für Dukes die Spielmacherposition übernahm und im Steiner-Dress drei Wochen später seine dritte deutsche Meisterschaft in Folge feierte, sorgte dafür, dass sich Michael Koch voll auf seine Aufgabe als Distanzschütze konzentrieren konnte. Am Ende entschieden das geschlossene Mannschaftsspiel und nicht weniger als neun erfolgreiche Dreier über die körperliche Überlegenheit des Leverkusener Starensembles.

Michael Koch für Steiner Bayreuth auf dem Feld. Foto: Stephan Müller.

Das Unmögliche möglich machen

Drei Wochen später holten sich Buzz Harnett, Alvin Dukes, Calvin Oldham, Uwe Sauer, Michael Koch, Anthony Reuß und Co. nach fünf dramatischen Finalspielen ebenfalls gegen Leverkusen auch die Deutsche Meisterschaft. Zunächst lief es im erstmals erreichten Meisterschaftsfinale jedoch alles andere als gut für die Wagnerstädter. Nachdem die ersten beiden Spiele dieser Best-of-Five-Serie verloren gingen, gaben viele Experten dem Team von Trainer Lester Habegger keine großen Gewinnchance mehr. Doch die Bayreuther drehten die Serie noch um.

Dixie: Inzwischen Kult. Foto: Stephan Müller.

Nach zwei Siegen in Folge bezwangen die Bayreuther im entscheidenden fünften Spiel vor mehr als 5.000 begeisterten Zuschauern die „Riesen vom Rhein“. Am Ende stand das Ergebnis von 83:77 auf der Anzeigentafel der Oberfrankenhalle. Nach dem Pokalsieg holte das Steiner-Team auch erstmals den Deutschen Meistertitel nach Bayreuth. Das Double war perfekt und sorgte in ganz Bayreuth für eine riesige Begeisterung.

Der Mann an der Seitenlinie

Damit war und ist Les Habegger auch der einzige Trainer, der in der amerikanischen NBA und in der deutschen Bundesliga den Titel erringen konnte. Im Jahr 1979 holte er als Assistenztrainer unter Headcoach Lenny Wilkens mit den Seattle Supersonics den NBA-Titel. In Bayreuth wurde er als Trainer zweimal deutscher Pokalsieger (1988 und 1989) und deutscher Meister (1989). Im Jahr 2014 wurde Habegger in die Indiana Basketball-Ruhmeshalle „Hall of Fame“ aufgenommen. Dort werden auch die Erfolge in Bayreuth genannt.

Les Habegger. Foto: Stephan Müller.

Rivalen auf dem Feld

Bis heute ist Steiner Bayreuth übrigens die einzige Mannschaft in der langen Geschichte der Basketball-Bundesliga, die in einer Best-of-Five-Serie eines Playoff-Finales einen 0:2-Rückstand noch zum Titelgewinn umwandeln konnte! Auch wenn sich die Leverkusener im Finale der Saison 1989/90 (3:1) und im Halbfinale 1990/91 (3:0) gegen Steiner Bayreuth revanchieren konnten. Es sollte nicht vergessen werden, dass die Duelle zwischen Bayreuth und Leverkusen in dieser Zeit gleichzeitig die Top-Spiele in der Basketball-Bundesliga waren.

Bayreuther Jubel bei Blickpunkt Sport. Foto: Stephan Müller.

Kuriose Tabellenkonstellationen

Beachtlich ist der Tabellenplatz der Bayreuther in den jeweiligen Abschlusstabellen der Jahre 1985 bis 1991. Nach zwei dritten Plätzen (1986 und 1987) und dem zweiten Rang im Jahr 1988 schloss Steiner Bayreuth 1989 und 1990 die Schlusstabelle als Erster ab. In der zweigeteilten Bundesliga der Saison 1990/91 belegten die Bayreuther in der Südgruppe hinter Bamberg Rang zwei. Bayreuth gehörte also von 1986 bis 1991 permanent zu den deutschen Top-Teams.

 

Die Bayreuther mit der „Salatschüssel“ für den Pokalsieg. Foto: Stephan Müller.

Text und Fotos: Stephan Müller


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Stephan MüllerStephan Müller (53) ist Stadtrat, Hobbyhistoriker, freiberuflicher Journalist und Autor zahlreicher Bücher zur Geschichte Bayreuths. Für das Bayreuther Tagblatt hat er sein Archiv geöffnet. Die besten Anekdoten gibt es künftig hier beim bt.