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Bamberger Erklärung: Oberfranken fordert echte Wirtschaftsreformen
500 Milliarden Euro Sondervermögen, und kaum etwas davon ist dort angekommen, wofür es beschlossen wurde. Die oberfränkische Wirtschaft hat genug und spricht jetzt mit einer Stimme, der sogenannten Bamberger Erklärung.
Die drei oberfränkischen Wirtschaftskammern, IHK für Oberfranken Bayreuth, IHK zu Coburg und Handwerkskammer für Oberfranken, haben gemeinsam die Bamberger Erklärung verabschiedet. Das Positionspapier ist ein klares Signal. Die Unternehmen in der Region können das Zögern der Politik bei zentralen Wirtschaftsentscheidungen nicht länger hinnehmen. Die Forderung ist eindeutig: Strukturreformen, und zwar sofort.
Bamberger Erklärung: Was steckt dahinter?
Deutschland befindet sich laut den Kammern im wirtschaftlich schwächsten Jahrzehnt seiner Nachkriegsgeschichte. Seit 2019 ist die Weltwirtschaft um 19 Prozent gewachsen, Deutschland hingegen nur um 0,7 Prozent. Über drei Millionen Menschen sind arbeitslos, nur jedes vierte Unternehmen plant noch höhere Investitionen.
„Das Vertrauen der Wirtschaft in die Handlungsfähigkeit der Politik ist erschöpft“, sagt Michael Waasner, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.
Der Umgang mit dem Sondervermögen sei „nur ein weiterer frustrierender Punkt“. Laut führenden Wirtschaftsinstituten sind 2025 bis zu 95 Prozent der 500 Milliarden Euro nicht dort angekommen, wofür sie beschlossen wurden.
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Zu teuer, zu bürokratisch, zu wenig wettbewerbsfähig
Die Kammern sehen keine konjunkturelle Delle, sondern tiefgreifende Strukturprobleme. Steuern, Energiekosten und Sozialabgaben hätten ein Niveau erreicht, das viele Betriebe an ihre Grenzen bringe. Investitionen blieben aus oder wanderten ins Ausland ab, nicht aus mangelndem Unternehmergeist, sondern wegen politischer Rahmenbedingungen.
„Der Standort ist in seiner Gesamtheit schlicht zu teuer geworden“, erklärt Andreas Engel, Präsident der IHK zu Coburg.
Die Wettbewerbsfähigkeit erodiere weiter, solange verlässliche und planbare Bedingungen fehlten.
Konkrete Forderungen zu Steuern, Sozialabgaben und Arbeitsmarkt
Die Bamberger Erklärung enthält klare wirtschaftspolitische Forderungen. Die Kammern verlangen eine schrittweise Absenkung der Körperschaftsteuer auf zehn Prozent, mit gleichwertiger Entlastung auch für Personenunternehmen. Dazu soll der Solidaritätszuschlag abgeschafft und die Sozialabgaben bei maximal 40 Prozent stabilisiert werden.
Auch beim Arbeitsmarkt fordern die Kammern mutige Reformen. Eine Teilzeitquote von 40 Prozent und europaweit überdurchschnittlich viele Krankheitstage seien das Ergebnis falscher Anreize und damit politisch korrigierbar. Im Bereich Gesundheit, Rente und Pflege müssten die Kosten auf mehr Schultern verteilt werden.
Handwerk unter Druck
Besonders das Handwerk spürt die Last hoher Lohn- und Sozialkosten.
„Unsere Fachkräfte sollen und müssen gut verdienen, aber Betriebe und Kunden müssen sich das auch leisten können“, betont Matthias Grassmann, Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken.
Ohne wirksame Reformen im Sozialsystem drohe die Schere zwischen Lohnkosten und Kaufkraft weiter aufzugehen.
Die Botschaft der oberfränkischen Kammern in der Bamberger Erklärung 2026 ist unmissverständlich. Kosten runter, Bürokratie runter, Investitionen rauf. Und das nicht irgendwann, sondern jetzt.












Foto: Grenzpolizeiinspektion Selb
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