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Bayreuth will umstrittene Straßennamen nicht länger unkommentiert lassen
Ob Karl Muck oder Hindenburg: Künftig sollen kleine Tafeln an Bayreuther Straßenschildern die problematische Geschichte der Namensgeber einordnen. Der Stadtrat muss der Idee der SPD noch zustimmen.
„Wer war eigentlich Karl Muck?“, fragt sich vielleicht so mancher Bayreuther, der zwischen Bezirkskrankenhaus und Festspielhaus in die Karl-Muck-Straße abbiegt und nicht ganz so firm in der Festspielgeschichte ist. Zum Glück gibt es in Bayreuth unter manchen Straßenschildern kleine Tafeln, die Zusatzinformationen zu den Persönlichkeiten zeigen, die Bayreuth auf seinen Straßenschildern präsentiert.
Karl-Muck-Straße gedenkt einem Antisemiten
„Dr. Karl Muck. 1859-1940. Generalmusikdirektor und Ehrenbürger, Dirigent der Bayreuther Festspiele“, steht da. Wer sich nach der Zusatztafel noch für Wikipedia entscheidet, liest: Muck setzte sich dafür ein, die Aufführung von Wagner-Werken „judenfrei“ zu halten und führte sogenannte „Köpfungslisten“. Zwei der von ihm abgelehnten Künstler ermordeten die Nazis später in Auschwitz.
Zusatztafeln sollen Straßenschilder ergänzen
Die Karl-Muck-Straße, aber auch die Hindenburgstraße oder die Furtwänglerstraße sind von einem Antrag von SPD-Stadtrat Christoph Rabenstein betroffen. Der Antrag fordert nicht etwa die Umbenennung dieser Straßen, sondern das Anbringen von Zusatztafeln, die die darauf verewigten Personen kritisch einordnen.
Für die Stadtverwaltung eine sinnvolle Lösung. „Die Umbenennung einer Straße ist für die Anwohner aufgrund der notwendigen Behördengänge fast wie ein Umzug“, so Kulturreferentin Eva Bär. Auch Antragsteller Christoph Rabenstein (SPD) zeigte Verständnis für die Umstände der Anwohner, die bei einer Namensänderung ihre Adresse ändern müssten, wies aber auch darauf hin: „Andere Städte sind da nicht so rücksichtsvoll.“
Die Kommission zur Umbenennung von Straßennamen soll Straßen vorschlagen, die Zusatzschilder erhalten sollen. „Die neuen Kontext-Schilder sollen über einen QR-Code auf weiterführende Informationen verweisen“, erläuterte Eva Bär.
Rücksicht auf die Anwohner
Eine erste von der Stadtverwaltung ausgearbeitete Liste führt nicht nur Straßennamen, die nationalsozialistischen oder antisemitischen Hintergrund haben, sondern auch Namen mit Bezug zum Ersten Weltkrieg oder anderen Schlachten. Darunter beispielsweise die „Chr.-Ritter-v.-Popp-Straße“ (Leutnant und Kompanieführer im Ersten Weltkrieg), oder die Tannenbergstraße (Schlacht von Tannenberg in Ostpreußen).
„Wir müssen was machen“, sagte Christoph Rabenstein. „Karl Muck war ein furchtbarer Antisemit und hat dafür gesorgt, dass jüdische Künstler nicht mehr auftreten dürfen – wie Cosima Wagner übrigens auch. Ludwig Thoma hat in den letzten Monaten seines Lebens hunderte antisemtische Hetzartikel geschrieben und verunglimpfte unter anderem Kurt Tucholsky.“
Im Jahr 2022 hat die Stadt zwei Straßen umbenannt.
Es gibt auch Stimmen für eine Umbenennung
Johanna Schmidtmann (Bündnis 90/Die Grünen) sagte: „Wenn eine Straße nach einer Person benannt wird, ist das eine Wertschätzung. Es gibt Personen, die haben diese Wertschätzung nicht verdient.“ Sie plädierte dafür, die Kommission solle auch über eine Umbenennung diskutieren.
Antragsteller kritisiert langsame Bearbeitung
Christoph Rabenstein ärgerte sich über die langsame Bearbeitung seines Antrags. „Der Antrag ist mittlerweile vier Jahre alt“, sagte er. „Wir haben den Antrag nicht liegen lassen, sondern er hat in den Haushaltsberatungen bislang keine Mittel bekommen“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Ebersberger.
Der Kulturausschuss war sich einig. Die Zusatzinformationen an den Straßenschildern sind eine gute Idee. Wenn der Stadtrat am Mittwoch zustimmt, soll die Kommission zur Umbenennung der Straßen dazu Vorschläge erarbeiten. Die Kosten für Herstellung und Montage der Tafeln sollen mit 5.000 Euro im nächsten Haushalt eingeplant werden.











Die Festspiele gelten als Tourismus-Magnet. Foto: bt-Redaktion
Auf dem Gelände des Schönstatt-Zentrums Marienberg bei Dörrnwasserlos (Landkreis Bamberg) stand ein Glockenturm in Flammen. © NEWS5 | Ferdinand Merzbach