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Natur

Studentenwald-Weiher unter den Top-10-UN-Projekten 2025

von Stefanie Schweinstetter am 31. Dezember, Update am 14. Januar 2026

Für die Wiederherstellung von drei Weihern im Studentenwald ist die Stadt Bayreuth im Rahmen eines UN-Projektwettbewerbs als Top-10-Projekt des Jahres 2025 ausgezeichnet worden. Die Plakette soll künftig an der Aussichtsplattform am Großen Haasenweiher angebracht werden.

Im Zuge der Auszeichnung stellte die Stadt Bayreuth den aktuellen Stand der neu angelegten und sanierten Weiher im Studentenwald vor. Der Alte Weiher ist bereits voll, die anderen füllen sich trotz des relativ trockenen Jahres allmählich mit Wasser. Bisher verläuft alles nach Plan.

Die neuen Wasserflächen entsprechen den Zielen der aktuellen UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Dies wurde nun auch durch den UN-Projektwettbewerb „Stadtnatur im Fokus“ bestätigt.

Die Wiederherstellung der Teiche und Feuchtgebiete im Studentenwald wurde dort als eines der zehn besten Projekte des Jahres 2025 gewürdigt, teilt die Stadt mit. Die Auszeichnungsplaketten sollen bald an der Aussichtsplattform am Großen Weiher angebracht werden.

Bayreuther Studentenwald: Alte Teiche, neue Aufgaben

Spaziergängerinnen und Spaziergänger im Studentenwald gehen seit einiger Zeit durch eine neue Landschaft. Der Wald lichtet sich und macht den Blick frei auf mehrere Wasserflächen,. Die größte ist je nach Wasserstand etwa 100 auf 100 Meter groß. Was heute ungewöhnlich ist, war früher keine Seltenheit. Etwa zwanzig Weiher soll es auf der Fläche zwischen Saas, Röhrensee und heutigem ÖBG gegeben haben. Übrig geblieben sind lange Zeit nur der Finstere Weiher und der Röhrensee.

Kühle Luft für die Stadt

„Bis ins 19. Jahrhundert war das eine richtige Weiherlandschaft“, sagt Robert Pfeifer, Leiter des Stadtgartenamts. Er ist verantwortlich für das Projekt. Die alten Weiher seien hauptsächlich zur Karpfenzucht genutzt worden, so Pfeifer. Die neuen Teiche sollen aber nicht wirtschaftlich genutzt werden. Stattdessen stehen ökologische Funktionen im Vordergrund: Die Teiche sollen Lebensräume für Amphibien bieten und einen Beitrag zur Klimaanpassung leisten.

Denn der Studentenwald liegt in einem für das Stadtklima wichtigen Bereich. Im Süden Bayreuths befinden sich Kaltluftentstehungsgebiete. „Viel kühle Luft entsteht über den größeren Waldflächen rund um den Sophienberg“, sagt Dimitri Seidenath vom Stadtgartenamt. Von dort ströme diese kühle Luft über Fürsetz und Destuben in Richtung Innenstadt. „Es ist entscheidend, dass dieser Kaltluftstrom nicht unterbrochen wird“, so Seidenath.

Um das zu gewährleisten, setzt die Stadt auf sogenannte „grüne Adern“ – zusammenhängende Vegetationsräume, die der Luft den Weg in die Stadt offenhalten. Auch der neu angelegte Bürgerhain zwischen Studentenwald und Saas soll dazu seinen Beitrag leisten. Die neuen Teiche sollen diesen Effekt verstärken: Die Verdunstungkälte soll die Lufttemperatur weiter senken.

Große Auswirkungen im Sommer seien jedoch noch nicht zu erwarten, erklärte Wolfgang Babel, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Meteorologie an der Universität Bayreuth. „Es ist dafür einfach noch zu früh“, sagte er. Die Universität betreibt in der Stadt und im Umland, auch im Studentenwald, mehrere Messstationen im Meteorologischen Stadtmessnetz (MISKOR). Dort werden unter anderem Temperatur, Wasserstände und Luftströmungen erfasst. Die Messdaten sind öffentlich einsehbar.

Ein weiterer Grund, warum es im Sommer keinen starken Kaltluftstrom aus dem Studentenwald in die Innenstadt gibt, liegt in der Größe der Flächen. Zudem behindern bauliche Barrieren wie der Wittelsbacherring den Luftaustausch.

Dennoch zeigen sich bereits Unterschiede im sogenannten Mikroklima, also in kleinräumigen Klimabereichen. Durch die Kombination aus Weihern und Wald weist der Studentenwald ein deutlich milderes Klima auf als die Innenstadt. Im Vergleich zu Standorten wie der Kämmereistraße oder dem Marktplatz ist es dort im Durchschnitt 1,7 Grad Celsius kühler. Besonders nachts sind die Unterschiede deutlich und liegen bei 2 bis 2,5 Grad, teils sogar bei 4 bis 6 Grad. Tagsüber fallen die Unterschiede geringer aus und betragen etwa 1 bis 2 Grad. Insgesamt sei eine klare ausgleichende Wirkung des Weiher- und Waldklimas erkennbar, so Babel.

Die Teiche füllen sich ausschließlich durch Niederschläge

Drei Gewässer sind aktuell Teil des Projekts: der Große Haasenweiher, der Alte Haasenweiher und der Schwarze Weiher. Dass sie an dieser Stelle wieder entstehen konnten, hat auch mit der Geschichte des Ortes zu tun. „Weil hier früher bereits Weiher lagen, war die Wiederbelebung vergleichsweise unkompliziert“, sagt Pfeifer. Die meterdicke Lehm- und Tonschicht habe man wohl schon im Mittelalter genutzt, um Teiche anzulegen. Sie sorgt dafür, dass das Wasser nicht einfach versickert.

Die Teiche füllen sich nun nach und nach mit Regenwasser. „Alles Wasser, das vom Boden, von den Bäumen und von der Vegetationsdecke nicht aufgenommen wird, läuft hier zusammen und speist die Teiche“, erklärt Robert Pfeifer. So entsteht ein System, das Regen zurückhält, anstatt ihn abzuleiten. Langfristig könne sich in Teilbereichen sogar ein Moor entwickeln und nicht nur Wasser, sondern auch CO2 speichern.

Über die sogenannten „Mönche“ lässt sich der Wasserstand der Teiche regulieren. „Im Mittelalter haben vor allem die Klöster Teiche bewirtschaftet“, sagt Oberbürgermeister Ebersberger. Daher also der Name. An den Mönchen lässt sich ein Punkt festlegen, bis zu dem sich der Teich füllen kann. Hat der Wasserstand diese Marke erreicht, fließt hinzukommendes Wasser über den Mönch in Richtung Finsterer Weiher und Röhrensee ab.

Im Frühjahr sollen die Teiche aufgestaut werden, um über die Sommermonate möglichst viel Wasser vorzuhalten, das verdunsten kann. Dauerhaft maximal gefüllt bleiben sie jedoch nicht. „Die Teiche sollen auch bei Starkregen noch Wasser aufnehmen können“, sagt Robert Pfeifer. Wie sich das System bewährt, wird genau beobachtet – auch mit Blick auf Laubeintrag und mögliche Schlammanreicherung. Besonders spannend sollen die neuen Lebensräume im Frühjahr sein, so Dimitri Seidenath. Die Universität Bayreuth begleitet die Stadt bei den Beobachtungen und Vermessungen der neuen Lebewesen, die dort einziehen werden.

Neuer Lebensraum für Amphibien

Vor allem Amphibien sollen hier einen neuen Lebensraum finden. „Wenn solche Wasserflächen entstehen, kommen die Arten in der Regel von allein“, erläutert Seidenath. „In der Umgebung, zum Beispiel am Lindenhof oder im Botanischen Garten gibt es bereits gute Populationen.“ Von dort aus sollen die Tiere eigenständig in die Teiche im Studentenwald einwandern. Neben Grün- und Braunfröschen rechnet das Stadtgartenamt damit, dass auch die Knoblauchkröte aus dem botanischen Garten in die Weiher im Studentenwald kommt.

Fische will das Stadtgartenamt nicht aktiv einsetzen. Wahrscheinlich werden sie selbst auftauchen – etwa durch Enten, die in ihrem Gefieder Larven mitbringen. „Unser Ziel ist ein möglichst naturnahes System“, sagt Seidenath. Ein zu großer Fischbestand könnte die Eier und Larven der Amphibien gefährden. Die Gewässer sollen sich zunächst einmal eigenständig entwickeln. Erst in einem zweiten Schritt könne man überlegen, gezielt besonders gefährdete Arten zu unterstützen.

Hoffen auf den Kammmolch

Auch jetzt sind die Wasserflächen schon belebt. „Die ersten Wasserkäfer haben wir schon entdeckt, auch Enten haben die Teiche schon gefunden“, sagt Robert Pfeifer. Im kommenden Jahr rechnet er zudem mit Libellen und weiteren Wasserinsekten. Besonders hofft das Stadtgartenamt auf seltene Amphibienarten wie den Kammmolch. „Er ist stark bedroht und eine der seltensten Molcharten in unserer Region“, erklärt Pfeifer. Man trage eine besondere Verantwortung, neue Rückzugsräume zu schaffen, von denen sich die Art weiter ausbreiten kann.

Auch aus Sicht von Stadtförster Dirk Muschik ist die Veränderung im Studentenwald positiv zu sehen. „Je mehr Baumarten, je mehr Biotope und je mehr Wechsel ich in einen Lebensraum hab, desto stabiler stellt er sich dar für die Zukunft“, so Muschik.

Beobachten statt eingreifen

„Die Idee, diese Weiher wieder herzustellen ist schon alt. Lange waren aber die Gelder nicht da“, sagt Oberbürgermeister Thomas Ebersberger. Die Wiederherstellung der Teiche kostet nach Angaben der Stadt rund 240.000 Euro. 90 Prozent davon werden durch das Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ übernommen.

Neben ökologischen Effekten soll im Studentenwald auch eine neue Naturlandschaft erlebbar werden. Am Großen Haasenweiher gibt es eine Beobachtungsplattformen mit Bänken, die den Blick auf die Wasserflächen öffnet, ohne die sensiblen Bereiche zu stören. Auch am Finsteren Weiher, gegenüber des Röhrenseeparks an der Straße, gibt es eine neue Plattform. „Das soll den Besuchern eine gute Sicht auf die Teiche ermöglichen und gleichzeitig die Natur schützen“, so Ebersberger.