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Wirtschaft

Deutschlandticket für Azubis zum halben Preis?

Die Gewerkschaft NGG will das Deutschlandticket für Azubis zum halben Preis, teilweise gefördert vom Arbeitgeber. Während die einen darin eine Chance sehen, betrachten andere es als bürokratisches Problem.

Die Gewerkschaft NGG fordert, dass Ausbildungsbetriebe ihre Azubis beim Deutschlandticket unterstützen, damit die Jugendlichen für nur 31,50 Euro pro Monat unterwegs sein können. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) sieht eine verpflichtende Kostenbeteiligung kritisch und setzt lieber auf individuelle Lösungen und die Vorteile der dualen Ausbildung.

NGG fordert günstigeres Ticket für Auszubildende

„Viele Azubis müssen für die tägliche Fahrt zur Berufsschule oder zum Ausbildungsplatz weite Strecken zurücklegen“, sagt Rainer Reißfelder, kommissarischer Geschäftsführer der NGG Oberfranken.

Das Land Bayern unterstützt das Ticket bereits mit 20 Euro, die NGG fordert zusätzlich 11,50 Euro von den Betrieben, damit Azubis nur die Hälfte des regulären Preises zahlen, also 31,50 Euro pro Monat. Die Idee ist nicht neu.

„Ein echter Mobil-Deal“

In Niedersachsen bekommen Azubis das Deutschlandticket bereits für die Hälfte des regulären Preises, vorausgesetzt, die Arbeitgeber beteiligen sich.

Reißfelder nennt das einen „echten Mobil-Deal“ und fordert, dass Bayern diesem Beispiel folgt. Ähnliche Modelle gebe es auch auf tariflicher Ebene, zum Beispiel in der bayerischen Milch- und Brauwirtschaft oder im Gastgewerbe, wo tarifgebundene Auszubildende bereits vom Arbeitgeber unterstützt werden.

„Gewerkschaftsmitglieder haben somit wieder einmal einen Vorteil. Die Mobilität von Auszubildenden sollte aber nicht davon abhängig sein, ob ein Betrieb tarifgebunden ist. Das niedersächsische Modell schafft nun die Möglichkeit, alle Azubis profitieren zu lassen“, so Reißfelder.

Dies würde die Auszubildenden nicht nur entlasten, sondern könnte auch den Nebeneffekt haben, die Attraktivität der Ausbildung in Oberfranken und bayernweit zu steigern.

Arbeitgeber sehen verpflichtende Kostenbeteiligung kritisch

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) bewertet den Vorschlag anders. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt erklärt:

„Viele Unternehmen unterstützen ihre Azubis bereits individuell, etwa bei Fahrtkosten oder dem Führerschein. Eine verpflichtende Kostenbeteiligung am Deutschlandticket lehnen wir jedoch entschieden ab. Sie würde vor allem zusätzlichen bürokratischen Mehraufwand schaffen.“

Sofern es um die Attraktivität der Ausbildungsstellen geht, müsse mit den Auszubildenden besser kommuniziert werden, welche Angebote und Chancen es gibt, etwa Übernahmequoten in der Metall- und Elektro-Industrie von über 90 Prozent.

Die vbw setze daher darauf, die Vorteile der Ausbildung in Bayern und die Chancen im Anschluss stärker hervorzuheben.

„Ich denke da zum Beispiel an eine flächendeckende Angebotsausweitung für das Azubi-Ticket. Mit diesem können Jugendliche günstiger als mit dem Deutschlandticket die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.“

Dies ist allerdings bislang nur innerhalb ausgewählter Verkehrsräume wie München oder Augsburg gültig. Das Ticket kostet umgerechnet 30,42 Euro im Monat (365 Euro im Jahr) und wird durch den Freistaat Bayern gefördert.

Zwei Perspektiven auf die Mobilitätsförderung

Beide Seiten stimmen darin überein, dass Mobilität und attraktive Ausbildung wichtig sind, nur die Wege dorthin sehen sie unterschiedlich.

Für Reißfelder ist klar:

„Es geht darum, alle Azubis mobil zu machen, ohne dass der Geldbeutel zu stark belastet wird.“

Für Brossardt steht dagegen die Eigenverantwortung der Unternehmen im Vordergrund:

„Die Entscheidung, wie wir unsere Azubis unterstützen, sollten die Betriebe selbst treffen.“