Zuletzt aktualisiert am

Bayreuth

Stadtrat stimmt zu: Planung des Wohnbau-Projekts Walküre kann weitergehen

Die Zukunft des Walküre-Geländes sorgt für Diskussionen. Während die einen schnellen Wohnungsbau fordern, warnen andere vor dem Verlust eines Stücks Bayreuther Industriegeschichte. 

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 26. März den Weg für das Bauprojekt am Festspielhügel frei gemacht. Das Areal soll künftig als Wohn- und Mischgebiet genutzt werden können. Die Planung kann also in die nächste Runde gehen.

Genauere Details zur Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss und zum interfraktionellen Antrag lesen Sie unten.

Etwas „Schönes“ für den Festspielhügel

Als „nicht besonders schön“, beschrieb Thomas Bauske (SPD) das Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik aktuell, die Lage am Festspielhügel habe aber etwas Schönes verdient. Seine Fraktion begrüßte den Entwurf des Architekturbüros Hauck, der autofreie Bereiche und eine gute Durchwegung vorsieht. „Es liegt uns daran, dass hier schnell gebaut wird“, so Bauske. Er sprach sich für eine Verpflichtung des Eigentümers aus, innerhalb einer bestimmten Frist auf dem Grundstück zu bauen. Zustimmung fand dieser Vorschlag auch von CSU-Stadträtin Stephanie Kollmer. Eine Belebung des Viertels durch Cafés, Restaurants oder ein Hotel seien vorstellbar. „Es ist gut, wenn in das Wohngebiet Leben kommt“, so Kollmer.

Grüne: Bestand ist schützenswert

Gegenwind kam aus der Fraktion der Grünen. „Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters“, sagte Sabine Steininger. Die Porzellanfabrik sei stadtteilprägend und zeige einen wunderbaren Teil Bayreuther Industriegeschichte. Sie forderte ein Gutachten zur Denkmalwürdigkeit der Gebäude und kritisierte, dass der Stadtverwaltung offenbar mehr an den Interessen der Investoren liege, als an einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Auch Karsten Schieseck (BG) appellierte: „Bitte denkt an die Geschichte. Es wäre schön, wenn zum Beispiel die Fabrikantenvilla erhalten bleiben und anderweitig genutzt werden könnte.“ Innerhalb der BG-Fraktion, die zu den Antragstellern gehört, sei man aber der Ansicht, dass Wohnungen am Festspielhügel sinnvoller seien als Gewerbe.

Stadtheimatpfleger: „Das Museum muss erhalten bleiben!“

Auch Stadtheimatpfleger Norbert Hübsch wies auf die besondere Bedeutung des Areals hin: „Seit 1899 ist das Walküre-Gelände eine städtebauliche Dominante am Grünen Hügel, die durch die historischen Fabrikgebäude und die Villa geprägt ist“, sagte er in der Ausschuss-Sitzung. Die ursprünglich für Januar geplante Prüfung der Denkmaleigenschaft sei aus Termingründen verschoben worden, solle aber nachgeholt werden. Besonders hob Hübsch die wirtschafts- und sozialgeschichtliche Bedeutung des Standorts hervor. Die Familie Meyer, einst Betreiber der Porzellanfabrik, habe schon 1910 bezahlten Urlaub eingeführt und Wohnraum für ihre Mitarbeiter geschaffen. „Das Firmenmuseum sollte unbedingt erhalten bleiben“, so Hübsch.

OB: Denkmaleignung wird geprüft

Oberbürgermeister Thomas Ebersberger stellte klar, dass die Denkmaleignung im Rahmen des Verfahrens gutachterlich geprüft werde und das kleine Museum erhalten bleiben solle. Die Entscheidung über das weitere Vorgehen liegt nun beim Stadtrat. Das Gremium soll sich in der kommenden Woche mit dem Thema befassen.

Getrennte Abstimmung

Auf Antrag aus der Fraktion der Grünen wurde über die drei Punkte des Gutachtens einzeln abgestimmt. Die Fraktion stimmte gegen die Bezeichnung des Areals als „Wohn- und Mischgebiet“ sowie die Aufstellung des Bebauungsplanverfahrens, jedoch für die Unterrichtung der Öffentlichkeit. Punkt drei war somit einstimmig.

Artikel vom 13. März 2025: Interfraktioneller Antrag zum Wohnen am Festspielpark

Das Gelände der ehemaligen Porzellanfabrik Walküre am Festspielpark wird am nächsten Dienstag, den 18. März 2025, Thema im Stadtentwicklungsausschuss. Die Fabrik hat den Betrieb im Jahr 2019 eingestellt. Nun sollen auf dem Areal Wohnungen entstehen. Das geht aus einem interfraktionellen Antrag von CSU, SPD, BG, FDP/DU/FL und JB hervor.

Antrag betont gute Lage

Dass das etwa 20.000 Quadratmeter große Gelände zwischen Tristanstraße und Gravenreutherstraße in prominenter Lage am Festspielhügel ungenutzt ist, ist bedauerlich, so die Stadträte. Der von Stefan Specht, Thomas Bauske, Stephan Müller, Nina Hellbach und Christopher Süss unterschriebene Antrag betont das große Potenzial des Areals durch die Lage am Festspielpark, die Verkehrsanbindung und die Nähe zum angrenzenden Edeka-Markt.

Bezahlbar, grün und möglichst autofrei soll es werden

„Die aktuell fast vollständig versiegelte Fläche einer ehemaligen Gewerbe-/Industriebrache ist deutlich untergenutzt und bedarf einer städtebaulichen Wiedernutzung und Revitalisierung“, heißt es in dem Antrag. Besonderen Wert legen die Stadträte auf folgende Punkte:

  • Attraktiver und bezahlbarer Wohnraum. Der in der Bayreuther Wohnbaustrategie festgelegte Anteil sozial geförderten Wohnungsbaus soll deutlich überschritten werden. 
  • Ein Grünbereich, also eine „grüne Mitte“soll im Zentrum des Baugebietes entstehen.
  • Das Planungsgebiet soll weitgehend autofrei geplant und mit umfassenden Rad- und Fußwegen ausgestattet werden.

Um das Problem des Wohnungsmangels möglichst schnell zu lösen, soll das Bebauungsplanverfahren beschleunigt durchgeführt werden. Lesen Sie auch: So könnte es mit dem webatex-Areal in der Tunnelstraße weitergehen.

Etwa 180 Wohneinheiten geplant

In dem Antrag ist von einem Privatinvestor die Rede, der bereit ist, etwa 180 Wohnungen und ein gewerblich genutztes Gebäude wie beispielsweise ein Hotel zu bauen. Auch einen Entwurf des Architekturbüros Hauck gibt es schon.

Oberbürgermeister Thomas Ebersberger zeigt sich zuversichtlich. „Wenn überwiegende Teile der Fraktionen zustimmen, ist das ein Selbstläufer. Der Eigentümer will dann recht schnell mit dem ersten Bauabschnitt anfangen.“

Gutachten stehen an

Die vom Grundstückseigentümer erforderliche, unterschriebene Grundzustimmungserklärung liege bereits vor, so die Stadtverwaltung. Der Eigentümer erkläre sich also bereit, die erforderlichen Gutachten gemeinsam mit der Stadt Bayreuth einzuholen. Besonders relevant, weil das Areal ja zuvor gewerblich genutzt wurde. „Belastungen des Bodens mit erheblich umweltgefährdenden Stoffen können nicht ausgeschlossen werden“, so die Stadt Bayreuth.