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Fränkisches Gelbvieh in Bayreuth: Erhalt einer gefährdeten Rinderrasse
Schon gesehen? Am Buchstein bei Bayreuth grast die seltene Fränkisches Gelbvieh des Bezirkslehrguts, die 2025 zur „Gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“ gekürt wurde.
Die Auszeichnung „Gefährdete Nutztierrasse des Jahres 2025“ wurde durch die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e. V. (GEH) am 5. Januar 2025 bekanntgegeben. In diesem Jahr fiel die Wahl auf das Gelbvieh (Frankenvieh).
Ziel dieser Auszeichnung ist es, auf den Rückgang bedrohter Haustier-Rassen aufmerksam zu machen und die Öffentlichkeit für die Bedeutung des Erhalts dieser Kulturrassen zu sensibilisieren.
Seltene Gelbviehherde am Buchstein
Wer am Buchstein am Stadtrand von Bayreuth unterwegs ist, begegnet ihnen oft: kräftige, goldbraune Kühe mit ihren Kälbern, die von Frühjahr bis Herbst auf den Weiden der Landwirtschaftlichen Lehranstalten stehen. Es handelt sich um die gefährdete Nutztierrasse Gelbvieh, genauer gesagt um eine Gelbviehmutterkuhherde.
„Der Bezirkstag hat vor knapp 20 Jahren beschlossen, das Fränkische Gelbvieh in einer eigenen Mutterkuhherde zu halten, um einer bedrohten, regionaltypischen Rasse einen sicheren Platz zu geben“, erklärt Bezirkstagspräsident Henry Schramm.
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Die Gelbvieh-Mutterkuhherde in Bayreuth
Die Mutterkuhherde umfasst aktuell rund 24 Kühe mit ihren Kälbern. Zwischen 2004 und 2024 lief hier ein Versuchsprojekt in Kooperation mit der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Ziel war es, die Herde hinsichtlich Fleischqualität weiterzuentwickeln.
Derzeit leben 25 Kälber in der Herde – alle Nachkommen des Deckbullen „Herald“, der im Stall steht. Mit molekulargenetischen Analysen wurde geprüft, wie gezielt auf Fleischqualität gezüchtet werden kann. Besonders untersucht wurde der Gehalte an intramuskulärem Fett, das Geschmack, Zartheit und Marmorierung des Fleisches verbessert.
„Die Ergebnisse zeigen, dass das Gelbvieh starke Aufzucht- und Mastleistungen liefert. Tiere mit gezielten Markern zeigten eine sichtbar bessere Marmorierung – ein Plus für den Genusswert“, so Sebastian Thiem, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten.
Warum gefährdete Nutztierrassen trotzdem verzehrt werden
Auf den ersten Blick scheint es widersprüchlich: Eine Nutztierrasse gilt als „gefährdet“ und wird dennoch für den Verzehr gehalten und geschlachtet. Tatsächlich ist der Verzehr dieser Tiere oft Teil einer gezielten Erhaltungsstrategie. So wird das Überleben seltener und ursprünglicher Rassen gesichert.
Durch gezielte Vermarktung und Nutzung – etwa als regionale Spezialität, bei fairer Bezahlung und artgerechter Haltung – behalten Landwirte ein wirtschaftliches Interesse an der Zucht alter Rassen. Nur auf diese Weise lohnt sich die Haltung, und die Population kann langfristig erhalten werden.
Gelbvieh-Herde als fester Bestandteil der Lehranstalten
Bezirkstagspräsident Schramm betont: „Die Entscheidung, Anfang der 2000er Jahre eine Gelbvieh-Mutterkuhherde aufzubauen, war goldrichtig. Die Tiere gehören inzwischen fest zum Bild unserer Bildungsstätte.“
Die Herde unterstützt laufende Projekte zur Fütterung, zum Absetzalter und zur Kurzrasenweide. Sie ist ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung einer wertvollen fränkischen Rasse und ein Symbol für die Identität der Lehranstalten.











Im Bild von links: Markus Ruckdeschel (Kreisgeschäftsführer BRK-Bayreuth), Karl Bernet (ehrenamtlicher Projektkoordinator Defi-Netzwerk-Bayreuth) und Ibukun Koussemou (Integrationsbeauftragter der Stadt Bayreuth). © BRK-Bayreuth
Symbolbild: © Michael Christensen