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Gerichtsprozess

„Genieß dein Frühstück, solange du noch kannst“ – Freundin und Tochter sagen beim Mordprozess aus

Im Mordprozess gegen Werner M. schildern Freundin und Tochter von Claudia K., wie sie die Trennung erlebten – und warum sie ein ungutes Gefühl hatten.

„Genieß dein Frühstück, solange du noch kannst“ – eine Nachricht von Werner M. an Claudia K., die ihre Freundin als Drohung versteht. Vor Gericht schildern sowohl diese Freundin als auch die Tochter der Getöteten, dass sie kurz vor Claudias Tod ein ungutes Gefühl hatten. Claudia selbst hingegen wirkte erleichtert über die bevorstehende Trennung – und glaubte offenbar, Werner M. habe sich damit abgefunden.

Enge Freundin von Claudia K. sagt aus

Die Zeugin ist ein paar Jahre jünger als Claudia K.. Claudia kommt regelmäßig zu ihr in den Friseursalon, dazwischen treffen die Freundinnen sich zum Frühstücken, schreiben sich auf WhatsApp. Sie kennt Werner M. seit 28 Jahren, länger als Claudia. Meistens sei er freundlich und nett gewesen, wenn Alkohol im Spiel war, auch mal reizbar. Dann habe schon ein Blick von ihm genügt und man habe gewusst: Jetzt ist’s genug.

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Claudia K. zieht Grenze beim Alkohol

Vielleicht schon ein oder zwei Jahre vor ihrem Tod habe Claudia K. geahnt, dass er wieder trinke, so die Freundin. Gerochen habe sie es und an seinem Verhalten gemerkt. Dass die Freundin Claudia K. als geduldig beschreibt, scheint also zutreffend. „War dieser Verdacht der Grund, warum die Beziehung nicht mehr glücklich war?“, will Richterin Andrea Deyerling wissen. „Der einzige Grund“, sagt die Zeugin. „Sie hat gehofft, er lässt es ihr zuliebe.“ Ganz klar sei die Trennung für Claudia K. geworden, als sie gemerkt habe, dass er auch in der Wohnung trinkt. Ein paar Wochen vor ihrem Tod habe sie bemerkt, wie Werner M. mit seinem Sohn im „Kinderzimmer“ der Wohnung, in dem er inzwischen wohl schlief, getrunken habe. Claudia soll ihn angesprochen und gefragt haben, ob er es für richtig halte, mit einem trockenen Alkoholiker zu trinken. Die beiden Männer hätten nur gelacht, sie hätte sie aus der Wohnung geschmissen. Werner M. verbringt die Nacht bei seinem Sohn. „Am nächsten Tag hat sie ihn halt leider wieder reingelassen“, sagt die Zeugin.

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„Ich hab mir Sorgen gemacht“

Als Claudia K. und die Freundin sich am Freitag vor Claudia K.s Tod zum Frühstücken treffen, scheint die Trennung eine sichere Sache für Claudia zu sein. Werner sei einverstanden, erzählt sie der Freundin. Das Paar lebt zu diesem Zeitpunkt noch in der gemeinsamen Wohnung, bis M. eine neue Wohnung findet. „Sie hat mich abgeholt und war so erleichtert und frei. Sie hat gesagt, sie schafft diese Trennung und hat sich alles ausgerechnet“, erzählt die Zeugin. Die beiden Frauen machen sich einen schönen Vormittag. „Sie hat das Frühstücksbuffet in ihren WhatsApp-Status gepostet“, so die Freundin. Daraufhin habe Claudia K. Eine Nachricht von Werner M. erhalten, die so gelautet haben soll: „Genieß dein Frühstück, solange du noch kannst.“ Sie, die Zeugin, habe das als Drohung empfunden. „Ich hab ihr gezeigt, wie sie ihn blockieren kann und wollte sie gar nicht mehr nachhause gehen lassen“, sagt die Zeugin. Aber Claudia K. habe die Nachricht anders interpretiert. Sie dachte, Werner meine lediglich, dass sie nach seinem Auszug womöglich weniger Geld für ein Frühstück zur Verfügung hätte.

Claudia K. versucht, ihre Freundin zu beruhigen: Sie könne Werner M. zur Seite schieben, sollte er sie angreifen. „Sie hat sich keine Sorgen gemacht, weil Werner ihr gegenüber gesagt hat, dass er mit der Trennung einverstanden ist.“ Die Freundin fragt nun täglich nach, wie es Claudia K. geht. „Ich hab ihr am Freitagabend nochmal geschrieben, weil ich mir Sorgen gemacht hab.“ Sie rät Claudia K., das Schlafzimmer abzusperren. Auch am Samstag fragt sie nochmal nach. Am Sonntag, den 2. März, schreibt sie Claudia nicht, weil sie weiß, dass sie mit einer anderen Freundin verabredet ist. Am Abend wird Claudia K. tot in ihrer Wohnung gefunden. „Ich hab mich dann am Montag früh nochmal bei ihr gemeldet, da war sie schon tot“, sagt die Freundin.

Werner M. habe auch sie, die Zeugin, mal kontaktiert, während er noch mit Claudia K. zusammen war. Es habe einen Videoanruf gegeben, in dem M. ihr Avancen gemacht habe. Sowohl ihrem Mann, als auch Claudia habe sie davon erzählt, dann den Kontakt mit M. abgebrochen und ihn gemieden.

Tochter des Opfers sagt aus

Dann tritt Claudia K.s Tochter in den Zeugenstand. Von der Trennung ihrer Mutter hat sie zunächst durch Werner M. erfahren. Am 25. Februar schickt er ihr eine Facebook-Nachricht: „Ich habe mich von deiner Mama getrennt.“ Die Tochter fragt bei Claudia K. nach und erfährt, dass ihre Mutter die Trennung wollte. „Ich konnte es gar nicht glauben, es waren ja fast 14 Jahre und man hat nichts davon gemerkt“, sagt Claudia K.s Tochter vor Gericht.

Für die Kinder sei Werner M. lange ein fester Teil der Familie gewesen – für die beiden Enkel im Vorschulalter der Opa, für sie selbst teilweise ein „Ersatzpapa“. Die ältere Enkeltochter habe oft bei der Oma übernachtet.

Tochter von Claudia K.: „Ich hatte kein gutes Gefühl“

Nach der Trennung habe Claudia Ks. Tochter Zweifel gehabt, ob das gemeinsame Wohnen noch funktionieren könne. „Man hat so oft gehört, dass da was passiert. Ich hatte kein gutes Gefühl“, sagt sie. Einen konkreten Anlass habe sie aber nicht gehabt. Claudia K. selbst habe nicht unruhig gewirkt: Werner benehme sich, aber sie sei froh, wenn er ausgezogen sei, schreibt sie der Tochter und schickt ein Foto, das zeigt, dass Werner M. bereits wieder auf einer Dating-Plattform unterwegs war.

Bekritzelte Porzellanfiguren: „Das ist nicht normal“

Besonders in Erinnerung bleibt der Tochter ein Detail aus der Wohnung ihrer Mutter. Claudia K. hatte mit Leidenschaft Porzellanbären der Firma Goebel gesammelt, nur eine habe ihr noch gefehlt. Nach der Tat, als die Polizei die Wohnung freigegeben hatte, seien der Tochter sofort die rot bekritzelten Figuren aufgefallen. Dass ihre Kinder dafür verantwortlich gewesen sein könnten, schließt sie aus. „Ich hab sofort ein Foto gemacht, weil ich gedacht hab: ‚Das ist nicht normal‘“, sagt sie. Später habe sie die Figuren mit Nagellackentferner und viel Geduld gereinigt. „Leider“, sagt sie nun vor Gericht. Ob die Spuren heute noch zu sehen seien, fragt die Richterin. „Nein, es wurde richtig sauber“, sagt sie.

Was ein Kriminalbeamter zu den bekritzelten Figuren zu sagen hatte, lesen Sie im Prozessbericht vom zweiten Verhandlungstag.

Am Montag, den 25. August 2025, um 9 Uhr geht es weiter. Für nächste Woche sind noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt, dann folgt eine längere Pause.