Zuletzt aktualisiert am
Horrorunfall im Tunnel Laineck: Großübung für den Ernstfall
Rund 200 Einsatzkräfte haben am Samstag eine große Rettungsübung auf der Bundesautobahn 9 bei Bayreuth durchgeführt. Schauplatz war der Tunnel „Einhausung Laineck“ vor der Ausfahrt Bayreuth-Nord in Richtung Berlin.
Die Sperrung der A9 wegen Arbeiten an der Hochbrücke nutzten die Einsatzkräfte in Bayreuth, um für den Ernstfall zu üben. Das Szenario begann mit einem Verkehrsunfall im vorderen Teil des Tunnels. Ein Fahrzeug geriet dabei in Brand. Kurz darauf entwickelte sich im Rückstau eine größere Kettenreaktion mit mehreren beteiligten Autos.
Für die Einsatzkräfte entwickelte sich die Lage schrittweise. Insgesamt waren drei Alarmierungswellen vorgesehen. Den Kräften selbst war zunächst nicht bekannt, dass es sich um eine Übung handelte. So sollte realistisch geübt werden, wie sich ein Einsatz bei zunehmender Schadenslage entwickelt. Nach drei echten Feuerwehreinsätzen früher am Tag war es für viele sicherlich ein harter Samstag.
Dichter Rauch und schlechte Sicht
Besonders schwierig ist ein Brand in einem Tunnel wegen der starken Rauchentwicklung. Für die Übung wurde der Tunnel mit Nebelmaschinen verraucht. Gleichzeitig blieb die Beleuchtung am Übungstag abgeschaltet.
Die Sicht war dadurch extrem eingeschränkt. Teilweise war im Tunnel kaum noch etwas zu erkennen.
„Dass der Rauch hier so durchzieht und es so finster wird, hätte ich auch nicht gedacht“, sagte Feuerwehrsprecher Felix Lindner während der Übung.
Normalerweise würden Notlichter im Tunnel eingeschaltet. Doch auch diese helfen bei dichtem Rauch nur begrenzt.
„Der Rauch ist oft gefährlicher als das Feuer selbst“, erklärte Lindner. Deshalb müsse zunächst der Brand bekämpft werden, bevor eine umfassende Rettung möglich ist.
Einsatz von beiden Seiten des Tunnels
Die Einsatzkräfte rückten von zwei Seiten an. Ein Teil der Feuerwehr fuhr über die Gegenrichtung der Autobahn zur Einsatzstelle. Über Verbindungstüren zwischen den Röhren konnten die Kräfte anschließend in den betroffenen Tunnel gelangen.
Zuerst musste der Rauch mit großen Lüftern aus dem Tunnel gedrückt werden. Dann begannen Feuerwehrtrupps unter Atemschutz mit der Brandbekämpfung.
Parallel suchten andere Teams systematisch nach Verletzten. Mit Blindstöcken tasteten sie sich durch den Tunnel und kontrollierten Fahrzeuge.
Ein spezielles Markierungssystem half bei der Orientierung und ermöglichte es, den Tunnel so schnell wie möglich zu durchsuchen.
- Gelbes Blinklicht zeigt an, dass eine verletzte Person gefunden wurde.
- Ein Blaues weist auf Wasserentnahmestellen hin.
„Dieses System haben wir vor Jahren bei einer Trainingsmaßnahme in der Schweiz kennengelernt“, so Lindner.
Aufwendige Rettung von Eingeklemmten
Die Szene wirkte äußerst realistisch: Ein Auffahrunfall mit mehreren beschädigten Fahrzeugen war aufgebaut worden, dazu Statisten als Verletzte.
Mehrere Unfallopfer galten als eingeklemmt. Feuerwehrkräfte mussten Fahrzeuge mit hydraulischen Rettungsscheren aufschneiden.
Bei schweren Verletzungen entfernten sie teilweise das gesamte Dach eines Autos. So konnten Patienten möglichst schonend mit einer Trage aus dem Fahrzeug gehoben werden.
Der Rettungsdienst übernahm anschließend die Versorgung. Nach Angaben von BRK-Pressesprecher Thomas Janovsky wurden insgesamt zwölf verletzte Personen simuliert, die transportiert werden mussten.
Realistische Szenen mit Statisten
Für die Übung spielten zahlreiche Statisten Verletzte. Sie lagen in Fahrzeugen oder auf der Fahrbahn, riefen um Hilfe und stellten schwere Verletzungen dar.
Blutspuren im Gesicht, Schreie und das Krachen der Rettungswerkzeuge sorgten für eine sehr realistische Atmosphäre.
Ein Statist beschrieb die Situation später als „unheimlich“:
„Ich möchte nicht wissen, wie das im echten Leben wäre.“
Warum solche Übungen wichtig sind
Tunnelbrände gehören zu den schwierigsten Einsätzen für Feuerwehr und Rettungsdienst, so Lindner. Rauch kann sich schnell ausbreiten und Menschen im Tunnel gefährden.
Hinzu kommen lange Wege im Tunnel und schwierige Zugänge für Einsatzfahrzeuge. Die Arbeiten an der Hochbrücke boten die perfekte Gelegenheit zum Üben.
Einsatz dauerte über zwei Stunden
Die Übung dauerte rund zwei bis zweieinhalb Stunden. Danach begann der aufwendige Abbau der Übungsstelle.
Anschließend wurden die Einsatzkräfte vor Ort versorgt. Beobachter hatten während der Übung Notizen gemacht. Diese werden nun ausgewertet.
Ziel ist es, Erkenntnisse für einen möglichen Ernstfall zu gewinnen. Denn ein echtes Unglück im Tunnel soll möglichst nie passieren – im Ernstfall müssen jedoch alle Abläufe funktionieren.
Schon gelesen? Bayerns größte Polizeiübung in Bayreuth: Geiselnahme in Forensik simuliert.











Feuerwehr Symbolbild © bt-Redaktion
Symbolbild. © stock.adobe / Oulaphone