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Jugendliche als Richter: Ab 2026 gibt es einen „Teen Court“ in Bayreuth
Ab sofort gibt es in Bayreuth ein Schülergericht: Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren, die kleinere Delikte begehen, landen nicht mehr automatisch vor Gericht. Stattdessen suchen sie mit Gleichaltrigen nach kreativen Lösungen – in der Hoffnung, dass es bei einem einmaligen Ausrutscher bleibt.
Ein 15-Jähriger sitzt am Tisch, drei weitere Jugendliche gegenüber. Kein Richter in Robe, keine Gerichtssaal – sondern ein Gespräch auf Augenhöhe. So soll ab sofort in Bayreuth über kleinere Straftaten Jugendlicher verhandelt werden. Ein Teen Court ist eingerichtet: ein Schülergericht, in dem Gleichaltrige über Gleichaltrige urteilen.
Die ersten Richter sind ernannt
In feierlicher Atmosphäre sind heute (14. Januar 2026) im Bayreuther Justizgebäude die Urkunden an die 26 Jugendlichen übergeben, die künftig als Schüler-Richterinnen und -Richter Fälle ihrer Altersgenossen verhandeln werden. 15 Mädchen und 11 Jungen haben dieses verantwortungsvolle Ehrenamt übernommen.
Maya und Sandra sind zwei von ihnen. Wir haben mit ihnen gesprochen.
Erziehungsgedanke statt Strafe
Das Projekt gibt es bereits in 15 bayerischen Städten, in Oberfranken in Bamberg und Coburg. Nun zieht auch Bayreuth nach. „Beim Jugendstrafrecht soll der Erziehungsgedanke im Vordergrund stehen und nicht die Strafe“, erklärt Staatsanwalt Jan Köhler. „Unser Ziel ist, dass die Jugendlichen nur einmal straffällig werden.“ Der Gedanke hinter dem Projekt: Jugendlichen ist die Bewertung durch Gleichaltrige oft besonders wichtig.
Kreative Lösungen erwünscht
Wie das Verfahren abläuft, erklärt Jugendstaatsanwältin Ann-Katrin Weiß: Die Polizei schlägt Fälle vor, die sich besonders für den Teen Court eignen. Dazu gehören kleinere Delikte, also zum Beispiel das Graffiti am Mülleimer, das Schwarzfahren im Bus oder die geklauten Energy-Dosen. Wenn die Jugendlichen und ihre Eltern einverstanden sind, übergibt Staatsanwältin Weiß den Fall an den Teen Court unter Betreuung von Sozialpädagogin Tamara Kellner. Drei Schüler-Richter sitzen mit dem Beschuldigten an einem runden Tisch und suchen gemeinsam nach einer Maßnahme. „Das kann ein Entschuldigungsschreiben sein, ein Kuchen für das Opfer oder auch ein Rap-Text darüber, warum Kiffen keine gute Idee ist“, so Weiß. Ist die Auflage erfüllt, wird das Verfahren eingestellt – ohne Eintrag in der Akte.
Schulung für die Schüler-Richter
Sozialpädagogin Tamara Kellner vom Verein Fähre e.V. wird als stille Beobachterin bei den Gesprächen dabei sein und kann eingreifen, wenn es sein muss. Grundsätzlich sollen die Jugendlichen aber eigenständig eine Lösung finden. Ann-Katrin Weiß ist zuversichtlich: „Ich habe volles Vertrauen, dass gute Ergebnisse bei den Gesprächen herauskommen“, sagt sie. Stattfinden sollen die Sitzungen in den Räumen des Vereins am Josephsplatz. In den Herbstferien haben die angehenden Schüler-Richter eine Schulung in Gesprächsführung, Datenschutz und rechtlichen Grundlagen besucht. Auch ein Besuch im Polizeipräsidium und bei einem Jugendrichter gehören zur Ausbildung.
Ein besonderes Ehrenamt
Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren können Richter am Teencourt werden. In Bayreuth sind deutlich mehr Bewerbungen eingegangen, als genommen wurden. Die Teenager kommen aus Bayreuth und Kulmbach aus verschiedenen Schulformen: Mittelschulen, Realschulen, Gymnasien und FOS/BOS. Ausgenommen sind Abschlussklassen, denn das Ehrenamt wird in der Freizeit absolviert. Für die Sitzungen des Teen Court ist aktuell ein Abend pro Woche geplant. Sichergestellt wird auch, dass Schüler-Richter und Beschuldigte nicht auf die selbe Schule gehen.
Rückläufige Fallzahlen in Aschaffenburg
Die Staatsanwaltschaft will das Projekt genau beobachten: „Wir wollen wissen, ob Jugendliche, die den Teen Court durchlaufen, erneut straffällig werden“, sagt Jan Köhler. Erfahrungen aus Aschaffenburg, wo es den Teen Court nun schon seit etwa 25 Jahren gibt, stimmen optimistisch: Dort seien die Fallzahlen zurückgegangen, so Köhler. Für die jungen Richterinnen und Richter bietet das Projekt zudem die Chance, Rechtskunde hautnah zu erleben – und vielleicht sogar selbst den Weg in die Justiz zu finden.
Video vom 10. September 2025:













Zerstörte Haustür/ Scherben - Symbolfoto: Pixabay
Symbolbild Polizist klopft @canva