Zuletzt aktualisiert am

Stadtentwicklungsausschuss

Klärwerk Bayreuth: neue Schäden machen zusätzliche Investition nötig

Im Klärwerk Bayreuth liegen die Sanierungsarbeiten größtenteils im Zeitplan: Die Energiezentrale soll Ende Januar 2026 fertig sein, das Sozialgebäude im August. Für Sorgen sorgt ein anderer Bereich – die stark beschädigten „Königsstühle“ zweier Nachklärbecken. 

Seit Februar 2024 saniert die Stadt Bayreuth ihr Klärwerk. Den aktuellen Baufortschritt stellte Katharina Eisl vom Ingenieurbüro Miller aus Nürnberg im Stadtentwicklungsausschuss vor: Die Energiezentrale soll Ende Januar 2026 fertiggestellt werden, das Sozialgebäude im August 2026 – zwei Monate später als ursprünglich geplant.

„Die Mittelspannung hat uns im Stich gelassen. Sie war für Juni geplant, gekommen ist sie heute“, sagte Eisl im Stadtentwicklungsausschuss. Die Verglasungen für den zweiten Stock das Sozialgebäudes sollen kommende Woche eingebaut werden. „Dann ist das Haus pünktlich zum Winter dicht und wir können heizen“, so Eisl. Der Einbau von Elektro, Sanitär und Lüftung sei nun der nächste Schritt.

Kostensteigerung von 8,4 Prozent

Auch eine neue Hochrechnung über 37,3 Millionen Euro teilte Katharina Eisl dem Stadtentwicklungsausschuss mit. Das sind etwa 3,1 Millionen mehr aus ursprünglich geplant und eine Abweichung von 8,4 Prozent. „Im Vergleich dazu, was wir hier sonst für Zahlen und Termine hören, geradezu schmeichelhaft“, kommentierte Grünen-Fraktionsvorsitzende Sabine Steininger und fragte nach dem Grund für die Abweichungen. Leittechnik und dem Chemikaliensystem, lautete Eisls Antwort. „Da gibt es sehr wenige Anbieter und die Firmen sind ausgelastet. Dementsprechend sind die Preise.“

 Schäden an den „Königsstühlen“

Um eine unvorhergesehene Maßnahme ging es im Vortrag von Baureferentin Urte Kelm. Schon seit Jahren kämpft das Klärwerk bei starken Regenfällen mit sogenannten Flocken- und Schlammaustrieben. Dadurch werde regelmäßig der Phosphat-Grenzwert überschritten. Um die Reinigungsleistung zu erhöhen, rüstete die Stadt 2024 eines seiner drei Nachklärbecken  mit einem höhenverstellbaren Einlaufbauwerk aus – mit Erfolg.

Eigentlich sollten die Becken 1 und 2 in den Jahren 2025 und 2026 folgen. Sie sind aber deutlich älter als das erste Becken. Als die Becken geleert und die baustatischen Voraussetzungen geprüft wurden, zeigte sich ein gravierendes Problem: Die sogenannten Königsstühle, zentrale Betonbauwerke, die das etwa 13 Tonnen schwere, verstellbare Mittelbauwerk tragen müssen, sind massiv beschädigt.

„Die Grundsubstanz der Becken ist noch in Ordnung, aber die Betonoberflächen weisen erhebliche Schäden auf“, berichtete  Baureferentin Urte Kelm. Die Königsstühle selbst seien jedoch so stark beschädigt, dass nur ein kompletter Neubau infrage komme.

Gleichzeitig fehlt an den Becken bislang eine ausreichende Absturzsicherung, was den aktuellen Arbeitsschutzvorgaben widerspricht.

Wie funktioniert eine Kläranlage eigentlich? Das gibt’s in diesem Artikel nachzulesen, für den das bt im Klärwerk Bayreuth zu Besuch war.

Drei Varianten – Sanierung vor dem nächsten Ausbaupaket

Das Ingenieurbüro Miller hat drei Lösungswege untersucht:

Variante 1: Sanierung, teilweise Ertüchtigung alter Räumer, Geländer statt erhöhter Wände – 6,89 Millionen Euro

Variante 2: Sanierung, Erhöhung der Beckenwände, komplette Erneuerung der Räumer und Installation der neuen Mittelbauwerke – 7,75 Millionen Euro

Variante 3: Abriss und Neubau beider Becken – 13,95 Millionen Euro

Die Verwaltung empfiehlt klar die Variante 2. Sie sei technisch und betrieblich die nachhaltigste Lösung: moderne Räumer, mehr Sicherheit und Tragfähigkeit – und eine solide Basis für das nächste große Ausbaupaket des Klärwerks ab 2030. „Ein Abriss und Neubau der Becken ist nicht nötig“, sagte Urte Kelm.

„Wir werden um diese Maßnahme nicht herumkommen“, sagte Oberbürgermeister Thomas Ebersberger.

Zeitplan bis 2029 – und keine unmittelbaren Gebührenerhöhungen

Die 7,75 Millionen Euro sollen sich auf vier Haushaltsjahre verteilen:
2026: 250.000 Euro
2027: 2,0 Mio. Euro
2028: 3,5 Mio. Euro
2029: 2,0 Mio. Euro

Helmut Parzen (CSU) fragte nach, ob sich aus der Erneuerung Gebührenerhöhungen für die Bürgerinnen und Bürger ergeben. Lothar Ziegler, Leiter des Klärwerks, konnte beruhigen: Kurzfristig seien keine Erhöhungen zu erwarten, es sei erst vor einem Jahr neu kalkuliert worden. An den Bau- und Betriebskosten beteiligten sich auch die angeschlossenen Umlandgemeinden – darunter Creußen, Eckersdorf und Seybothenreuth.

Nächster Schritt: Stadtrat

Der Ausschuss folgte einstimmig dem Vorschlag der Verwaltung. Die finale Entscheidung trifft der Stadtrat.