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Landkreis Bayreuth

Kreis Bayreuth ringt um Einsparungen im ÖPNV

Im Landkreis Bayreuth stehen weitere Einschnitte im ÖPNV bevor. Besonders das späte Anruf-Linien-Taxi sorgt im Tourismusausschuss für Diskussionen.

Wie viel öffentlicher Nahverkehr kann sich der Landkreis noch leisten? Im Tourismusausschuss des Landkreises Bayreuth wurde am Montag deutlich, wie eng die Spielräume inzwischen geworden sind. Der Landkreis muss sich im Rahmen der Konsolidierung seiner Finanzen in jedem Bereich damit beschäftigen, was er einsparen kann.

Außerdem setzen steigende Personal- und Energiepreise, sinkende staatliche Zuweisungen und die Nachwirkungen von Pandemie und Deutschlandticket den Landkreis unter Druck.

50/50-Taxi: Weniger Fahrten, weniger Kosten

Seit Juli dürfen nur noch Menschen bis einschließlich 28 Jahre das 50/50-Taxi nutzen. Die neue Altersgrenze zeigt Wirkung:

Laut Sebastian Norck von der Regionalen Entwicklungsagentur gingen die Fahrten um rund 24 Prozent zurück – ebenso die Kosten. „Der Ansatz hat sich als durchaus tragfähig erwiesen“, so Norck. Die größte Nutzungsgruppe seien ohnehin Jugendliche und junge Erwachsene gewesen. Der Trend halte an, deshalb soll die Altersbeschränkung bestehen bleiben.

Spätverkehr: Welche ALT-Abfahrt soll gestrichen werden?

Deutlich kontroverser verlief die Diskussion über die Anruf-Linien-Taxis (ALT) unter der Woche spätabends. Eine von drei Abfahrtszeiten sollte wegfallen: 21 Uhr, 22:30 Uhr oder 0 Uhr.

Alle werden ähnlich stark genutzt – rund 2.400 bis 2.600 Fahrten pro Jahr. Eine Streichung könnte Einsparungen bringen, in welcher Höhe sei aber nicht absehbar, so Norck. Man wisse nicht, ob die Fahrgäste eine frühere oder spätere Verbindung nutzen oder die Fahrten wegfallen.

Zu entscheiden welche Fahrt ausfallen soll ist „keine triviale Herausforderung“, wie Sebastian Norck betonte. Die mittlere Fahrt um 22:30 Uhr sei zwar am stärksten nachgefragt (2.584 Fahrten im Jahr 2024), gleichzeitig aber als mittlere Abfahrtszeit das Angebot, das gestrichen werden könnte. Der Vorschlag der Verwaltung ging in diese Richtung.

Kreisräte widersprechen

Im Gremium stieß der Vorschlag, die Abfahrt um 22:30 Uhr ausfallen zu lassen, auf Gegenwind: Susanne Bauer (Grüne) sagte: „Um 22:30 Uhr im Landkreis nochmal von A nach B zu kommen, ist wichtig. Ich wäre sehr dafür, dass wir die ALT-Fahrten beibehalten.“

Markus Täuber (CSU) warnte vor den Folgen für Beschäftigte in Unternehmen mit Schichtbetrieb, darunter das Klinikum: „22:30 Uhr ist die klassische Schichtwechsel-Zeit“, sagte er.

Christian Porsch (WG) plädierte dafür, die Entscheidung zu verschieben, bis die Konsolidierungsvorgaben der Regierung vorliegen. Dieser Vorschlag fand Zuspruch. Im Ergebnis stimmte das Gremium nicht über diesen Punkt ab.

Freizeitlinien auf dem Prüfstand

Auch ob sogenannte Freizeitlinien in Zukunft nicht mehr angeboten werden sollen, war Thema im Ausschuss.

Der Nachbarlandkreis Wunsiedel hat die Thermen- und die Porzellan-Linie bereits abgesetzt, was Bayreuth rund 21.000 Euro spart.

Zwei Linien aus dem Landkreis standen zur Debatte:

Linie 343: Höhlen-Burgen-Bierexpress – 2026 Pause

Die Strecke startet in Neuhaus an der Pegnitz. Da die Fahrgastzahlen seit der kurzfristigen Streckensperrung zwischen Bayreuth und Hersbruck sind die Fahrgastzahlen eingebrochen – von 108 vor auf 10 nach der Sperrung.

Empfehlung der Verwaltung: die Linie soll 2026 aussetzen. Einsparung für den Landkreis: 8.000 Euro, dazu weitere Einsparungen für beteiligte Kommunen.
Der Ausschuss folgte diesem Vorschlag.

Linie 230: Brauereien-Wander-Express – bleibt bestehen

Ganz anders der Brauereien-Wander-Express: Steigende Fahrgastzahlen und touristischer Nutzen sorgten für ein klares Votum.

Er soll 2026 weitergeführt werden, sofern sich die Nachbarlandkreise weiter beteiligen.

„Wir müssen irgendwo einsparen“, fasste Wiedemann zusammen. Welche Einschnitte letztlich kommen, hängt nun auch von den Auflagen der Regierung zur Haushaltskonsolidierung ab.