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Friedrichsforum

Technik am Friedrichsforum: Stadträte kritisieren mangelnde Transparenz

Die geplante technische Aufrüstung des Friedrichsforums sorgt für heftige Debatten im Haupt- und Finanzausschuss. Vor allem die undurchsichtige Informationspolitik und widersprüchliche Einschätzungen der Experten werfen Fragen auf. 

Deutliche Kritik hagelte es am Montagnachmittag im Haupt- und Finanzausschuss – dabei ging es nicht in erster Linie um den Inhalt der Sitzung, sondern vor allem um die lückenhafte Kommunikation. Zur Debatte stand die Technik-Nachrüstung im Wert von rund 1,4 Millionen Euro am Friedrichsforum. Die Zahl geht aus einer Einschätzung von Licht- und Bühnentechniker Kai Fischer hervor.

Eine Zusammenfassung der zentralen Punkte aus Fischers Dokument hatte unsere Redaktion am 11. April veröffentlicht, am 15. April fand eine Pressekonferenz zum Thema statt. Für Unmut im Stadtrat sorgte, dass ein offizieller Einblick in das Papier offenbar erst über die Medien möglich war.

Interfraktioneller Antrag fordert Transparenz

Ein interfraktioneller Antrag von Grünen, SPD, JB und FDP kritisiert nun neben der späten Informationsweitergabe auch, dass die Stadträte in den vergangenen Monaten zu ihren Beschlussfassungen über geänderte Bauleistungen nicht ausreichend informiert worden seien. „Wir hatten eigentlich nur die Wahl: zustimmen oder weiter verzögern“, so Sabine Steininger (Die Grünen).

In der Ausschusssitzung reagierte die Stadtverwaltung in großer Besetzung auf den Antrag: Neben Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) nahmen unter anderem Rechtsreferentin Ruth Fichtner, Baureferentin Urte Kelm, Kulturreferentin Eva Christina Bär, der stellvertretende Leiter des Friedrichsforums Hendrik Schröder, der technische Leiter Stefan Flaker samt seiner Stellvertreterin Judith Konnerth sowie Walter Kottke, Geschäftsführer der mit der Bühnenplanung beauftragten Firma „Bühnenplanung Walter Kottke Ingenieure GmbH“, an der Sitzung teil.

Uneinigkeit bei den Beteiligten

Laut Verwaltung sind die zusätzlichen Ausgaben für Licht-, Ton- und Medientechnik das Ergebnis einer laufenden Abstimmung mit den Anforderungen kommender Gastspielproduktionen, beispielsweise aus Hof oder Coburg. Die ursprünglich geplante Grundausstattung sei für einen konkurrenzfähigen Betrieb nicht ausreichend, führte Hendrik Schröder aus. Das habe die Stellungnahme von Kai Fischer bestätigt. Eine Aufstockung sei nötig, um kostspielige Mietvorgänge, hohen Personaleinsatz und einen schnellen Umbau zwischen den Veranstaltungen zu ermöglichen. Die Finanzierung soll durch Umschichtungen im Budget erfolgen.

Eine klare Empfehlung gab es trotz der großen Runde nicht. Stattdessen wurde deutlich: Auch unter den Projektbeteiligten wurden Vorwürfe laut: Warum die Stadtverwaltung die Aufträge an die Firmen nicht erteilte, wollte Walter Kottke wissen. Die Firmen liefen davon, wollten nicht mehr nach Bayreuth kommen. „Wir warten zum Teil auf die Freigabe aus den Gremien“, so Baureferentin Urte Kelm.

Des einen Golf ist des anderen Porsche

Unter den Projektbeteiligten herrschte Uneinigkeit darüber, wie viele Scheinwerfer tatsächlich benötigt werden. Während die Technische Leitung des Friedrichsforums rund 400 Stück für notwendig hält, spricht Walter Kottke von 200. „Als Bürger mache ich mir Sorgen, dass wir für 1,4 Millionen Euro etwas anschaffen, was wir nicht komplett brauchen“, sagte Kottke. Er plädierte dafür, die Monate bis zur geplanten Inbetriebnahme 2026 für Tests zu nutzen und die Ausstattung dann gezielt nachzubessern. Zum Vergleich verwies er auf das Konzerthaus in Lübeck, wo ebenfalls mit rund 200 Scheinwerfern gearbeitet werde. Für den Großen Saal in Bayreuth reiche das aus. „Noch einmal 200 für die kleineren Säle ist sehr komfortabel.“

Auch das sieht man am Friedrichsforum anders. „Das was wir hier planen ist ein solider VW Golf und kein Porsche“, so Hendrik Schröder. Man habe einen Beleuchtungsplan erstellt, aus dem sich die Anzahl der Scheinwerfer ergebe, erklärte Judith Konnerth.

Schon gelesen? Veranstaltungsprofis aus Bayreuth und Umgebung wollen einen Alternativvorschlag für die Ausstattung der Veranstaltungsstätte machen.

Erkenntnisgewinn bleibt aus

„Ich fühle mich wie ein Mediator zwischen den Projektbeteiligten“, so Michael Hohl (CSU). Nicht nur er wunderte sich über die fehlende Kommunikation zwischen den Beteiligten. Zweiter Bürgermeister Andreas Zippel (SPD) kritisierte: „Dieser Expertenaustausch hätte in den vergangenen Monaten passieren müssen. Es wäre Ihre Aufgabe gewesen, das zu organisieren, Herr Oberbürgermeister.“ Die widersprüchlichen Einschätzungen wirkten auf einige Stadtratsmitglieder frustrierend: „Wir haben jetzt mehrere Expertisen, alle klingen glaubwürdig – aber einen Erkenntnisgewinn habe ich nicht“, so auch Christopher Süss (JB).

SPD-Fraktionschef Thomas Bauske beschrieb die Stimmung im Sitzungssaal so: „Ich komm’ mir vor wie in der Gründungssitzung der Selbsthilfegruppe Friedrichsforum.“ Und fragte: „Wie konnte Herr Schröder im Herbst letzten Jahres feststellen, dass die Technik nicht passt – ohne dass wir oder Herr Kottke darüber informiert wurden?“ Eine Antwort gibt es darauf am Montagnachmittag nicht. Auch nicht auf die Frage, wer die mittlerweile mehrfach thematisierte überflüssige Glasscheibe in der Tonregie geplant hat oder was der Austausch kosten wird.

Ob es stimme, dass es in der Decke des Hofgartensaals keine Dehnungsfuge gebe, wollte Stephan Müller (BG) wissen. Das sei richtig, so Baureferentin Urte Kelm. Die Pläne hätten gestimmt, die zuständige Baufirma habe diese allerdings falsch ausgeführt. „Warum erfahren wir sowas erst auf Nachfrage?“, bemängelte Luisa Funke-Barjak (FDP).

Im Rahmen einer Baustellenführung konnten sich die Stadträte ein Bild von der Situation im Friedrichsforum machen.

Stadtrat soll beraten

Abgestimmt haben die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses nach zweieinhalbstündiger Diskussion am Montag nur über die Kenntnisnahme des Berichts der Stadtverwaltung und über die Punkte:

  • 60.000 Euro für die Tonanlage im Großen Saal
  • 20.000 Euro für Medientechnik
  • 60.000 Euro für Bühneninfrastruktur
  • 50.000 Euro für die Ertüchtigung der Z-Brücken für Beleuchtung
  • 8.000 Euro für den Souffleurkasten
  • 18.000 Euro für die Hebehilfe der Bühne im Balkonsaal
  • 65.000 Euro für Notenpultbeleuchtung

Zurückgestellt wurde dagegen die Abstimmung über die 1,1 Millionen für Scheinwerfer und den Umbau des Regieraums.

Noch im Mai will der Stadtrat über das Thema beraten. „Bis dahin sollen die Beteiligten die Sache erörtern und einen konkreten Vorschlag unterbreiten“, so Oberbürgermeister Thomas Ebersberger.