Zuletzt aktualisiert am

Kulturausschuss

Kulturausschuss berät Zuschüsse: Bayreuth Baroque erneut Streitpunkt

Der Kulturausschuss hat über die freiwilligen Zuschüsse für Kultur und Heimatpflege 2026 beraten. Während viele Förderanträge einstimmig beschlossen wurden, sorgte der Zuschuss für Bayreuth Baroque wie schon im letzten Jahr für hitzige Debatten über Zweck und Höhe der städtischen Unterstützung.

Bevor der Stadtrat über den Haushaltsentwurf berät, wird im Rathaus schon um Zahlen, Prioritäten und Wertschätzung gerungen. Am Montagabend, den 17. November, hat sich der Kulturausschuss mit freiwilligen Zuschüssen beschäftigt. Sie entscheiden jedes Jahr darüber, welche Kulturprojekte starten können, wie Vereine weitermachen können und wo Grenzen gezogen werden müssen. Der Kulturausschuss arbeitete sich durch die lange Liste der Förderanträge und nahm viele Verwaltungsvorschläge an. Besonders eine Position beschäftigte den Kulturausschuss am Montag allerdings länger: Bayreuth Baroque.

1,73 Millionen Euro für Kultur und Heimatpflege

Insgesamt will die Stadt 1,73 Millionen Euro für Kultur und Heimatpflege in den Haushalt 2026 einstellen. Während einige Einrichtungen mehr Mittel erhalten, mussten andere Abstriche hinnehmen. Bevor die Beträge allerdings fest eingestellt werden, gehen sie noch durch den Haupt- und Finanzausschuss und den Stadtrat.

  • Kürzungen gab es etwa für die Wilhelm-Leuschner-Stiftung (von 5.000 auf 2.500 Euro), das Orchesterfestival (von 3.000 auf 1.000 Euro) und die Schlosskirchenmusik (von 2.000 auf 1.000 Euro). Auch die Hochschule für evangelische Kirchenmusik und das Bachsolisten-Ensemble bekamen etwas weniger.

  • Erhöhungen wurden etwa beim Marionettentheater Operla (von 3.000 auf 4.000 Euro) und bei „Jugend musiziert“ (von 2.500 auf 2.800 Euro) beschlossen.

  • Neuanträge wie die Tongranulat FLINTA-Workshops (1.600 Euro) und „Wundersam anders“ (7.500 Euro) fanden ebenfalls Aufnahme.

  • Große Positionen gibt es für das Festspieljubiläum 2026 (75.000 Euro) und das Zentrum (190.000 Euro).

Streitpunkt Bayreuth Baroque

Das Opernfestival Bayreuth Baroque stellt mit 340.000 Euro eine der größten Zuschusssummen dar. Dementsprechend leidenschaftlich wurde im Kulturausschuss diskutiert.

Wer hilft hier wem?

Grünen-Stadtrat Stefan Schlags beantragte, den Zuschuss auf 170.000 Euro zu halbieren. Die Mittel seien ursprünglich als Starthilfe gedacht gewesen. Nach wie vor sei das Festival auf Zuschüsse der gleichen Höhe angewiesen. „Es ärgert uns, dass wir in Bayreuth damit praktisch Miete an den Freistaat zahlen“, sagte Stefan Schlags. Das Markgräfliche Opernhaus, in dem Bayreuth Baroque jährlich stattfindet, gehört dem Freistaat Bayern.

CSU-Stadtrat Stefan Specht widersprach vehement: „Die Argumentation ist so alt wie falsch. Der Freistaat ist der größte Hauptsponsor des Festivals.“ Bayreuth Baroque locke eine Menge Gäste nach Bayreuth und beschere Hotels und Gastronomie enorme Einnahmen. Kürzungen in Bayreuth würden negative Signale an andere Sponsoren senden. Der Hintergrund: Fördergelder vom Freistaat Bayern gibt es nur, wenn die Kommune selbst fördert. Auch Oberbürgermeister Ebersberger betonte die Bedeutung des Festivals die Stadt: „Bayreuth Baroque ist teils schneller ausverkauft als die Festspiele, mit großem Zustrom ausländischer Gäste. Und die Oper, die sich über die Ticketpreise allein finanziert, kenne ich nicht.“

Kultur- und Wirtschaftsreferentin Eva Bär sagte: „Grundsätzlich kann ich Ihrer Kritik folgen, Herr Schlags, die Gestaltungsspielräume ändern sich.“ Das Kulturamt erhalte viele Neuanfragen. „Wir wollen aber auch zuverlässiger Partner für unsere Kulturschaffenden sein“, so Bär.

Zahlen und Fakten zu Bayreuth Baroque

Clemens Lukas, Geschäftsführer von Bayreuth Baroque, stellte dem Ausschuss das aktuelle Programm und die Finanzlage des Festivals vor. Das Opernhaus war zu 98 Prozent ausverkauft, 29 Prozent der Besucher kamen aus dem Ausland, so Lukas.

Clemens Lukas erklärte die Finanzierung des Festivals: Der städtische Zuschuss macht 15 Prozent aus (340.000 Euro seit 2023), der Freistaat Bayern steuert 33 Prozent bei (750.000 Euro), der Bezirk Oberfranken 3 Prozent (70.000 Euro) und die Ticket-Einnahmen 33 Prozent (730.000 Euro). Weitere 16 Prozent kommen von Sponsoren und Förderern. Zusätzlich werden Einnahmen aus der Ausleihe von Inszenierungen und Rechten in Höhe von 86.000 Euro für 2026 erwartet.

„Der Anteil der Stadt Bayreuth ist unsere Hauptstütze und hilft uns, unsere schlanke Organisationsstruktur aufrechtzuerhalten“, betonte Lukas. Besonders stolz zeigte er sich über die Budget-Verteilung: 88 Prozent der Gelder würden in die künstlerische Produktion investiert, Kommunikation und Übertragungen machen laut Lukas 8 Prozent aus, die Gesamtdurchführung und Koordination 3 Prozent.

Auch der Sozialausschuss hat am Montag über Zuschüsse beraten.

1,5 Millionen für die Festspiele

Beim Zuschuss für die Bayreuther Festspiele wird nicht diskutiert. Die Stadt plant wie gewohnt Mittel in Höhe von 1.524.120 Euro für den Haushalt 2026 einzustellen.