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Kultur

Integrationsbeirat kritisiert fehlende Einbindung beim „Fest der Kulturen“

Die Bayreuther Innenstadt soll ihre Vielfalt feiern: Am 21. August 2025 haben die CSU-Stadträte Stefan Specht, Michael Hohl und Christian Wedlich einen Antrag für ein neues Fest eingereicht. Der Integrationsbeirat begrüßt das neue Festival grundsätzlich, bemängelt aber, dass er bei der Planung bislang nicht beteiligt wurde und fordert Mitsprache.

Unter dem Arbeitstitel „Bayreuth International – Fest der Kulturen“ soll ein jährliches Festival entstehen, das die Vielfalt der Stadt sichtbar macht. Nun meldet sich der Integrationsbeirat zu Wort.

Integrationsbeirat übt Kritik am Vorgehen

In einer Pressemitteilung vom 1. September begrüßt das Gremium den Antrag grundsätzlich. Es sieht darin ein positives Signal, dass Integration stärker in den Fokus rückt. Gleichzeitig übt der Beirat Kritik: „Es ist befremdlich, dass wir als offizielles Gremium bei diesem Vorhaben weder einbezogen noch angehört wurden“, heißt es.

Der Integrationsbeirat erinnert daran, dass er seit fast zehn Jahren besteht und laut Satzung bei allen Projekten, die Integration betreffen, rechtzeitig informiert und einbezogen werden muss. Ziel sei es, die Interessen der internationalen Community in Bayreuth einzubringen und Vorurteile abzubauen.

Arbeit des Beirats soll sichtbarer gemacht werden

Auch einige Stadträte, die Mitglieder des Beirats sind, kritisieren das Vorgehen. Sie verweisen auf die zahlreichen bisherigen Aktivitäten des Gremiums – vom „Engel der Kulturen“ über das Internationale Kinderfest bis hin zur Interkulturellen Woche – und betonen, dass der Beirat nicht nur große Veranstaltungen organisiert, sondern auch praktische Hilfen wie Unterstützung bei Arbeitssuche, Sprachkursen oder juristischen Fragen leistet.

Um diese Arbeit sichtbarer zu machen beantragen die Stadträte, dass der Integrationsbeirat sich im Stadtrat vorstellen kann, wenn der CSU-Antrag behandelt wird. So soll sichergestellt werden, dass die geplante Veranstaltung nicht nur ein kommerzieller Erfolg wird, sondern tatsächlich die Vielfalt Bayreuths widerspiegelt und die Community aktiv einbindet.

„Wir erwarten, von Anfang an beteiligt zu werden und unsere Impulse einzubringen“, heißt es abschließend in der Pressemitteilung.

Antragsteller: Erst der Pflock, dann das Haus

Auf Nachfrage der bt-Redaktion reagierte Mit-Antragsteller Christian Wedlich gelassen auf die Kritik. Einer der Anträge, die die Gründung eines Integrationsbeirats 2015 auf den Tisch gebracht haben, stammt von ihm. Für Wedlich ist es normales Vorgehen, Anträge ohne vorherige Beteiligung von Beiräten einzubringen. „Erst einmal muss man einen Pflock setzen, dann kann man das Haus drum herum bauen“, so Wedlich.

Wedlich, der neben SPD-Stadtrat Halil Tasdelen mit einem Antrag zur Gründung des Integrationsbeirats im Jahr 2016 beigetragen hatte, will nun zunächst die Resonanz im Stadtrat abwarten. Die knappen Finanzen der Stadt könnten sich dabei als Hürde erweisen, so Wedlich. Im nächsten Schritt sollen aber selbstverständlich der Integrationsbeirat und die Vereine in die Planung des Festivals einbezogen werden. „Wir sind ja angewiesen auf den Beirat und sein Netzwerk“, betont Wedlich.

Artikel vom 22. August: Idee: Bühne, Markt und kulinarische Vielfalt

Geplant ist ein Wochenende mit Marktständen, Bühne und einem bunten Kulturprogramm auf dem Stadtparkett – gerne auch darüber hinaus.

„Die Veranstaltung soll von den vielen Kulturen gestaltet werden, die bei uns leben“, heißt es im Antrag.

Neben Auftritten internationaler Künstler könnten Kulturvereine, Partnergemeinden und Menschen aus mehr als 100 Nationen, die in Bayreuth vertreten sind, Imbiss- oder Souvenirstände anbieten.

Auch eine zeitliche Kopplung an große Sportereignisse wie die Fußball-EM oder WM halten die Antragsteller für denkbar. So könne Bayreuth internationale Begegnungen feiern und gleichzeitig sportliche Begeisterung nutzen.

Die Finanzierung soll durch Gebühren, Beiträge und Haushaltsmittel der Stadt erfolgen.

Begründung: Innenstadt im Wandel

Die Antragsteller verweisen auf den Wandel, vor dem viele deutsche Innenstädte stehen. Auch Bayreuth sei davon betroffen. „Nicht zuletzt belegt die Fluktuation der Einzelhändler in unserer Stadt Bayreuth die große Herausforderung, eine moderne Innenstadt der Zukunft zu schaffen“, schreiben die Stadträte.

Gleichzeitig habe die Stadt bereits wichtige Impulse gesetzt – etwa mit dem Innenstadtprozess oder etablierten Veranstaltungen wie dem Bürgerfest, dem Afrika-Karibik-Festival oder dem Weinfest.

Integration als Daueraufgabe

Ein weiterer zentraler Punkt: Bayreuth ist vielfältig. Laut Statistischem Jahrbuch leben hier rund 12.500 ausländische Bürgerinnen und Bürger aus mehr als 100 Nationen.

„Zuwanderung erzeugt immer auch Widerstand und Fremdenfeindlichkeit. Integration bleibt somit eine schwierige und sehr wichtige Daueraufgabe der Stadt“, heißt es im Antrag.

Das geplante Fest soll helfen, Vorurteile abzubauen, Begegnungen zu ermöglichen und „gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung zu fördern“.

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Wunsch: Konzept von der Stadtverwaltung

Die Stadträte fordern die Stadtverwaltung auf, ein Konzept für das Fest zu erarbeiten – oder die Bayreuth Marketing & Tourismus GmbH (BMTG) oder einen anderen Veranstalter damit zu beauftragen. Ziel ist ein jährlich wiederkehrendes Event, das Bayreuth als weltoffene Stadt sichtbar macht.