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Steuersenkung in der Gastronomie: Wo bleiben die Vorteile für Beschäftigte?
Die Mehrwertsteuer für Speisen wurde seit Jahresbeginn dauerhaft gesenkt, um Gastronomiebetriebe zu entlasten. Nach Ansicht der Gewerkschaft NGG profitierten jedoch vor allem die Unternehmen – während sich für Beschäftigte und Gäste kaum etwas geändert habe.
Seit 1. Januar 2026 gilt für Speisen in Restaurants, Cafés und Kantinen ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 7 statt 19 Prozent. Die Maßnahme der Bundesregierung soll die Gastronomie stabilisieren, die seit Jahren mit steigenden Kosten, Personalmangel und sinkenden Umsätzen kämpft. Bundesweit bedeutet die Regelung eine Entlastung von mehreren Milliarden Euro jährlich. Sie gilt ausschließlich für Speisen, nicht für Getränke.
NGG kritisiert fehlende Vorteile für Beschäftigte
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten sehe dennoch ein Ungleichgewicht: Rund 200 Gastronomiebetriebe in Bayreuth profitierten von der Steuersenkung, doch viele Beschäftigte hätten davon nichts. Nach Gewerkschaftsangaben blieben bei jedem 10-Euro-Umsatz etwa 95 Cent zusätzlich beim Betrieb. Preisnachlässe für Gäste oder deutliche Lohnerhöhungen seien bislang ausgeblieben.
„Das Geld landet zwar in der Kasse – aber nicht im Portemonnaie der Beschäftigten“, sagt Marcel Adelhardt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Die Gewerkschaft stelle daher die Frage, wo der zusätzliche Gewinn bleibe. Viele Beschäftigte in Küche und Service erhielten weiterhin lediglich den gesetzlichen Mindestlohn. Dieser sei zwar seit Jahresbeginn von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen, stelle aus Sicht der Gewerkschaft jedoch weiterhin nur das absolute Minimum dar.
Forderung nach Tariflohn
Die NGG fordere stattdessen eine stärkere Orientierung an Tariflöhnen. Für gelernte und erfahrene Fachkräfte liege dieser in Bayerns Gastronomie bei rund 19,62 Euro pro Stunde. Wer Beschäftigte lediglich zum Mindestlohn bezahle, zahle keinen angemessenen Lohn, so die Gewerkschaft.
Vorwurf der Tarifflucht
Nach Darstellung der NGG betrieben zahlreiche Betriebe Tarifflucht. Viele Gastronomen und Hoteliers würden Tarifverträge meiden, wodurch häufig Zuschläge für Sonn- und Feiertage sowie bessere Urlaubsregelungen entfielen. Die Gastronomie gehöre zu den Branchen mit besonders hoher Tarifflucht.
Branchenverbände sehen Entlastung als Existenzhilfe
Gastronomieverbände wie der DEHOGA Bayern bewerten die Steuersenkung dagegen als notwendige Überlebenshilfe. Viele Betriebe hätten seit den Corona-Jahren mit steigenden Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten zu kämpfen. Ein Großteil der Entlastung werde daher benötigt, um höhere Ausgaben auszugleichen, Betriebe zu stabilisieren und Arbeitsplätze zu sichern – nicht zwingend für Preissenkungen.
Viele Beschäftigte betroffen
Nach Gewerkschaftsangaben arbeiteten in Bayreuth rund 2.340 Menschen in der Gastronomie. Während Betriebe durch die niedrigere Mehrwertsteuer finanziell profitierten, bleibe umstritten, ob und in welchem Umfang Beschäftigte künftig ebenfalls stärker von der Entlastung profitieren würden.











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Durch den Aufprall schob der Bus den Alfa Romeo gegen ein Verkehrsschild, einen Pflanzkübel sowie einen Streukasten. © bt-Redaktion