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Tag sechs im Mordprozess gegen Werner M.: Alte Verletzungen und das unvermeidliche „Dick Pic“
Am sechsten Verhandlungstag im Mordprozess gegen Werner M. berichten Zeugen von Ausrastern des Angeklagten. Eine enge Freundin erzählt von Claudia K.s letztem Nachmittag. Außerdem geht es um die Bedeutung eines lange zurückliegenden Arbeitsunfalls für den Prozess.
Der sechste Verhandlungstag im Mordprozess gegen Werner M. beginnt mit einer Geduldsprobe für vorsitzende Richterin Andrea Deyerling. Claudia K.s Ex-Mann ist erschienen und erweist sich als “zäher Brocken” für die Richterin. Claudia sei plötzlich zuhause aus- und bei Werner M. eingezogen, erzählt der 64-Jährige. Über die Chronologie der Trennung verstrickt er sich zum Teil in Widersprüche. Hat er nun vor ihrem Auszug von ihrem neuen Freund gewusst oder danach?
Wortwechsel wie diesen gibt es häufiger: “Haben Sie mitgekriegt, dass Herr M. ein Alkoholproblem hat?” fragt die Richterin zum Beispiel. “Nein”, sagt der Zeuge. Sie versucht es noch einmal anders: “Haben Sie mal gehört, dass er trockener Alkoholiker ist?” “Ja”, sagt der Zeuge jetzt. “Na, was ist denn dann ein Alkoholproblem für Sie?”, fragt die Richterin fast verzweifelt.
Sohn des Opfers beschreibt bröckelnde Harmonie
Seine Mutter und Werner M. hätten 100-prozentig “gematcht”, beschreibt Claudia Ks. ältester Sohn den Anfang ihrer Beziehung zu Werner M.. Dieser Eindruck habe sich für ihn dann etwa im Jahr 2021 geändert, als seine Mutter ein neues Auto gekauft habe. Zuvor habe sie immer ihre und Werners Initialen auf dem Nummernschild gehabt, beim neuen Auto nur noch ihre. “Sie hat gesagt, das ist jetzt ihr Auto. Da hab ich gewusst, jetzt ist es nicht mehr so harmonisch”, so der Zeuge. Er kann einige Schattenseiten Werner M.s beschreiben: Dass er bockig ist und abhaut, wenn die neue Wohnzimmerwand aufgebaut wird, die er nicht wollte. Dass er am Kaffeetisch prahlt, wie viele Frauen er vor der Mutter des Zeugen schon hatte. Und dass er bei den Nachbarn im Erdgeschoss die Wohnungstür eintritt, weil die zu laut sind.
Ähnliches weiß auch Werner M.s älterer Bruder zu berichten. Während seiner zweiten Ehe soll M. in einer neuen Wohnung Fliesen verlegt haben, unter dem Eindruck, er würde dafür eine Gegenleistung erhalten. Als dem nicht so war, habe er die Fliesen wieder herausgerissen und sei mit dem Motorroller vor der Polizei in den Wald geflüchtet. Danach habe er, der Bruder, Werner ein paar Tage zu sich geholt. Das sei das Ende der Ehe gewesen und die Zeit, bevor M. seinen Entzug machte.
Freundin berichtet von Claudia K.s letztem Nachmittag
Als letzte Zeugin des Tages erscheint die Frau, bei der Claudia K. ihren letzten Nachmittag verbracht hat. Viel hätten sie nicht über Werner geredet, mehr über eigene Themen, erzählt die 67-Jährige. Am Nachmittag des 2. März trinken die Freundinnen Kaffee auf dem Balkon der Zeugin, essen Kuchen und machen Zukunftspläne. “Sie war super drauf. Wir wollten ins Thermalbad und haben einen Wellnessurlaub in Marienbad geplant”, so die Zeugin. Während Claudia in Michelau auf dem Balkon sitzt, gehen Nachrichten von Werner bei ihr ein. “Die hat sie immer bekommen, wenn sie bei mir war”, sagt die Zeugin. “Ich hab gedacht, er ist vielleicht eifersüchtig.” Claudia habe nur gegrinst über die Nachrichten und den Kopf geschüttelt. Die Trennung war ja ihrem Eindruck nach längst beschlossene Sache. Sie habe gehofft, dass er schnell eine andere Frau findet, damit sie sich nicht mehr mit ihm beschäftigen muss, so die Zeugin.
Werner M. soll seine ehemalige Partnerin mit 25 Messerstichen getötet haben, als sie von dem Treffen in die Wohnung in Kulmbach zurückkehrte. Für die Kriminalpolizei spielte die Aussage dieser Zeugin zur Eingrenzung des Tatzeitraums eine wichtige Rolle. Mehr dazu lesen Sie hier.
Dann kommt natürlich, was kommen muss: Wie schon zwei weitere Freundinnen von Claudia K. und zahlreiche Online-Bekanntschaften belästigt Werner M. auch diese Frau mit einem unerwünschten Penis-Bild. Das kommt am 25. Februar, am Dienstag vor der Tat, über Facebook bei ihr an. “Pfui Teufel” schreibt sie ihm und bittet ihren Sohn, den Chat zu löschen. Schon vor Jahren soll Werner M. ihr Avancen gemacht haben.
Wird der Angeklagte erneut untersucht?
Außerdem sind am Mittwoch die aufwendig beschafften medizinischen Unterlagen zu einem Arbeitsunfall Werner M.s vor fast dreißig Jahren Thema im Gerichtssaal. Verteidiger Wolfgang Schwemmer regt eine erneute Untersuchung seines Mandanten an, um festzustellen, ob Werner M.s Gehirn durch den Unfall geschädigt wurde. In diesem Fall könnte Alkoholkonsum sein Gehirn überdurchschnittlich stark beeinflusst haben, wie Psychiater Thomas Wenske erklärt. Der Psychiater, Nebenklageanwältin Stephanie Hofmann und Staatsanwältin Franziska Fleischmann hielten eine weitere Untersuchung allerdings nicht für nötig. Das Gericht hat darüber noch nicht entschieden.
Nach einer längeren Pause soll es nun am 17. September weitergehen.











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Am Freitag, 5. September, können Kinder in Pfaffenberg einen Nachmittag bei den Ahorn-Alpakas mit Fütterung verbringen. © Tourismusbüro Pottenstein