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Stadtentwicklung

Warum Bayreuth vorerst keine Ringbuslinie und kein Park-&-Ride plant

Ringbuslinie und Park-&-Ride sollen Bayreuths Verkehr entlasten, doch beide Projekte liegen vorerst auf Eis. Warum Verwaltung und Stadtrat zwar ähnliche Ziele verfolgen, sich beim Tempo aber deutlich uneinig sind.

Im Bayreuther Stadtentwicklungsausschuss wurden zwei Vorschläge zur Verbesserung des Verkehrs beraten: eine Ringbuslinie rund um die Stadt sowie Park-&-Ride-Flächen am Stadtrand. Beide Maßnahmen sollen den Verkehr entlasten. Nach Einschätzung der Verwaltung lassen sie sich derzeit jedoch nicht umsetzen. Gründe sind vor allem Kosten, infrastrukturelle Voraussetzungen und die Einbindung in das langfristige Mobilitätskonzept der Stadt.

Die Anträge im Überblick

Ringbuslinie (CSU-Antrag, 2. Dezember 2024)

Die CSU schlägt eine Ringbuslinie vor, die Außenstadtteile wie Laineck, Universität und Roter Hügel miteinander verbindet. Ziel ist eine Ergänzung des sternförmigen Bussystems, sodass Fahrgäste nicht mehr zwingend über den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOH) fahren müssen.

Park-&-Ride-Flächen (SPD-Antrag, 11. März 2025)

Die SPD fordert, geeignete Flächen im Stadt- und Umlandbereich zu identifizieren und langfristig für Park-&-Ride zu sichern. Pendler sollen ihr Auto am Stadtrand abstellen und mit Bus oder Bahn weiterfahren.

Verwaltung: Ringbuslinie derzeit schwer umsetzbar

Nach Auswertung durch Stadtwerke und Verwaltung wäre eine vollständige Ringbuslinie aktuell finanziell und organisatorisch schwierig. Die Verkehrsströme verlaufen überwiegend in Richtung Innenstadt, so Markus Schilling von Stadtwerke Bayreuth, während die Nachfrage zwischen Stadtteilen deutlich geringer sei. Zudem wären zusätzliche Fahrzeuge, mehr Personal sowie neue Haltestellen und Infrastrukturmaßnahmen notwendig, ein aufwendiges und kostspieliges Vorhaben.

Die Verwaltung empfiehlt daher, zunächst bestehende Linien zu optimieren und kleinere tangentiale Verbindungen zu prüfen, bevor ein vollständiger Ringverkehr eingerichtet wird.

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Park-&-Ride: Flächenprüfung läuft bereits

Auch beim Thema Park-&-Ride sieht die Verwaltung keinen kurzfristigen Start. Die Suche nach geeigneten Standorten erfolgt bereits im Rahmen des Nahverkehrsplans gemeinsam mit Landkreis und Kommunen.

Aufgrund komplexer Flächenfragen und notwendiger Begleitmaßnahmen – etwa attraktiver Busanbindungen – sei jedoch kurzfristig nicht mit Ergebnissen zu rechnen.

Zudem verwies das Stadtplanungsamt darauf, dass günstige Parkmöglichkeiten in der Innenstadt die Nutzung von Park-&-Ride-Anlagen am Stadtrand derzeit weniger attraktiv machen könnten.

Stadtrat: Zustimmung zum Ziel, Streit über Tempo

In der politischen Diskussion bestand weitgehend Einigkeit, dass bessere Verbindungen zwischen Stadtteilen sowie Park-&-Ride-Angebote langfristig sinnvoll sind. Wie schnell und auf welchem Weg dieses Ziel erreicht werden soll, zeigte jedoch eine deutliche Kluft zwischen Stadträten und Verwaltung.

CSU-Stadtrat Christian Wedlich betonte, ein attraktiverer ÖPNV durch eine Ringlinie könne auch zusätzliche Einnahmen bringen:

„Wir wollen die Stadtwerke und den ÖPNV wettbewerbsfähig machen, dass er mehr angenommen wird. Dadurch gibt es auch mehr Einnahmen und weniger Kosten.“

Georg Kämpf (BG) verwies dagegen auf die aktuelle finanzielle Lage sowohl der Stadtwerke als auch der Stadt Bayreuth:

„Wenn man die Kosten-Nutzen-Analyse aufmerksam verfolgt hat, dann kann man dieses Projekt in dieser finanziellen Lage doch nicht ernsthaft weiterverfolgen … es ist von vornherein aussichtslos.“

Stefan Specht (CSU) plädierte dafür, die Ideen langfristig weiterzuverfolgen und stärker mit dem Landkreis zu verzahnen:

„Wir wollen halt nicht, dass das Signal jetzt komplett Abwirkung heißt, sondern dass wir das Thema weiterverfolgen wollen und auch mit dem Landkreis haben wollen.“

Wolfgang Gruber (DU) kritisierte, die Nachfrage sei auch deshalb gering, weil attraktive Angebote fehlten:

„Wir wissen, unser ÖPNV ist nicht gut. Der ist einfach nicht gut. Der wird bewertet mit der Note 3,8 aus der repräsentativen Umfrage.“

Er forderte eine langfristige Vision:

„Wir brauchen eine zusammenhängende Vision … Wir müssen unbedingt schauen, wie wir den ÖPNV attraktiver machen werden können.“

Mobilitätskonzept als langfristiger Rahmen

Die Stadtverwaltung verwies darauf, dass genau dieser ganzheitliche Ansatz bereits mit dem neuen Mobilitätskonzept verfolgt wird. Darin werden Liniennetz, Park-&-Ride-Standorte und weitere Maßnahmen gemeinsam geplant und schrittweise umgesetzt.

Ringbuslinie und Park-&-Ride bleiben mögliche Zukunftsprojekte für Bayreuth. Oberbürgermeister Thomas Ebersberger betonte, dass die Projekte nicht grundsätzlich verworfen würden, derzeit jedoch andere Maßnahmen Vorrang hätten und die Themen im Rahmen der weiteren Nahverkehrs- und Mobilitätsplanung geprüft werden sollen.