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Lehen

Weidenberg: Gemeinderat ebnet Weg für Gewerbegebiet Lehen

Der Marktgemeinderat Weidenberg hat dem Bebauungsplan und der Änderung des Flächennutzungsplans für das geplante Gewerbegebiet Lehen mit 14:5 Stimmen zugestimmt. Damit kann nun die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit beginnen. Ohne Diskussion ging dieser Beschluss allerdings nicht über die Bühne.

Das geplante Gewerbegebiet beschäftigt die Gemeinde schon seit Langem – und sorgt weiterhin für kontroverse Debatten. Eine Bürgerinitiative setzt sich gegen das Projekt ein. Im Februar hatte ein Bürgerentscheid in Lehen ein knappes Ergebnis gebracht: 52,1 Prozent der Weidenberger stimmte für die Umsetzung des Vorhabens.

Der Investor GB&CIE GmbH aus Fürth will auf der Fläche ein Gewerbegebiet mit einem Gewerbe- und einem Handwerkerpark realisieren.

Bürgerinitiative fordert Klarheit

Die Gegner befürchten unter anderem Lärmbelastung durch zusätzlichen Lkw-Verkehr, eine Zerstörung der Natur, Umweltbelastungen und eine Veränderung ihrer Dorfgemeinschaft.

Anika Bauernfeind von der Bürgerinitiative richtete zu Beginn der Sitzung einige Fragen an Bürgermeister Hans Wittauer. Sie wollte wissen, wie es um die städtebaulichen Verträge und die in Aussicht gestellten Gewerbesteuereinnahmen steht. Diese Informationen würden schrittweise veröffentlicht, sobald sie gesichert sind, sagte Wittauer. Verträge könnten erst bei bestehendem Baurecht abgeschlossen werden. Zur aus Sicht der Bürgerinitiative schlechten Informationspolitik sagte Wittauer: „Ich habe immer betont, dass Neuigkeiten verkündet werden, wenn sie soweit sind.“

Hunderte Seiten Unterlagen

Auch innerhalb des Gremiums wurde lautstark diskutiert. Thomas Wolfrath (Bürgerforum) beantragte zunächst, die Abstimmung zu vertagen: Die 348 Seiten Planungsunterlagen seien erst am Donnerstag vor der Sitzung eingegangen – zu wenig Zeit für eine sorgfältige Prüfung. Sein Antrag fand keine Mehrheit. Auch ob Investor Jürgen Lischka im Gemeinderat sprechen darf, war zwischenzeitlich Gegenstand einer hitzigen Auseinandersetzung zwischen Thomas Wolfrath und Bürgermeister Hans Wittauer. Wittauer drohte zwischenzeitlich mit Saalverweis. Schließlich wurde abgestimmt. Das Gremium stimmte für das Rederecht des Investors, der Bürgerinitiative wurde in einer anschließenden Abstimmung das Rederecht nicht gewährt.

Fachplaner sprechen im Gemeinderat

Bürgermeister Hans Wittauer stellte die beteiligten Fachplaner vor. Die Generalplanung liegt bei „Kupfergrau Architekten“ aus Bayreuth. „Seit April 2025 arbeiten 15 Fachplaner aus sieben Büros an dem Verfahren“, erklärte Architekt Bernd Detsch. „Wir gehen mit einem weit entwickelten Plan in die öffentliche Beteiligung“, sagte Stefan Lauterbach, der das Projekt aus dem Rathaus betreut.

Ausführliche Planungsunterlagen

Verkehrsplaner Erwin Christofori erläuterte, dass die ursprünglich vorgesehene höhenfreie Anbindung an die B22 auf Wunsch des Staatlichen Bauamts durch eine höhengleiche Lösung mit Ampelanlage ersetzt werden solle. Im Gespräch sei neben dem kombinierten Geh- und Radweg eine zusätzliche Spur der B22 in Richtung Bayreuth.
Ein Bodengutachten habe ergeben, dass das Grundwasser nicht beeinträchtigt werde und eine Versickerung des Regenwassers möglich sei. Beim Thema Lärm sollen im Bebauungsplan klare Kontingente für Gewerbebetriebe festgelegt werden.

Ausgleich für Feldlerche und Co.

„Die meisten dieser über 300 Seiten sind von uns“, sagte Franz Moder vom Planungsbüro „Opus“ in Bayreuth und stellte die Umwelt- und Artenschutzgutachten vor. „Es wird einfach viel versiegelt – da kann man nichts schönreden,“sagte er. Die Eingriffe müssten an anderer Stelle ausgeglichen werden, Ausgleichsflächen seien unter anderem in Lessau und Neunkirchen vorgesehen. Spruchreif sei das aber noch nicht.

Im Planungsgebiet wurden mehrere geschützte Arten nachgewiesen, darunter fünf Brutpaare der Feldlerche, außerdem Zauneidechsen und Haselmäuse. Das Vorkommen der Feldlerche erfordere die meiste Ausgleichsfläche, so Moder. Für Eidechse und Haselmaus sollen Schutzzäune errichtet werden. Zudem grenzt das beplante Gebiet an das FFH-Gebiet „Rotmain-, Mistelbach- und Ölschnitztal“. Eine neue Erkenntnis laut Moder: die streng geschützte Bachmuschel kommt in der Ölschnitz nicht vor, wohl aber im Roten Main, in den die Ölschnitz mündet. Der Schutz vor Einträgen und Sedimenten sei deshalb besonders wichtig.

Kontroverse im Gemeinderat

Kritische Stimmen kamen auch aus dem Gremium: Christa Reinert-Heinz (CSU) hielt den Standort für „völlig falsch“ – das Gewerbegebiet zerstöre das Landschaftsbild und wichtige landwirtschaftliche Flächen. Klaus Trautner (Grüne/UW) bezweifelte, ob die geplanten Handwerkerhöfe überhaupt realisiert würden. Thomas Wolfrath erklärte: „Es hätte mich überzeugt, wenn das politische Vorgeplänkel nicht gewesen wäre. Aber es sind ja noch viele Dinge offen.“

Hermann Hiery (FDP) plädierte dagegen für Zustimmung: „Es geht nicht nur um Lehen, es geht auch um Weidenberg. Alle sollten sich überlegen, ob das Projekt nicht als Ganzes sinnvoll ist.“

Gemeinderat macht den Weg frei

Am Ende stand folgendes Ergebnis: Mit 14 zu 5 Stimmen stimmte der Marktgemeinderat für die Fortführung des Verfahrens – der nächste Schritt in Richtung Gewerbegebiet Lehen ist damit getan.