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Wie stehen Bayreuths Kandidierende wirklich zum Radverkehr?
Der Kreisverband Bayreuth des Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) hat nachgefragt: Wie stehen Bayreuths Kandidierende wirklich zum Radverkehr? Die Auswertung zeigt, wo es breite Zustimmung gibt, und wo bei konkreten Projekten deutliche Unterschiede bestehen.
Der Verband sieht eine parteiübergreifende Basis für mehr Radverkehr. Gleichzeitig fordert er mehr Verbindlichkeit und klar gesetzte Prioritäten.
Der Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) hat zur Kommunalwahl 2026 fünf konkrete Forderungen an die Kandidierenden gerichtet. Ziel war es, klare und verbindliche Aussagen zur künftigen Rad- und Mobilitätspolitik zu erhalten. Geantwortet haben CSU, SPD, Grüne, Bayreuther Gemeinschaft, Junges Bayreuth, FDP, Die Unabhängigen und Die Linke. Die AfD wurde offenbar nicht angefragt; von der neuen Liste Pro Bayreuth sei keine Antwort eingegangen.
Die fünf zentralen Forderungen des ADFC
Der ADFC formuliert seine Erwartungen klar und konkret:
- Mobilitätskonzept konsequent umsetzen – mit Zeitplänen, Zuständigkeiten und transparenter Kontrolle.
- 4.000 neue Fahrradstellplätze bis 2030 – flächendeckend und verbindlich.
- Radtourismus stärken – mit Rastplätzen, modernem Stadtplan und Knotenpunktwegweisung.
- Drei gefährliche Kreuzungen pro Jahr sicherer machen – durch moderne, konfliktarme Lösungen.
- Bismarckstraße und Erlanger Straße neu gestalten – Fördermittel beantragen und schrittweise umsetzen.
Antworten der Kandidierenden
Der ADFC hat die in Bayreuth antretenden Parteien schriftlich angeschrieben und um eine verbindliche Stellungnahme zu fünf konkreten Forderungen gebeten. Die eingegangenen Antworten hat der Verband online veröffentlicht.
Im Folgenden eine Zusammenfassung der Ergebnisse.
1. Mobilitätskonzept: Zustimmung im Grundsatz – Unterschiede im Tempo
Alle Kandidierenden bekennen sich zum Mobilitäts- und Radverkehrskonzept.
Die CSU verweist auf bereits umgesetzte Maßnahmen wie Tempo-30-Zonen und laufende Arbeiten an Netzlücken. Die SPD betont sowohl strategische Steuerung als auch operative Zwischenziele. Außerdem stellt sie ein eigenes Referat in Aussicht, um die Umsetzung effizienter zu gestalten.
Die Grünen wollen konkrete Maßnahmen mit festen Zeitplänen hinterlegen und Haushaltsmittel sichern. Die Bayreuther Gemeinschaft fordert sichtbare Veränderungen wie zusätzliche Fahrradstraßen.
Junges Bayreuth unterstützt das Konzept, warnt jedoch vor Überforderung von Haushalt und Verwaltung. Deshalb setzt die Wählervereinigung auf Priorisierung und realistische Zeitachsen.
Die FDP signalisiert grundsätzliche Zustimmung. Die Unabhängigen tragen das Konzept mit, äußern jedoch Kritik an einzelnen Elementen wie dem „Superblock“-Ansatz und verweisen auf die angespannte Haushaltslage. Die Linke sagt eine klare Umsetzung zu.
Hier zeigt sich: Das Ziel teilen viele, der Weg dorthin wird unterschiedlich bewertet.
2. 4.000 Fahrradstellplätze: Mehr ja – feste Zahl umstritten
Der ADFC fordert 4.000 neue Abstellanlagen bis 2030.
Die CSU verweist darauf, dass bereits über 1.000 neue Anlagen entstanden sind und der Ausbau weiterläuft. Die SPD unterstützt eine deutliche Erhöhung, weist aber auf Nutzungskonflikte im öffentlichen Raum hin. Außerdem setzt sie auf private Bauherren durch die Stellplatzsatzung.
Die Grünen legen den Fokus auf Qualität: moderne Anlehnbügel, Anlagen für Lastenräder und regelmäßige Pflege. Die Bayreuther Gemeinschaft übernimmt die Zielmarke ausdrücklich und kritisiert die bisherige Investitionshöhe.
Junges Bayreuth befürwortet mehr Stellplätze, will jedoch zuerst den tatsächlichen Bedarf transparent ermitteln und Etappenziele festlegen. Die FDP lehnt eine starre Zielzahl ab, erkennt aber den Bedarf an. Die Unabhängigen halten die Maßnahme für sinnvoll, sehen aber keine belastbare Begründung für exakt 4.000 Plätze. Die Linke unterstützt die Forderung klar.
3. Radtourismus: Breite Offenheit, unterschiedliche Priorität
Beim Radtourismus zeigen sich die meisten Kandidierenden positiv.
Die CSU sieht Rastplätze vor allem an touristischen Zielen wie Eremitage oder Festspielhaus. Die SPD unterstützt bessere Wegweisung, ordnet sie jedoch hinter bauliche Sicherheitsmaßnahmen ein.
Die Grünen sprechen von großem Potenzial und schlagen Mobilitätsstationen sowie mehr Leihangebote vor. Die Bayreuther Gemeinschaft hebt wirtschaftliche Effekte für Hotellerie und Gastronomie hervor.
Junges Bayreuth versteht Radtourismus als Teil einer langfristigen Stadtentwicklung. Die FDP stimmt grundsätzlich zu. Die Unabhängigen sehen das Thema als „Nice-to-have“ und nicht als vordringliche Aufgabe in Zeiten knapper Kassen. Die Linke unterstützt den Ausbau deutlich.
4. Drei Kreuzungen pro Jahr: Sicherheit ja – Quote umstritten
Der ADFC fordert mindestens drei modernisierte Kreuzungen pro Jahr.
Die Grünen, Junges Bayreuth und Die Linke unterstützen diese Zielmarke ausdrücklich. Sie betonen die besondere Gefährdung an Knotenpunkten und fordern klare Verbesserungen.
Die SPD erkennt die Problematik an, will sich aber nicht auf eine feste Jahreszahl festlegen. Ähnlich äußert sich die Bayreuther Gemeinschaft.
Die FDP lehnt eine starre Quote ab und verweist auf die schrittweise Umsetzung des bestehenden Konzepts. Die CSU stellt Umbauten unter Haushaltsvorbehalt. Die Unabhängigen sprechen sich gegen „planmäßige Vorgaben“ aus und plädieren für situatives Handeln je nach Gefahrenlage.
5. Bismarckstraße/Erlanger Straße: Deutlichste Trennlinie
Am deutlichsten unterscheiden sich die Positionen bei der geplanten Umgestaltung dieser beiden Straßen von zweispurigen zu einspurigen Einbahnstraßen.
Im September 2026 hat der Stadtrat das Bürgerbegehren gegen den Umbau aus pragmatischen Gründen übernommen, um einen Bürgerentscheid zu vermeiden. Dadurch kann das Projekt für mindestens ein Jahr nicht umgesetzt werden.
SPD, Grüne, Bayreuther Gemeinschaft und Die Linke bekennen sich zur Umsetzung – teilweise unter dem Vorbehalt gesicherter Fördermittel. Sie sehen darin ein zentrales Projekt für mehr Lebensqualität und sichere Mobilität.
Die CSU verweist auf finanzielle Rahmenbedingungen. Die FDP lehnt das Projekt weiterhin ab. Die Unabhängigen sprechen sich klar gegen einen Rückbau aus und setzen stattdessen auf andere Maßnahmen wie Park-and-Ride.
Junges Bayreuth stellt die politische Mehrheitsfähigkeit infrage. Der Kandidat argumentiert, man solle realistisch prüfen, wo Verbesserungen tatsächlich umsetzbar sind, statt Ressourcen in ein hoch umstrittenes Großprojekt zu binden.
Fazit des ADFC: Zustimmung reicht nicht
Der ADFC zieht ein gemischtes Fazit.
In vielen Grundsatzfragen gibt es parteiübergreifende Zustimmung. Gleichzeitig fehlen aus Sicht des Verbands häufig klare Zielzahlen, verbindliche Zeitpläne und mutige Entscheidungen. Besonders beim Großprojekt Bismarck-/Erlanger Straße zeigen sich unterschiedliche verkehrspolitische Leitbilder.
Der Verband betont: Die Konzepte seien größtenteils bereits beschlossen und demokratisch legitimiert. Deshalb müsse die kommende Stadtspitze klare Prioritäten setzen und die Maßnahmen konsequent umsetzen. Nur so werde Bayreuth Schritt für Schritt fahrradfreundlicher.











Feulner, Hofmann, Gesees ©bt-Redaktion
Präsentation des Oberfränkischen Wort des Jahres ©Sebastian Wolf