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Bayreuther Expertin: Welche gesundheitlichen Folgen hat die häusliche Isolation?

Professorin Susanne Tittlbach hat an der Universität Bayreuth den Lehrstuhl Sportwissenschaft III – Sozial- und Gesundheitswissenschaften des Sports inne. Sie ist maßgeblich an der Entwicklung des Programms „Smart Moving“ beteiligt, das den Studienalltag bewegter und gesünder gestaltet. Im Interview mit der Uni Bayreuth analysiert sie, welche Folgen die soziale Isolation zuhause auf die Gesundheit haben kann und gibt Tipps, wie Menschen jeden Alters dennoch in Bewegung bleiben können.

Hier gibt es die aktuelle Lage des Coronavirus in Franken. Auch in Bayreuth haben sich mittlerweile mehrere Menschen infiziert. Hier gibt es alle Infos über Bayreuth.

Wegen Covid-19 wochenlang zuhause

Tittlbach erklärt, welche Folgen eine wochenlange häusliche Isolation auf die Gesundheit haben kann. Um eine Adipositas-Epidemie nach dem Coronavirus zu verhindern, sagt die Professorin: “Wichtig wäre daher aus meiner Sicht, dass den Menschen auch klargemacht wird, wie wichtig gerade jetzt ausgewogene, gesunde Ernährung ist, um gesundheitliche Folgen des Lock-Ins möglichst zu verringern.”

Denn eine Isolation könnte gesundheitliche Folgen auf die Menschen haben: “Je länger der Lock-In dauert, desto größer wird die Gefahr, dass sich die Verhaltensweisen von Personen in die inaktive Richtung verändern. Wir wissen aus Studien, dass der Aufbau einer Verhaltensänderung zu mehr Bewegung, zu gesünderem Essen, Raucherentwöhnung oder dergleichen ein sehr langer, intensiver Prozess ist und dass die schwierigen Phasen am Anfang der Verhaltensumstellung liegen”, erklärt Tittlbach.

Eine Person, die es gerade erst geschafft hat, das wöchentliche Fitness-Training fest in ihren Wochenablauf zu integrieren, eine soziale Gruppe gefunden hat, in der sie sich beim Training wohlfühlt, wird nach Angaben der Professorin große Mühe haben, das Ganze nach dem Lock-In zu reaktivieren. “Zu befürchten ist daher eine noch größere Drop-Out Rate aus Bewegungsprogrammen, auch nach Wiederöffnung unseres sozialen Lebens.”

Tipps der Bayreuther Expertin: Kinder weg vom Handy bringen

Susanne Tittlbach erklärt, dass jede noch so kleine Bewegung gut und sinnvoll ist. Die Wohngegebenheiten und das Alter der Kinder spielen natürlich eine große Rolle. Die Professorin gibt folgende Tipps: Wenn ein Garten vorhanden ist, sollten die Kinder möglichst viel im Garten sein, da dort mehr Platz ist, um sich wirklich auszutoben, zum Rennen, Hüpfen und Ballspielen. Ist kein Garten da: in der Wohnung erfinderisch und kreativ werden. Und immer wieder aufstehen und sich Vorgaben dazu machen: zum Beispiel Schularbeiten im Sitzen, Lesen im Stehen in einem anderen Raum oder beim Fernsehen hüpfen.

Uni Bayreuth: Bewegung mit Medien

Außerdem meint Tittlbach, dass man die Bewegung und neuen Medien miteinander verknüpfen kann. “Eltern sollten diese Medien nicht als „Feind“ sehen, sondern auch dafür nutzen, um die Attraktivität von Bewegung mit Medien zu erhöhen”. Hier gibt die Professorin das Beispiel, dem Kind vielleicht den eigenen Fitness-Tracker umzubinden und die Aufgabe zu stellen, auf 1.000 Schritte zu kommen. “Ein Wochenplan am Kühlschrank, um jeden Tag die Schritte zu dokumentieren, motiviert zusätzlich”, weiß Tittlbach. Für jüngere Kinder eignen sich zusätzlich Tanzspiele und Apps mit Spielideen. Insgesamt gelte bei jüngeren Kindern, dass der Spielcharakter möglichst hoch sein sollte.

Mit einem funktionalen Training via App können nach Angaben von Tittlbach ältere Kinder und Jugendliche motiviert werden, “deren Bewegungsmotiv oft auf Figurformung und Muskelzuwachs liegt”.  Viele Übungen könnten schon mit dem eigenen Körpergewicht ausgeführt werden. “Ansonsten brauche ich eigentlich nur eine Matte oder einen Teppich und Übungsanleitungen, die sich in einer Vielzahl im Netz finden”, sagt Susanne Tittlbach.

Tipps für ältere Menschen

“Solange Spaziergänge, die Menschen alleine durchführen, noch zulässig sind, sollten ältere Menschen diese Möglichkeit auch nutzen” sagt Tittlbach. Spaziergehen stellt quasi ein Ganzkörpertraining dar, das sowohl Ausdauer, Kraft als auch Koordination anspricht, so die Professorin.

Wenn Spaziergänge nicht mehr erlaubt sein sollten oder die ältere Person unter Quarantäne steht: “Frischluft auf dem Balkon oder am offenen Fenster genießen.” Und auch hier gibt es Übungen: “Wer noch gut stehen kann, kann sich am Fensterrahmen festhalten und kleinere gymnastische Übungen durchführen, zum Beispiel Gewichtsverlagerung von einem Bein auf das andere, leichte Kniebeugen, ein Bein abspreizen und hochziehen mit Beinwechsel, beide Beine fest auf dem Boden und den Oberkörper langsam nach rechts und links rotieren”, erläutert Tittlbach.

Professorin der Uni Bayreuth: Susanne Tittlbach.
Professorin der Uni Bayreuth: Susanne Tittlbach. Foto: Universität Bayreuth

Das gesamte Interview der Universität Bayreuth gibt es hier.