Zuletzt aktualisiert am
112 Pleiten in sechs Monaten: Warum es Oberfranken jetzt so hart trifft
Mehr oberfränkische Unternehmen haben im ersten Halbjahr 2026 aufgeben müssen als im Vorjahreszeitraum: 112 Firmen meldeten Insolvenz an, ein Plus von 13 Prozent gegenüber den 99 Fällen im ersten Halbjahr 2025. Auch der Vergleich mit 2024 fällt deutlich aus, damals waren es im gleichen Zeitraum nur 74 Betriebe.
Für die IHK für Oberfranken Bayreuth ist der Trend eindeutig: „Die Ergebnisse zeigen, dass der erhebliche Anstieg der Unternehmensinsolvenzen auch im Wirtschaftsraum Oberfranken angekommen ist“, ordnet Sabine Ebensperger, Referentin Standortinformation bei der IHK für Oberfranken Bayreuth, die Zahlen ein. Grundlage sind die aktuellen Halbjahreszahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik.
Deutliches Plus auch in den Jahreszahlen
Auch der Blick auf das Gesamtjahr bestätigt die Richtung: Zwischen 2024 und 2025 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Oberfranken um 34 Prozent, von 164 auf 220 Fälle. Das Bayerische Landesamt für Statistik bestätigt diesen Anstieg von 34,1 Prozent und ordnet Oberfranken damit bayernweit hinter der Oberpfalz (plus 46,4 Prozent) auf Platz zwei der am stärksten betroffenen Regierungsbezirke ein. Mit 220 Fällen erreichten die oberfränkischen Insolvenzzahlen 2025 wieder das Niveau von 2015.
Baugewerbe und Gastgewerbe besonders betroffen
Am häufigsten traf es 2025 das Baugewerbe mit 17 Prozent aller Insolvenzen, gefolgt vom Gastgewerbe (14 Prozent) und dem Verarbeitenden Gewerbe (13 Prozent). Diese Entwicklung deckt sich mit dem bayernweiten Bild: Landesweit ist die Zahl der Verfahren im Gastgewerbe 2025 um rund 47,7 Prozent gestiegen. Auch in Bayreuth und der Region reihte sich zuletzt Fall an Fall, von der insolventen Traditionsbrauerei Leikeim aus dem Landkreis Lichtenfels bis zum Aus für das Bayreuther Traditionslokal Zollhaus IX, das zum Jahresende 2025 schließen musste. Nicht jede Insolvenz endet dabei zwangsläufig mit dem Aus: Beim Bademodenhersteller Adolf Riedl etwa führte die Insolvenz zu einer Übernahme und einem Neustart am bisherigen Bayreuther Standort.
Weniger Mitarbeitende betroffen als im Vorjahr
Ein anderes Bild ergibt sich bei der Zahl der betroffenen Beschäftigten. Während 2024 mit 4.483 Mitarbeitenden noch außergewöhnlich viele Menschen von Insolvenzen ihres Arbeitgebers betroffen waren, halbierte sich dieser Wert 2025 auf 2.237 Beschäftigte. Auch das fügt sich ins bayernweite Bild: Landesweit sank die Zahl der betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von 33.094 auf 27.991, bleibt damit aber weiterhin auf hohem Niveau.
Der lange Zeitverlauf relativiert die Zahlen
„Für eine bessere Einordnung lohnt sich der Blick auf die Jahreszahlen im langen Zeitverlauf ab der Jahrtausendwende“, sagt Ebensperger. Anfang der 2000er-Jahre gab es in Oberfranken jährlich etwa doppelt so viele Unternehmensinsolvenzen wie 2025, damals steckte die oberfränkische Wirtschaft in einer erheblichen Strukturkrise mit sehr hohen Arbeitslosenzahlen.
In den folgenden 20 Jahren gingen die Zahlen mit kleineren Schwankungen zurück und erreichten 2021 ihren Tiefpunkt. Die niedrigen Werte zwischen 2016 und 2019 erklären sich durch die damalige konjunkturelle Hochphase. Danach spielte ein weiterer Faktor eine Rolle: In den Pandemiejahren 2020 und 2021 war die Pflicht, bei pandemiebedingter Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anzumelden, zeitweise ausgesetzt. Ein Teil des heutigen Anstiegs ist deshalb ein Nachholeffekt aus dieser Zeit.
„Jedes Unternehmen, das Insolvenz beantragen muss, ist eines zu viel, genauso wie jeder Arbeitnehmer, der sich deshalb um seine Arbeit sorgen muss. Trotzdem muss man die aktuelle Entwicklung immer im größeren Zusammenhang bewerten. Der Anstieg in Oberfranken hat vor allem mit der schwachen Konjunktur und einem Nachholeffekt aus der Pandemie zu tun.“
— Sabine Ebensperger, Referentin Standortinformation bei der IHK für Oberfranken Bayreuth
Zur schwachen Konjunktur als Hintergrund passt auch die jüngste IHK-Konjunkturumfrage, die für den Kammerbezirk Oberfranken zuletzt Alarmsignale sendete: Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate gaben spürbar nach.
Häufige Fragen
Wie viele Unternehmen haben in Oberfranken im ersten Halbjahr 2026 Insolvenz angemeldet?
112 Unternehmen meldeten im ersten Halbjahr 2026 Insolvenz an, 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 99 Fällen.
Welche Branchen sind in Oberfranken am stärksten von Insolvenzen betroffen?
Im Jahr 2025 traf es am häufigsten das Baugewerbe (17 Prozent aller Insolvenzen), gefolgt vom Gastgewerbe (14 Prozent) und dem Verarbeitenden Gewerbe (13 Prozent).
Wie viele Beschäftigte waren 2025 in Oberfranken von Unternehmensinsolvenzen betroffen?
2.237 Beschäftigte waren 2025 betroffen, halb so viele wie im Jahr zuvor, als es 4.483 Mitarbeitende waren.
Warum sind die Insolvenzzahlen in Oberfranken zuletzt gestiegen?
Laut IHK für Oberfranken Bayreuth liegt der Anstieg vor allem an der schwachen Konjunktur sowie an einem Nachholeffekt, weil während der Corona-Pandemie die Pflicht zur Insolvenzanmeldung zeitweise ausgesetzt war.
Ist das aktuelle Insolvenzniveau in Oberfranken historisch hoch?
Nein. Anfang der 2000er-Jahre gab es in Oberfranken jährlich etwa doppelt so viele Unternehmensinsolvenzen wie 2025. Von den damaligen Höchstwerten ist die Region auch heute noch deutlich entfernt.












Rechts starten die Bauarbeiten jetzt nach dem offiziellen Spatenstich, links sind die Gebäude für die Richtfest gefeiert konnte. ©Katharina Müller-Sanke
Brand im Forchheimer Stadtteil Serlbach. © NEWS5 | Ferdinand Merzbach