Zuletzt aktualisiert am
120 Jahre Kita Altstadt: Bayreuths wohl älteste Kindertagesstätte feiert Jubiläum
Am 21. Juni feierte die Kita Altstadt ihr 120-jähriges Bestehen. Ein guter Anlass, um auf die bewegte Geschichte der „wohl ältesten Kindertagesstätte Bayreuths“ zurückzublicken. Stadtrat und Hobbyhistoriker Stephan Müller nimmt mit auf einen Streifzug durch die „gute alte Zeit“ vor dem Ersten Weltkrieg in Bayreuth.
„Es war eine liebe Zeit – die gute alte Zeit vor Anno [19]14. In Bayern gleich gar. Damals hat noch Seine Königliche Hoheit, der Herr Prinzregent regiert, ein kunstsinniger Monarch. Denn der König war schwermütig. Das Bier war noch dunkel, die Menschen waren typisch, die Burschen schneidig, die Dirndln sittsam und die Honoratioren ein bisserl vornehm und ein bisserl leger…“ — Gustl Bayrhammer, Fernsehserie „Königlich Bayerisches Amtsgericht“
Die „gute alte Zeit“ in Bayreuth vor 1914
Die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg wurden von vielen, wie in den legendären einleitenden Worten von Bayrhammer beschrieben, als die „gute alte Zeit“ bezeichnet. Im Königreich Bayern ging es unter Prinzregent Luitpold – der für seinen „schwermütigen“ Neffen, König Otto, regierte – bergauf.
In der Kreisstadt Bayreuth wurde unter Bürgermeister Leopold von Casselmann kräftig gebaut. Das Regierungsgebäude, das Städtische Krankenhaus, die Höhere Töchterschule, der Justizpalast oder das Bankhaus an der Münzgasse waren nur einige Gebäude, die das Stadtbild völlig veränderten. Im Jahr 1906 ließ Cosima Wagner den Festspielpark erweitern und übergab die Festspielleitung an ihren Sohn Siegfried.
Auf dem Land – und dazu gehörte die Altstadt – brachten es die Bauern „in der guten alten Zeit“ zu Wohlstand, ebenso wie die Brauer und Wirte, etwa Richard Glenk und Johann Heinrich Becher in der Altstadt.
Vereinsgründungen prägen die Bayreuther Altstadt
In dem damals noch dörflichen Ortsteil, der seit 1840 zu Bayreuth gehörte, wurden in dieser Zeit der „Männerverein“ (1879) und die evangelische Kirchengemeinde (1898) gegründet. 1892 wurden eine Feuerwache mit einer freiwilligen Wehr und eine Polizeistation in Betrieb genommen.
Ein Jahr bevor am 12. März 1904 der Bahnhof Altstadt an der neuen Strecke von Bayreuth nach Hollfeld seine Tore öffnete, kam es fast gleichzeitig zu zwei weiteren wichtigen Vereinsgründungen: der „Schützengilde Altstadt“ und der „Kleinkinderschule Altstadt“.
Im Jahr 1908 eröffnete das Altstadtbad für die Schulkinder, die noch im „Schlösschen“ ihren Unterricht erhielten. Die letzte große Feier in „der guten alten Zeit“ war die Einweihung der Altstadtschule am 4. Mai 1914.
Der Erste Weltkrieg beendet die Idylle
Drei Monate später begann der Erste Weltkrieg. Viele Söhne aus der Altstadt kamen ums Leben, die Bevölkerung litt unter den hohen Reparationen, die Deutschland auferlegt wurden, und schließlich kam noch die vollständige Geldentwertung durch die große Hyperinflation hinzu. Es blieb nur die Erinnerung an „die gute alte Zeit“.
Die Gründung der Kleinkinderschule Altstadt 1903
Doch zurück zur Kleinkinderschule Altstadt: Als Vorsitzende wurden 1903 der Hilfsgeistliche Julius Orth und der Kaufmann und Magistratsrat Heinrich Geisser gewählt. Sie wandten sich in einer Zeitungsannonce mit einer „Herzlichen Bitte“ an die Bayreuther Bevölkerung:
„So erlauben wir uns denn im Namen des Vereins an die Nächstenliebe der Bewohner der Stadt Bayreuth uns zu wenden und zu bitten, unserem Verein als Mitglied beizutreten und durch Zeichnung eines Jahresbeitrags zu unterstützen.“
Der Bayreuther Historiker Rainer Trübsbach schreibt:
„Am 27. Februar 1903 wurde die konstituierende Mitgliederversammlung zur Errichtung eines Vereins ‚Kleinkinderschule Altstadt‘ veranstaltet. 84 Familien erklärten damals sofort ihren Beitritt. Es bestand großer Bedarf an einer solchen Einrichtung, denn viele Eltern waren nicht in der Lage, ihren Kindern die notwendige Erziehung und Ausbildung zu geben und zu ermöglichen.“
Als erste Kindergärtnerin wirkte die Lehrerstochter Anna Beata Strehl mit einem Jahresgehalt von 600 Mark im früheren Schulzimmer der ersten Klasse im alten Altstädter Schulhaus. Damals musste jedes Kind zehn Pfennige Schulgeld bezahlen.
Feierliche Eröffnung und erste Jahre der Kita Altstadt
Nur ein Vierteljahr nach der Vereinsgründung wurde die Kinderschule eröffnet. Für die Chronik der Altstädter Kirchengemeinde hielt der spätere Pfarrer Dr. Friedrich Eppelein fest:
„Am 3. Mai 1903 wurde die Kinderschule feierlich eröffnet, nachmittags um 15:30 Uhr, unter Anwesenheit von Vertretern des Konsistoriums, der Stadtgeistlichkeit, der städtischen Kollegien und der Bayreuther Presse. Höhepunkte der Arbeit im Kindergarten waren alljährlich die Weihnachtsbescherung und die Kindergartenfeste im Sommer.“
Am 24. April 1906 wurde in einer Mitgliederversammlung der Bau eines Kinderschulgebäudes beschlossen. Offenbar wurde mehr Platz für die Kinder benötigt. Noch im selben Jahr entstand das Gebäude mit der Jugendstilfassade, wie wir es heute kennen. Rainer Trübsbach:
„Damit ist der Kindergarten in der Altstadt wohl die älteste derartige Einrichtung in Bayreuth. Noch im gleichen Jahr oder kurze Zeit später konnte er mit einem großen Raum bezogen werden, in dem teilweise bis zu 70 Kinder betreut wurden.“
Schon gelesen? Die Kita Altstadt durch Kauf gerettet.












Symbolbild © k_rahn stock.adobe.com
Landmaschinenausstellung auf dem Gelände der Landwirtschaftlichen Lehranstalten. Foto: Katharina Müller-Sanke