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30 Jahre Glashaus Bayreuth: Ein brennend lebendiger Kulturraum
Applaus, Lachen, Umarmungen: Bei der Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen des Glashauses wurde schnell klar, dass dieser Ort für viele weit mehr ist als Bühne oder Club. Er ist Arbeitsraum, Zuhause und Gemeinschaft zugleich. Ein lebendiger, roher, ungezwungener Kulturraum für Bayreuth.
Zwischen Anekdoten über Toiletten, Webseiten und den „dunkelsten Tag“ zieht sich ein roter Faden durch den Abend: Dieses Glashaus lebt von Menschen.
„Dass ein Club über so viele Jahre bestehen darf, ist Geschenk und Auszeichnung zugleich“, heißt es von Vereinsseite.
Anlass ist ein Jubiläum mit mehreren Zeitmarken: Am 11. Januar 1995 fand im damaligen Glashaus das erste Konzert mit „Ballhaus“ statt, 1997 wurde der Glashaus e. V. gegründet – als pragmatische Antwort auf bürokratische Hürden, so Gründungsmitglied Rolf Wahner. Dass nun 2026 das 30-jährige Bestehen gefeiert wird, kommentiert stellvertende Vorsitzender Christian Renner: „Es ist ja irgendwie dazwischen.“ Ein Satz, der das Glashaus gut trifft.
„Überraschend ist, dass es genauso aktiv geblieben ist. Dass immer noch so viele Leute mitmachen wollen. Dass es bei guten Veranstaltungen immer voll ist“, sagt Wahner.
„Warum Glashaus?“
„Ausdruck von Diversity“, sagt eine Person.
„Offenheit“, sagt eine andere.
„Ich lerne hier unglaublich viel von den jungen Leuten – wie sie miteinander arbeiten, wie sie Dinge lösen.“ Der Zusammenhalt sei außergewöhnlich.
„Wir haben damals einen Raum gebraucht. Heute brauchen ihn andere. Dass das immer noch funktioniert, ist keine Selbstverständlichkeit – sondern das Ergebnis von sehr viel Arbeit und sehr viel Liebe.“ – Rolf Wahner
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Café, Konzertort, Treffpunkt
Das Vereinshaus mit Sitz auf der nordöstlichen Seite des Campus, neben dem Geoinstitut der Universität, ist nicht nur ein Club, sondern eine wichtige Energiestation für Studierende: ein Café. Seit jeher verkauft das Glashaus Kaffee zu unschlagbaren Preisen. Dabei bleibt es fair. Die Bohnen stammen vom Weltladen in Bayreuth.
Der „dunkelste Tag des Glashauses“ war der 31. März 2025: Der Kaffeepreis musste um 100 Prozent erhöht werden, von 50 Cent auf 1,00 Euro. „Wucher!“, hieß es vom Verein. Wer jedoch zehn Tassen über die Stempelkarte kauft, zahlt weiterhin nur 6 Euro. Das Angebot wird im Verein offensichtlich sehr geschätzt.
Tagsüber Café, abends Kulturprogramm
Auf dem Programm stehen Lesungen, Filmabende, Karaoke, Open Stages, Partys, Jams, Theater und Diskussionsformate. Jeden Mittwoch um 18 Uhr – und das seit den Anfangsjahren – findet ein Vereinstreffen statt, bei dem neue Ideen eingebracht und Veranstaltungen geplant werden.
„Hier kann jede und jeder etwas vorschlagen und umsetzen“, sagt ein Aktivmitglied. „Man muss kein Student sein. Das ist vielen gar nicht klar.“
Diese Lust am Machen und Experimentieren zieht sich durch alle Reden. Sie erklärt, warum hier Konzerte, Lesungen, Partys, Diskussionen und Alltagsbetrieb nebeneinander existieren – getragen von rund 1.000 Mitgliedern und etwa 30 ehrenamtlich Engagierten.
Mitgliedschaft
Der Besuch von Veranstaltungen ist an eine Mitgliedschaft gebunden. Diese kostet einen Euro im Monat oder sechs Euro im Jahr und ist ab 18 Jahren möglich. Die Einnahmen decken einen Teil der Grundkosten und ermöglichen Investitionen in Technik und Ausstattung. Es ist ein Beitrag für eine lebendige Kulturszene in Bayreuth, in der alle willkommen sind.
Auszeichnungen und Herausforderungen der Zukunft
Wie viele Kulturorte steht auch das Glashaus vor strukturellen Herausforderungen. Der Rückgang ehrenamtlichen Engagements, steigende Kosten und ein verändertes Freizeit- und Konsumverhalten wirken sich spürbar aus. Vorstandsmitglied Oliver Schell fasst es so zusammen:
„Immer mehr Aufgaben lasten auf weniger Schultern. Gleichzeitig wollen wir Kultur bezahlbar halten und Künstler fair bezahlen.“
Investitionen in Licht-, Ton- und DJ-Technik sind in den kommenden Jahren notwendig. Ein Teil davon konnte durch den jüngsten APPLAUS-Award bereits abgesichert werden.
Für seine kontinuierliche Kulturarbeit wurde das Glashaus mehrfach ausgezeichnet: mit dem APPLAUS-Award der Initiative Musik (2013, 2018, 2024), dem Kulturpreis der Stadt Bayreuth (2013) sowie dem Klaus-Dieter-Wolff-Preis (2017).
„Das Glashaus zeigt, was Ehrenamt leisten kann, wenn man ihm Raum lässt“, sagte Oberbürgermeister Ebersberger.
Von Zeit, die geschenkt wird. Von Zusammenarbeit mit Bayreuther Läden, Initiativen und Kulturschaffenden. Wer die Szene sucht, findet sie hier, unter Menschen, die Kultur nicht nur konsumieren, sondern pflegen.
Das Glashaus ist nach 30 Jahren kein Nostalgieprojekt. Es ist Gegenwart. Brennend lebendig.











Gebäude der Brauerei Leikeim in Altenkunstadt - erstellt mit KI
Symbolbild: Pixabay