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Angriffe auf Polizeibeamte – Oberfranken bleibt auf hohem Niveau
Tritte, Schläge, Beschimpfungen: Für viele Polizeibeamtinnen und -beamte in Oberfranken und Bayreuth gehört das längst zum Berufsalltag. 594 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte wurden 2025 in der Region registriert. Wir haben darüber auch mit einer Polizistin gesprochen.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellte die Zahlen am Mittwoch im Rahmen des Landeslagebilds Bayern 2025 vor. Das Polizeipräsidium Oberfranken lieferte dazu die Zahlen für die Region – und die zeigen: Auch wenn die Gesamtfallzahl kaum gestiegen ist, wird es bei einzelnen Delikten deutlich brutaler.
Die Zahlen für Oberfranken im Detail
Mit 594 Fällen bewegt sich die Gewalt gegen Polizeibeamtinnen und -beamte in Oberfranken 2025 nahezu auf dem Niveau des Vorjahres – ein Plus von zwei Fällen beziehungsweise 0,3 Prozent. Deutlich beunruhigender ist der Blick auf die Details: Die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen stieg von 15 auf 23 Fälle, ein Anstieg von mehr als 53 Prozent. Auch tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte nahmen zu, von 188 auf 220 Fälle (+17 Prozent).
Rückläufig waren dagegen vorsätzliche Körperverletzungen (-37,5 Prozent auf 20 Fälle), Beleidigungen (-7,2 Prozent auf 194 Fälle) sowie Widerstandshandlungen (-7,8 Prozent auf 95 Fälle). Die Aufklärungsquote bei diesen Delikten liegt bei 99,8 Prozent.
Am häufigsten schlagen oder treten Angreifer: 128 Mal wurde getreten, 89 Mal mit der Hand oder Faust geschlagen, in 26 Fällen wurden Beamtinnen und Beamte gebissen. In zwölf Fällen kamen Hieb- oder Stichwaffen zum Einsatz oder wurden mitgeführt, in fünf Fällen ein Kraftfahrzeug. Von den 510 ermittelten Tatverdächtigen waren über 83 Prozent männlich.
Versuchtes Tötungsdelikt in Coburg
Besonders schwer wiegt ein Fall aus Coburg. Ende März 2025 wollten Polizeikräfte dort einen 19-jährigen Mann festnehmen, der nach einem Streit mit seiner Mutter geflüchtet war. Bei der Festnahme griff der Tatverdächtige die Beamten mit einem Einhandmesser an und führte mehrere Stichbewegungen gegen zwei Polizisten aus. Beide erlitten Schnittverletzungen am Hinterkopf, am Unterarm und an der Hand.
Auch in der Stadt Bayreuth selbst ist Gewalt gegen Einsatzkräfte keine Seltenheit: Im Mai 2025 leisteten an einem einzigen Vormittag gleich zwei 26-Jährige erheblichen Widerstand gegen Polizeibeamte, wie das bt berichtete – mit verletzten Beamtinnen und Beamten und mehreren Strafanzeigen als Folge.
„Das zählen wir gar nicht mehr“ – Der Alltag einer Polizistin
Was die Statistik nicht erfasst, ist die schleichende Gewöhnung an verbale Angriffe, die viele Beamtinnen und Beamte im Dienst erleben. Eine Bayreuther Polizistin hat dem Bayreuther Tagblatt im letzten Jahr gesagt, sie kenne das aus ihrem eigenen Dienstalltag. Schon immer habe es einzelne Menschen gegeben, die sich danebenbenommen hätten, sagt sie. Verändert habe sich aber die grundsätzliche Haltung: Viele Menschen hätten heute jeglichen Respekt verloren – nicht nur vor der einzelnen Polizistin oder dem einzelnen Polizisten, sondern vor dem Staat, den sie vertreten. Schimpfwörter, Spucken und Tritte seien mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme. Wehren sich Beamtinnen und Beamte, würden oft sofort Handys gezückt: „Natürlich haben viele von uns Sorge, dass sowas dann aus dem Zusammenhang gerissen und gegen uns verwendet wird.“
Auch das grundsätzliche Infragestellen polizeilicher Maßnahmen gehöre zum Alltag, berichtet sie. Schon eine einfache Ausweiskontrolle werde häufig mit der Frage „Dürft Ihr das überhaupt?“ beantwortet, oft gefolgt von Beschimpfungen. Sie selbst versuche, sich die Angriffe nicht persönlich zu Herzen zu nehmen: Die Attacken richteten sich in der Regel nicht gegen sie als Person, sondern gegen die Polizei als Institution. Das schaffe eine gewisse Distanz, auch wenn es nicht schön sei. Ihr Fazit fällt trotzdem versöhnlich aus: Die meisten Menschen würden die Arbeit der Polizei schätzen, man bekomme im Alltag aber vor allem die Wut derjenigen ab, die anecken.
Wann macht sich strafbar, wer einen Polizisten beleidigt?
Die sogenannte „Beamtenbeleidigung“ existiert im deutschen Strafrecht nicht als eigener, härter bestrafter Straftatbestand. Es gilt für alle Betroffenen der gleiche Paragraph und der gleiche Strafrahmen. Rechtlich sind Beleidigungen keine Bagatelle. Wer einen Polizisten beleidigt, riskiert nach § 185 Strafgesetzbuch eine Geld- oder sogar Freiheitsstrafe. Die Rechtsprechung zeigt dabei deutliche Unterschiede: Während Bezeichnungen wie „Bulle“ nach einem Urteil des Landgerichts Regensburg als umgangssprachlich und damit straflos gelten, wurden deutlich derbere Ausdrücke mit Geldstrafen von mehreren Hundert bis zu mehreren Tausend Euro geahndet. Verfolgt wird eine Beleidigung von Polizeibeamten allerdings nur, wenn die betroffene Person selbst einen Strafantrag stellt.
Bayernweit auf Rekordniveau
Der oberfränkische Befund fügt sich in ein landesweites Bild. Nach dem am Mittwoch vorgestellten Lagebild wurden 2025 bayernweit erneut mehr als 3.000 Polizeibeschäftigte bei Angriffen verletzt – ein Wert, der laut Deutscher Polizeigewerkschaft (DPolG) Bayern auf dem „erschreckend hohen Niveau“ des Vorjahres verharrt. Landesvorsitzender Jürgen Köhnlein sieht keine Entspannung der Lage und fordert unter anderem eine schnellere Bearbeitung entsprechender Strafverfahren sowie einen Ausbau der Sucht- und Drogenprävention – rund 60 Prozent der bayernweiten Tatverdächtigen standen bei den Angriffen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.
Auch beim Bayreuther Tagblatt ist das Thema keine Randnotiz: immer wieder berichtet die Redaktion über einzelne Angriffe auf Bayreuther Polizeibeamte – zuletzt erst wieder rund um das Weißbierfest in der Innenstadt.
Häufige Fragen
Wie viele Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte gab es 2025 in Oberfranken?
Das Polizeipräsidium Oberfranken registrierte 2025 insgesamt 594 Fälle – ein leichter Anstieg um zwei Fälle beziehungsweise 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Welche Delikte gegenüber Polizisten haben in Oberfranken am stärksten zugenommen?
Am deutlichsten stieg die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen, von 15 auf 23 Fälle (+53 Prozent). Auch tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte nahmen um 17 Prozent zu.
Wie hoch ist die Aufklärungsquote bei Straftaten gegen Polizeibeamte?
Sie lag 2025 in Oberfranken bei 99,8 Prozent.
Kann man sich strafbar machen, wenn man einen Polizisten beleidigt?
Ja. Beleidigung gegenüber Polizeibeamtinnen und -beamten wird nach § 185 Strafgesetzbuch mit Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet.
Wie viele Polizeibeschäftigte wurden 2025 bayernweit bei Angriffen verletzt?
Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums waren es erneut mehr als 3.000 verletzte Polizeibeschäftigte.












Große Orchester wie das BBC Symphony Orchestra sind beim Kissinger Sommer zu erleben. ©Julia Milberger
Symbolbild ©Canva