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Zuletzt aktualisiert am 03. April 2025 | 20:57

Vollübung

Bayerns größte Polizeiübung in Bayreuth: Geiselnahme in Forensik simuliert

von Michael Christensen

Eine der größten Sicherheitsübungen Bayerns, die größte ihrer Art, hat am Bezirkskrankenhaus in Bayreuth in der forensischen Psychiatrie stattgefunden. Der simulierte Notruf ging am 2. April um 8 Uhr in der Einsatzzentrale Oberfranken ein.

  • Die Übung soll Einsatzkräfte auf Extremsituationen vorzubereiten. © Polizeipräsidium Oberfranken
    Die Übung soll Einsatzkräfte auf Extremsituationen vorzubereiten. © Polizeipräsidium Oberfranken
  • Polizeivizepräsident Rothdauscher gibt ein Interview vor dem GeBO-Gebäude, nur wenige Meter entfernt von der eigentlichen Geiselnahme-Großübung. © Michael Christensen
    Polizeivizepräsident Rothdauscher gibt ein Interview vor dem GeBO-Gebäude, nur wenige Meter entfernt von der eigentlichen Geiselnahme-Großübung. © Michael Christensen
  • Die Übung simuliert eine Geiselnahme, um Einsatzkräfte auf extreme Ausnahmesituationen vorzubereiten und ihre Reaktionsfähigkeit zu trainieren. © Polizeipräsidium Oberfranken
    © Polizeipräsidium Oberfranken
  • Die Übung simuliert eine Geiselnahme, um Einsatzkräfte auf extreme Ausnahmesituationen vorzubereiten und ihre Reaktionsfähigkeit zu trainieren. © Polizeipräsidium Oberfranken
    © Polizeipräsidium Oberfranken
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Die Übung wurde als Vollübung durchgeführt, bei der alle Abläufe realistisch dargestellt wurden. Rollenspieler übernahmen die Rolle der Opfer, um die Situation so realitätsnah wie möglich zu gestalten. Ziel war es, die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte zu optimieren und mögliche Schwachstellen zu identifizieren.

Szenario: Geisellage in der Forensik

Der Beginn der Übung wurde durch eine simulierte Geiselnahme ausgelöst. Zwei Patienten der Station FP nahmen eine Pflegerin und einen Pfleger in ihre Gewalt. Polizeivizepräsident Ulrich Rothdauscher erklärte, „wenn man die Lage als solche anschaut, dann ist es eine Geisellage in einem Bezirkskrankenhaus. Das ist natürlich ein Szenario mit einem hohen Gefährdungspotenzial für das Klinikpersonal.“

Diese Situation war alles andere als gewöhnlich und stellte die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen. Polizisten aus Bayreuth, von verschiedenen Dienststellen, und ein Spezialeinsatzkommando (SEK) arbeiteten eng zusammen, um den Ernstfall zu üben.

Die Übung folgte einem festen Plan. Sie begann mit dem Eintreffen der ersten Streifenwagen der zuständigen Polizeidienststelle und endete mit der Festnahme der Geiselnehmer durch das SEK. Glücklicherweise blieben die Geiseln unverletzt. Während der Übung stellten die Geiselnehmer Forderungen und führten intensive Gespräche.

Vergangene Vorfälle zeigen die Notwendigkeit solcher Sicherheitsübungen. Rothdauscher erinnerte an frühere Einsätze: „Wir hatten im Jahre 2009 in der JVA Straubing eine herausragende Lage und 2024 eine Geisellage im Bezirkskrankenhaus in Niederbayern.“

Echtheit der Übung und Identifikation von Schwachstellen

Die Übung wurde möglichst realitätsnah gestaltet. „Für die Polizei ist es entscheidend, dass wir aus der Theorie herauskommen und in die Praxis gehen“, betonte Rothdauscher. Die beteiligten Kräfte wussten zwar, dass eine Übung stattfinden würde, jedoch nicht wann oder welches Szenario sie erwartete. Auch die Patienten im Forensikgebäude erhielten nur wenige Informationen zum Ablauf, um die Echtheit der Übung zu gewährleisten.

Ein zentrales Ziel war es, Verbesserungspotenziale zu erkennen. „Es geht uns darum, Veränderungspotenziale zu identifizieren, ohne mit dem Finger auf Fehler zu zeigen. Fehler passieren, und diese Schwachstellen können wir erkennen und verbessern“, so Rothdauscher.

Schon gelesen? Polizei führt Amok-Übung an Bayreuther Schule durch.

Vorbereitung auf kritische Situationen

Eva Gill, Vorstand der Gesundheitseinrichtungen des Bezirks Oberfranken, betonte, dass absolute Sicherheit nicht möglich sei, aber eine bestmögliche Vorbereitung essenziell bleibe: „Die hundertprozentige Sicherheit haben wir nicht und werden wir nicht bekommen. Was man aber erwarten kann, ist, dass wir auf Gefahrenlagen bestmöglich vorbereitet sind.“

Regelmäßiges Training sei dabei entscheidend. „Unsere Mitarbeiter trainieren theoretisch und praktisch in unterschiedlichen Teamzusammensetzungen“, erklärte Gill. Die Übung fand zudem während des laufenden Klinikbetriebs statt, was eine besondere logistische Herausforderung darstellte. „Unsere Mitarbeiter und insbesondere die Patienten müssen heute einfach zurückstehen.“

Bedeutung von Sicherheitsübungen

Bezirkstagspräsident Henry Schramm machte deutlich, wie wichtig solche Übungen sind: „Es wird oft nicht gesehen, wie viele Fälle verhindert werden und was im Hintergrund gut funktioniert. Doch wenn einmal etwas passiert, muss jeder Handgriff sitzen.“

Er dankte für das Vertrauen, solche Übungen durchführen zu dürfen, und lobte die Zusammenarbeit mit der Polizei: „Die Polizei arbeitet hier unglaublich gut mit uns zusammen. Es ist wichtig, direkte Ansprechpartner zu haben, wenn so etwas passiert.“

Chefarzt Volkmar Blendl hob hervor, wie viel Vorbereitung in die Übung geflossen sei: „Es steckt unheimlich viel Aufwand und Arbeit dahinter.“ Auch Schramm betonte die Bedeutung: „Wichtig ist, dass wir diese Übung durchführen konnten und dass die Polizei alles aufgeboten hat.“

Die Ergebnisse der Übung werden nun analysiert, um die Sicherheitsmaßnahmen weiter zu optimieren. „Wir beginnen mit einer ersten Analyse und tragen dann alle Erfahrungen zusammen“, erklärte Rothdauscher. Die Großübung in Oberfranken hat eindrucksvoll gezeigt, wie essenziell interdisziplinäre Zusammenarbeit ist, um für den Ernstfall bestmöglich vorbereitet zu sein.

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