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Von Bayreuth nach Hollywood

Bayreuther Lukas Geppert schafft den Sprung nach Hollywood

Vom Bayreuther Schüler zum Hollywood-Musikproduzenten: Lukas Geppert kehrt am Samstag für einen Vortrag beim kontrast Filmfest nach Bayreuth zurück. Dort erklärt er, wie Richard Wagners Leitmotivtechnik bis heute Blockbuster-Soundtracks prägt – und spricht im Interview darüber, wie er in Hollywood Fuß fasste und wie der Arbeitsalltag eines Filmmusikproduzenten aussieht.

Wenn beim Kurzfilmfestival kontrast am Wochenende in Bayreuth ein 24-Jähriger Bayreuth über Richard Wagner spricht, geht es nicht um museale Verehrung. Es geht um Technik, Wirkung – und um eine Frage, die jeder Kinogänger zumindest unbewusst kennt: die Rolle der Musik, die Unsichtbarem Gestalt verleiht, Spannung aufbaut oder vortäuscht und Figuren, Orte sowie Themen mit akustischer Tiefe ausstattet.

Vom Grünen Hügel nach Hollywood

Der Vortrag um 16 Uhr in ZENTRUM setzt genau dort an. Lukas Geppert, Musikproduzent und Komponist für Medien, will zeigen, „wie wichtig ist Wagner eigentlich für Filme heutzutage, also für aktuelle Blockbuster?“ – nicht theoretisch, sondern mit Beispielen aus der Praxis, unter anderem aus seiner Arbeit an „Final Destination 6“. Bayreuth ist dafür mehr als Kulisse: Herkunftsort, Schulzeit, musikalisches Fundament – und eine Stadt, in der Wagner, wie Geppert sagt, „wirklich omnipräsent“ ist. Während Wagners Einfluss symbolisch bis nach Hollywood reicht, hat Geppert diesen Weg ganz real genommen.

Er arbeitet in Los Angeles an großen Produktionen wie „Final Destination 6“, „Nobody 2“ und „Schlag & Fertig“ und kehrt für seinen Vortrag „Vom Grünen Hügel nach Hollywood“ im Zeichen der 150-Jahr-Festspiele nach Bayreuth zurück – dorthin, wo er musikalisch geprägt wurde.

Geboren in Bonn, musikalisch geprägt in Bayreuth

Geboren in Bonn, zog er früh nach Bayreuth. Mit fünf Jahren hatte er am Klavier seine erste musikalische Begegnung. Am Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium erhielt er entscheidende Impulse:

„Von Orchestern, wo man mitgespielt hat, bis hin zu Proberäumen für Bands, die man dann gegründet hat. Es gab so viele Möglichkeiten zu performen.“

Auch Lehrkräfte hätten ihn geprägt, etwa Musiklehrer Eckhard Bosch, „mit dem ich immer noch sehr, sehr eng in Kontakt bin“.

Im Schulorchester spielte er Cello, später brachte er sich zusätzlich Gitarre selbst bei – ein Schritt, der für viele Jugendliche zur musikalischen Entwicklung gehört.

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Studium in Nürnberg und der Sprung nach Los Angeles

Nach dem Abitur studierte er Musikproduktion in Nürnberg. Für den Einstieg in die Filmmusik gebe es zwei Möglichkeiten, sagt er: klassische Komposition auf höchstem Niveau oder der Weg über Produktion und Sounddesign. Er entschied sich bewusst für die zweite Richtung:

„Wenn du der beste Komponist bist… aber es schlecht klingt vom Sound her, dann würden die Leute immer das perfekt produzierte Lied bevorzugen.“ Ziel sei gewesen, Musik „gut klingen zu lassen“.

Der entscheidende Schritt folgte mit dem Masterstudium an der University of Southern California in Los Angeles. Die USC habe den Einstieg erleichtert: „Man kommt dort an so viele Leute ran, die einem weiterhelfen.“ Dort wurde er unter anderem vom Filmmusik-Ikonen Thomas Newman (Skyfall, WALL·E, Findet Nemo) betreut.

Die Branche funktioniere stark über Netzwerke:

„Die Szene an sich ist wirklich kleiner als man denkt und es funktioniert alles nur über persönliche Empfehlungen.“

Visa seien für eine Karriere in den USA entscheidend und seien von ihm zunächst unterschätzt worden, sagt Geppert. Ein Studentenvisum zu erhalten sei vergleichsweise einfacher gewesen, beruflich dort zu bleiben dagegen deutlich schwieriger. Das Thema sei „das allentscheidende“; dafür müsse man „schon wirklich was vorweisen“.

Wie Filmmusik entsteht: Teamarbeit, Technik und Zeitdruck

Heute arbeitet Geppert als freiberuflicher Filmkomponist und wird projektbezogen zu großen Produktionen hinzugebucht. Filmmusik in Hollywood entsteht selten allein – sie bleibt Teamarbeit mit klaren Rollen.

Komponiert wird direkt zur Szene, häufig erst, wenn der Film bereits geschnitten ist. Viele Sequenzen enthalten zunächst einen „Temporary Track“, an dem sich Tempo und Stimmung orientieren. Gespräche mit Regie und Produktion legen die Richtung fest, danach folgt oft „trial and error“, bis die gewünschte Wirkung erreicht ist. Erst später übernehmen Orchestratoren die Übertragung in Orchesterpartituren; Komposition, Sounddesign, Mixing und Arrangement greifen dabei ineinander.

Der Arbeitsalltag ist geprägt von Zeitdruck. „Wir sind … der letzte Bestandteil von dem Film“, sagt Geppert, und müssen auf neue Schnitte reagieren, die manchmal „alle zwei Wochen geändert“ werden. Jede neue Version erfordert Anpassungen, jede Testvorführung setzt eine Deadline. Entsprechend beschreibt er die Realität der Branche knapp:

„Es ist eher 9 to 5 plus … leider 5 bis Mitternacht.“

Entscheidend sind dramaturgische „Story Beats“ – Wendepunkte, Explosionen, Dialogwechsel –, an denen Musik einsetzt oder bewusst ausbleibt. „Manchmal sind Szenen auch richtig effektiv, wenn gar keine Musik da ist.“

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Vortrag beim kontrast Filmfest

Über die Rolle der Musik und ihren gezielten Einsatz hat Geppert nun intensiver nachgedacht, nachdem ihn das kontrast Filmfest eingeladen hat. Im Zeichen der 150-jährigen Festspiele sollte ein Programmpunkt entstehen, der diesen Bezug aufgreift. So beschäftigte sich Geppert mit den Leitmotivtechniken Richard Wagners und deren Bedeutung für die heutige Filmmusik. „Viele Techniken, die wir heute verwenden, gehen auf diese Ideen zurück.“

Besonders deutlich werde das – etwa in „Final Destination 6“ –, wenn Musik Figuren oder unsichtbaren Bedrohungen eine Identität verleiht, in diesem Fall dem Tod: „Es gibt keinen Schauspieler, der den spielt, sondern der ist einfach präsent und die Musik verleiht ihm dann Gestalt.“

Richard Wagner gilt als prägend für die Verbindung von Musik mit Figuren, Orten und Themen – wiederkehrende Melodien, die eng mit ihnen verknüpft sind. Dieses Prinzip prägt bis heute die Filmmusik, etwa bei ikonischen Themen wie dem Auftritt von Darth Vader, deren Wirkung Zuschauer längst selbstverständlich erwarten.

Sein Verhältnis zu Wagner entwickelte sich jedoch erst später: „Früher habe ich immer: haut mir ab damit.“ Mit der Zeit sei klar geworden, wie relevant diese Ideen für die Filmmusik geblieben sind. In seinem Vortrag will er diese Zusammenhänge anhand von Beispielen aus seinen eigenen Arbeiten veranschaulichen.

Zwischen Los Angeles und Bayreuth

Trotz seiner Arbeit in Los Angeles bleibt Bayreuth ein Fixpunkt. Geppert versucht, zweimal im Jahr zurückzukommen, um Familie und Freunde zu besuchen. Seine Zukunft plant er in Visa-Rhythmen: „Diese Arbeitsvisa laufen immer drei Jahre… Von dem her denke ich momentan immer in drei Jahresrhythmen.“

Über aktuelle Hollywood-Projekte darf er erst nach der offiziellen Veröffentlichung sprechen, kündigt aber an: „Zwei große Hollywood-Filme, für die ich Musik geschrieben habe, werden im Laufe dieses Jahres rauskommen. Dann noch eine Serie.“

Webseite: www.lukasgeppert.com
Instagram: lukasgeppertmusic