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Wirtschaft

Fast eine Million Überstunden im Landkreis Bayreuth – viele davon unbezahlt!

Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis Bayreuth 895.000 Überstunden geleistet – weniger als die Hälfte davon wurden bezahlt. 

458.000 Überstunden unbezahlt!

Im Landkreis Bayreuth wurden im vergangenen Jahr rund 859.000 Überstunden geleistet – davon etwa 458.000 unbezahlt, wie der „Arbeitszeit-Monitor“ des Pestel-Instituts im Auftrag der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zeigt.

Besonders betroffen ist im Landkreis das Hotel- und Gaststättengewerbe, wo Beschäftigte wie Köche oder Servicekräfte rund 19.000 Überstunden machten – 54 % davon ohne Bezahlung.

Bundesweit haben Angestellte im Bereich Erziehung die größte Menge unbezahlter Überstunden da häufig Vor- und Nachbereitungszeiten nicht mit in die Stundenerfassung aufgenommen werden. Angestellte anderer Branchen wie zum Beispiel des Bäckereihandwerks, haben mit ähnlichen Strukturen zu kämpfen.

Gefahr durch Reform

Die NGG warnt, dass der Überstundenberg künftig weiter wachsen könnte. Grund seien Pläne der Bundesregierung, die wöchentliche Höchstarbeitszeit sowie den 8-Stunden-Tag zu lockern. Laut NGG könnten dann Arbeitstage von über 12 Stunden und Wochenarbeitszeiten bis zu 73,5 Stunden möglich werden – fast das Doppelte des aktuellen Pensums.

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NGG-Vertreter Rainer Reißfelder spricht von einem „Arbeitszeit-Monopoly“. Solche Regelungen seien eine Gefahr für Gesundheit, Familienleben und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege. Überlange Arbeitstage führten zu körperlicher und psychischer Belastung, mehr Arbeitsunfällen und machten ein planbares Leben nahezu unmöglich.

Probleme für Familien

Kritik gibt es auch mit Blick auf die ungleiche Verteilung der Erwerbsarbeit: 72 % der Teilzeitstellen im Landkreis werden von Frauen besetzt. Längere Arbeitstage würden das Alleinverdienermodell stärken, statt das Fachkräftepotenzial von Frauen besser zu nutzen.

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Auf lange Sicht gesehen würde eine solche Reform der Arbeitszeiten wohl eher zu sogenannten „traditionellen“ Familienstrukturen zurückführen. Die NGG fordert stattdessen verlässliche Arbeitszeiten, die mit Kita- und Betreuungszeiten vereinbar sind.