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Brigitte Merk-Erbe wird 70: Wie die frühere OB Bayreuth geprägt hat
Die ehemalige Oberbürgermeisterin und Pädagogin Brigitte Merk-Erbe hat die Stadt geprägt wie kaum eine andere. Am 18. Mai 2026 feiert sie ihren runden Geburtstag – und bleibt der Wagner-Stadt treu.
Brigitte Merk-Erbe, geborene Merk, erblickte am 18. Mai 1956 das Licht der Welt in eben jener Stadt, der sie ein Leben lang verbunden bleiben sollte. Heute feiert sie ihren 70. Geburtstag. Ein Anlass, auf ein Leben voller Engagement, politischer Leidenschaft und bürgerschaftlicher Verantwortung zurückzublicken.
Bayreutherin durch und durch
Als jüngste der drei Töchter von Erika und Bernhard Merk wuchs sie in der fränkischen Festspielstadt auf. Die Luitpoldschule, dann das Richard-Wagner-Gymnasium – der Bildungsweg von Brigitte Merk war von Anfang an bayreutherisch. 1975 legte sie am Richard-Wagner-Gymnasium das Abitur ab, bevor sie die Stadt erstmals verließ: zum Studium der Sonderpädagogik an der Universität Würzburg, das sie mit einer Ausbildung zur Sonderschullehrerin abschloss.
Zurückgekehrt, baute sie ihre berufliche Heimat an der Dr.-Kurt-Blaser-Schule im Heilpädagogischen Zentrum auf. Ab 1995 war sie dort als Konrektorin tätig – stellvertretende Schulleiterin einer Einrichtung, die sich Menschen mit besonderem Förderbedarf widmete. Die pädagogische Grundhaltung, die sie dort entwickelte, sollte ihr politisches Wirken später prägen: Inklusion, Miteinander, Stärke durch Gemeinschaft.
Der lange Weg ins Rathaus
Politik interessierte Brigitte Merk-Erbe schon früh. Seit 1995 engagierte sie sich in der Wählervereinigung Bayreuther Gemeinschaft (BG). 1996 kandidierte sie erstmals für den Stadtrat, 1999 übernahm sie den Vorsitz der Bayreuther Gemeinschaft. Mit der Kommunalwahl 2002 zog sie erstmals in den Stadtrat ein, wo sie in Bau-, Haupt- und Personalausschuss mitarbeitete.
Ihre erste Kandidatur fürs Oberbürgermeisteramt 2006 endete mit einem beachtlichen Ergebnis von 23,73 Prozent – ein Achtungserfolg, der Appetit auf mehr machte. Sechs Jahre später, im März 2012, war es so weit: In der Stichwahl setzte sie sich – unterstützt von SPD und Bündnis 90/Die Grünen – mit 52,77 Prozent gegen Amtsinhaber Michael Hohl (CSU) durch. Bayreuth hatte seine erste Oberbürgermeisterin.
Acht Jahre an der Spitze
Von Mai 2012 bis April 2020 lenkte Brigitte Merk-Erbe die Geschicke Bayreuths – acht Jahre, in denen die Stadt spürbar umgeformt wurde. Die Liste der Projekte ist lang: die Sanierung und der Umbau der Stadthalle zum Friedrichsforum, die Schaffung des Medizincampus Oberfranken am Klinikum Bayreuth, das neue Wohngebiet Untere Rotmainaue, die Sanierung der Graserschule. Unternehmen wie REHAU, Amazon, Stäubli, Tennet und die Käserei Bayernland wurden in der Stadt angesiedelt oder erweiterten hier ihre Aktivitäten.
Besonders stolz war sie auf die finanzielle Konsolidierung: Die Schulden der Stadt sanken in ihrer Amtszeit von 122,9 Millionen auf 75 Millionen Euro. Wirtschaftliches Denken und soziale Verantwortung waren für sie kein Widerspruch.
Auch kulturell hinterließ sie Spuren: Auf ihr Betreiben hin wurde das dunkelste Kapitel der Bayreuther Festspielgeschichte im sanierten Richard-Wagner-Museum nicht totgeschwiegen, sondern explizit thematisiert. Seit der Wiedereröffnung 2015 ist das Siegfried-Wagner-Haus Teil der Ausstellungskonzeption.
Eine Niederlage, die keine war
Im März 2020 unterlag sie in der Stichwahl gegen Thomas Ebersberger (CSU), der von nahezu allen anderen Parteien unterstützt wurde – und gewann dennoch 46,4 Prozent. Merk-Erbe akzeptierte die Entscheidung, trat das Stadtratsmandat nicht an und zog sich vollständig aus der Kommunalpolitik zurück. „Es waren acht gute Jahre, das Wissen darum hilft“, sagte sie damals.
Bayreuth verabschiedete sie im Oktober 2020 mit Standing Ovations im Atrium der Schlossgalerie. Oberbürgermeister Ebersberger würdigte seinen Vorgängerin ebenso wie der Stadtratsfraktionsvorsitzende der Bayreuther Gemeinschaft. Die Bayreuth-Medaille in Gold wurde ihr überreicht, sie trug sich ins Goldene Buch der Stadt ein – ein seltener Moment parteiübergreifender Wertschätzung.
Ausgezeichnet und geehrt
Die öffentliche Anerkennung blieb nicht aus. 2017 erhielt Merk-Erbe das Komturkreuz des Landes Burgenland für ihr Engagement um die österreichisch-bayrischen Städtepartnerschaften. Im Juni 2022 wurde ihr durch Landtagspräsidentin Ilse Aigner der Bayerische Verfassungsorden in Gold verliehen – eine der seltensten und höchsten Ehrungen, die der Freistaat vergeben kann. Merk-Erbe, die erste Frau in über 800 Jahren Bayreuther Stadtgeschichte, die das Oberbürgermeisteramt bekleidete, nahm die Auszeichnung mit der ihr eigenen Bescheidenheit entgegen: „Natürlich freu‘ ich mich.“
Nach der Politik: Stiften und Wandern
Der Ruhestand ist für Brigitte Merk-Erbe keiner im klassischen Sinne. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Thomas Erbe, den sie 1989 heiratete, gründete sie die Brigitte Merk-Erbe und Thomas Erbe Stiftung zur Förderung gemeinnütziger Bayreuther Vereine. Die staatlich anerkannte Stiftung unterstützt ehrenamtliches Engagement in den Bereichen Soziales, Bildung, Kultur und Integration – und setzt damit das fort, was sie als Oberbürgermeisterin immer betont hatte: „Vereine sind das Rückgrat unserer Stadtgesellschaft.“
2025 erschien dann ein Buch, das ein anderes Kapitel ihres Lebens beleuchtet: Gemeinsam mit Thomas Erbe veröffentlichte sie den Wanderführer „Unter dem Himmel – Über der Erde – Auf dem Teller“ – eine Liebeserklärung an die Natur, die Küche und das Unterwegssein in der Region.
Sieben Jahrzehnte, eine Stadt
Heute, an ihrem 70. Geburtstag, wird sie diesen Ehrentag vielleicht dort begehen, wo er so oft begann: mitten in Bayreuth, oder auf einem Wanderweg im Fichtelgebirge oder der Fränkischen Schweiz, die sie so sehr liebt. Sieben Jahrzehnte – und kein bisschen müde.
Herzlichen Glückwunsch, Brigitte Merk-Erbe.












Mainauenlauf 2022 ©Jürgen Lenkeit Archivbild
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