Zuletzt aktualisiert am
Bundestagswahl 2025 – Kandidat Thomas Schmid (FREIE WÄHLER) im Interview
Die Bundestagswahl am 23. Februar 2025 rückt näher. In unserer Interviewreihe mit den Bayreuther Kandidatinnen und Kandidaten spricht Thomas Schmid heute über Bürokratieabbau, Politikverdrossenheit und seinen Start in die Politik.
Thomas Schmid will für die Freien Wähler das erste Mal in den Deutschen Bundestag einziehen. Viele kennen ihn von seiner Arbeit bei der DLRG und im Schwimmbad. Im bt-Interview spricht er über Bürokratieabbau, praktische Lösungen und Debattenkultur. Schmid will die Menschen vor Ort mitnehmen und Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen. Statt auf Verbote zu setzen, plädiert er für Anreize.
Klimaschutz: Anreize statt Verbote
bt: Sie haben im Video drei Probleme genannt, die Sie gerne angehen würden. Das waren Steuern, Mittelstand stärken und innere Sicherheit. Was ist denn zum Beispiel mit dem Klimawandel?
Thomas Schmid: Klimawandel ist auch ein wichtiges Thema. Ich bin der Meinung, da sind wir schon auf einem ganz guten Weg. Das kann aber noch besser werden. Wenn viel Wind weht oder wenn viel die Sonne scheint, dann produzieren wir in Deutschland zu viel Strom, den wir dann ins Ausland abgeben. Das ist ein Draufzahlgeschäft. Da wäre es meiner Meinung nach sinnvoller, die Energie umzuwandeln. In Wunsiedel wird das bereits gemacht. (Anmerkung der Redaktion: In Wunsiedel steht eine der europaweit größten Wasserstoffelektrolyseanlagen). Dann macht auch ein weiterer Ausbau der erneuerbaren Energien Sinn. Mit Verbotspolitik kommt man aber in Deutschland nicht weiter, da verärgert man die Leute nur. Anreize schaffen, das ist für mich der bessere Weg.
Bei uns bei der DLRG haben wir das jetzt ganz konkret gemacht: Wir haben im Sommer das komplette Dach mit Photovoltaik ausgestattet, um einfach zu zeigen: Auch Vereine können mitmachen. Ich bin überzeugt: Da ginge noch viel mehr. Und jetzt kann bei uns jeder auf’s Handy schauen und sehen, wie viel Strom die Anlage schon produziert hat. Also das ist Motivation, finde ich, das macht echt Spaß!
Politikverdrossenheit
bt: Jetzt haben Sie ja gesagt, Verbote verärgern die Leute. Viele Menschen sind von Politikern genervt. Was meinen Sie denn, woran das liegt und wie könnte man das ändern?
Thomas Schmid: In den letzten Jahren war es ja im Bund so: Kaum war eine Idee ausgesprochen, ist sie vom Koalitionspartner oder von der Opposition wieder schlecht gemacht worden. Ich bin kein Freund davon, dass man sich immer nur “anmault”, dass man sich immer nur der Lüge bezichtigt.
Ich bin der Meinung, wenn man anständig miteinander redet, dann kann man die Menschen auch mitnehmen.
Das ist ein wichtiges Thema: Anstand, Leuten zuhören. Miteinander reden und nicht übereinander. Wir müssen gemeinsame Lösungen suchen, die für den Bürger da sind und nicht bloß für die eigene Partei.
bt: Es war also zwischen den Parteien so viel böses Blut, dass diese Stimmung auf die Bürgerinnen und Bürger übergegriffen hat?
Thomas Schmid: Absolut, ja. Außerdem sind zu viele Sachen entschieden worden, die die Bürger einfach nicht verstehen. Der Bund entscheidet über viele Gesetze und Vorhaben, die müssen ja aber vor Ort ausgebadet werden. Darum geht es den Kommunen mittlerweile auch so schlecht und viele Kommunen sind überschuldet. Viele Bürgermeister und Landräte beklagen sich da zurecht. Es bleiben manche Sachen liegen, weil einfach kein Geld mehr da ist, um in Projekte zu investieren, die keine Pflichtaufgaben sind.
Forderung: Investitionsprogramm für die Schulen
bt: Es kommen ja aber nicht nur Vorgaben vom Bund, sondern auch Geld. Welches Projekt in Bayreuth liegt Ihnen denn da besonders am Herzen? An welcher Stelle würden Sie sich mehr finanzielle Unterstützung wünschen?
Thomas Schmid: Also die Festspiele werden ja schon gut unterstützt und das ist auch ganz wichtig für die Stadt Bayreuth. Schulen sind wichtig, auch wenn das in erster Linie die Länder betrifft und nicht den Bund. Hier würde ich mir wünschen, dass vom Bund ein großes Investitionsprogramm für die Schulen in den Kommunen aufgelegt wird. Ähnlich wie beim DigitalPakt, bei denen Bund und Länder die digitale Infrastruktur an Schulen fördern. Klassenzimmer, Turnhallen, die Toiletten, überall dort muss dringend was gemacht werden, damit die Schulkinder optimale Voraussetzungen im Unterricht haben. Wichtig finde ich auch den Ausbau der weiteren Infrastruktur, zum Beispiel den Glasfaserausbau. Alles, was notwendig ist, damit die Kommunen gut arbeiten können.
Auch was die Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung angeht, müssen wir mehr tun. Da werden in den nächsten Jahren viele Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Und wir brauchen Digitalisierung. In Bayern haben wir mittlerweile ein Digitalministerium. Das muss meiner Meinung auch dringend auf Bundesebene kommen. So ein Ministerium kann helfen, Schnittstellen aufzuzeigen. Es gibt so viele Bereiche, in denen jede einzelne Kommune selbst handeln muss. Ich fände es besser, der Bund würde da Standards entwickeln. Da könnte man sehr viel Arbeit und Hirnschmalz sparen und Synergien schaffen.
Rückblick auf die letzte Regierung
bt: Was kritisieren Sie denn an der Arbeit der letzten Regierung?
Thomas Schmid: Ich finde die Energiepreise aktuell im europaweiten Vergleich zu hoch, und zwar nicht nur für die Industrie, sondern auch für den Normalsterblichen. Das muss deutlich günstiger werden. Der soziale Wohnungsbau ist meiner Meinung nach auch wichtig, da müsste der Bund auch mehr Fördermöglichkeiten schaffen. Wenn ich mir teilweise so richtig alte, marode Häuser anschaue, dann wollen die Leute da freilich nicht raus, weil es günstig ist. Trotzdem sollten wir es schaffen, dass auch diese Häuser gedämmt und in Sachen Energieeffizienz vom Bund gefördert optimiert werden. Dann müssten die Mieten vielleicht gar nicht so viel steigen.
bt: Und was würden Sie sagen, hat die letzte Regierung gut gemacht?
Thomas Schmid: Also diese Energiekrise, als es ja wirklich Angst in der Bevölkerung gab, dass die Heizungen kalt bleiben würden: So kam es nicht und das hat gut geklappt, muss man sagen. Ob da die Umsetzung perfekt war, weiß ich nicht. Dazu bin ich zu wenig im Thema drin, weil ich eben kein Berufspolitiker bin, sondern ein normaler Angestellter.
bt: Die Freien Wähler schreiben sich ja konservativ-bürgerliche Werte auf die Fahnen. Da schwingt vielleicht für die eine oder den anderen mit, dass das einige Menschen ausschließt. Stimmt das?
Thomas Schmid: Ausschließen möchte ich niemanden. Aber nehmen wir das Beispiel Bürgergeld: Jeder, der Hilfe braucht, soll sie auch bekommen. Solidarität und Hilfsbereitschaft ist bei mir immer ein großes Thema.
Trotzdem sollte es oberstes Ziel sein, dass Menschen in Arbeit kommen.
Ich habe den Eindruck, dass viele Leute zu hohe Ansprüche an eine Arbeit haben. Wenn es heißt, sie sollen am Wochenende arbeiten, dann haben viele schon keine Lust mehr. Das ärgert mich. Wer etwas beitragen kann, sollte es auch machen. Das ist nur fair und anständig. Wenn wir wieder mehr Menschen in Arbeit bekommen, können wir den Bedürftigen vielleicht sogar mehr Hilfe geben.
Blick in die Zukunft
bt: Wir stellen uns jetzt mal vor, Sie sitzen im Koalitionsausschuss. Was muss denn in den Koalitionsvertrag unbedingt rein?
Thomas Schmid: Die innere Sicherheit. Da müsste mehr passieren.
bt: Was meinen Sie damit genau? Welche konkreten Maßnahmen finden Sie sinnvoll?
Thomas Schmid: Mehr Stellen für die Polizei, schlicht und ergreifend. Die Polizisten, die wir haben, sind oft überlastet. Wir brauchen einfach Leute, die Bock haben, für den Staat zu arbeiten. Außerdem brauchen wir Bürokratieabbau. Ich bin der Meinung, wir sind total überreguliert. Es gibt viele Bereiche, in denen man denkt: “Mensch, ich würde gerne was umsetzen!” Und dann bremsen einen so viele Details. Viele Sachen müssen echt verschlankt werden. Ich habe es bei der Beantragung der Photovoltaikanlage gesehen, das ist ja vorgegeben, was Sie da für Anträge ausfüllen müssen. Das macht keinen Spaß. Viele Leute haben darauf natürlich keine Lust oder es ist ihnen zu viel.
bt: Gibt es etwas, wovor Sie Angst haben?
Thomas Schmid: Ich habe keine Angst, aber es fühlt sich so an, als würde es in vielen Bereichen nicht mehr rund laufen. Wir brauchen in so vielen Bereichen gutes Fachpersonal, sei es in der Pflege, in der Kinderbetreuung, im Handwerk und in vielen weiteren Bereichen. Wir brauchen aber auch gutes und motiviertes Servicepersonal in der Gastronomie, im Handel und weiteren Dienstleistungsberufen. Und auf der anderen Seite gehen in der Industrie aufgrund der konjunkturellen Lage Arbeitsplätze verloren. Das macht mir schon zu schaffen. Gleiches gilt für die Ärzte. Viele Praxen sind überlastet. Die Leute werden immer älter, es gibt immer weniger junge Menschen, die Arzt werden wollen oder können. Und es geht noch weiter: Die ganze Infrastruktur. Straßen, Brücken, Schulen. Man sieht es ja auch in Bayreuth:
Mir tun die jungen Leute leid, die einfach eine gute Bildung wollen, und dann scheitert es an den absoluten Grundlagen.
bt: Wir haben noch eine Frage von einer anderen Bundestagskandidatin an Sie: “Was tun die Freien Wähler für die Gleichberechtigung?”
Thomas Schmid: Das Thema Gleichberechtigung ist für die Freien Wähler eine Selbstverständlichkeit. Wir haben viele Funktionsträgerinnen hier in der Region, zum Beispiel die Bürgermeisterin von Eckersdorf, Sybille Pichl, aber auch einige Landrätinnen in ganz Bayern. Zusätzlich gibt es eine starke Gruppe FW Frauen in Bayern. Kürzlich hat sich auch eigens eine Gruppe FW Frauen Oberfranken gegründet. Ich persönlich unterstütze auch sehr gern die Frauen bei den Freien Wählern. Zuletzt Christine Singer bei der Europawahl und zuvor auch schon bei der Landtagswahl unsere starke Listenkandidatin aus dem Landkreis, Tanja Scherm. Aber nicht nur die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen ist bei den Freien Wählern ein Thema. Diversität und Inklusion sind für uns wichtige Themen. Das wird auch so gelebt und dafür gibt es einige Arbeitskreise. Luft nach oben gibt es aber selbstverständlich immer.
bt: Sie dürfen natürlich auch eine Frage an einen anderen Gast stellen. Was würden Sie denn gerne von Thomas Hacker von der FDP wissen?
Thomas Schmid: Mich würde interessieren, in welchen drei Punkten Herr Hacker in den letzten drei Jahren etwas für Bayreuth im Bundestag verändert hat.
bt: Danke für das Gespräch.











Inken Bößert tritt für die Grünen bei der Bundestagswahl 2025 an ©bt-Redaktion
©bt-Redaktion