Das vergessene Frühstück: Warum man früher den Tag mit warmem Bier begann
von Katharina Müller-Sanke und Martin Bayer
In der bt-Bierkolumne geht’s heute um die erste Mahlzeit der Menschheit
Heutzutage beginnt der Tag mit einem doppelten Espresso oder einem Hafer-Cappuccino. Doch vor dem Siegeszug des Kaffees war das ganz anders. In Bayreuth – wie in ganz Mitteleuropa – war das Frühstück oft Bier.
„Bier war über viele Jahrhunderte ein Lebensmittel“, erklärt Bierfan Martin Bayer. „Im Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert war das Essen oft karg, das Bier hingegen lieferte Kalorien, Nährstoffe und war zudem sicher zu trinken.“ Wasser war häufig alles andere als sauber, Milch nicht immer verfügbar, und Kaffee? Der war schlichtweg Luxus.
Dünn, warm – aber sauber: Das Bier des Volkes
Die Vorstellung von einem frischen, kühlen Bier am Morgen stimmt allerdings nur bedingt. Denn das Frühstücksbier war meist dünn eingebraut, hatte nur zwischen 0,5 und 1 Prozent Alkohol und wurde warm serviert, eventuell mit altem Brot oder anderen Zutaten versetzt. „Es war eher eine Art Getreidetrunk mit Gärung irgendwo zwischen Suppe, Tee und Bier“, so Bayer.
Vor der Einführung des Reinheitsgebots wurde mit dem gebraut, was da war; in antiken Zeiten oft mit Wildgerste. Um Geschmack und Haltbarkeit zu verbessern wurden häufig Kräutermischungen eingesetzt. Lange vor der Kenntnis über die Wirkungsweise der Hefe war das Brauen ein Glücksspiel. Man setzte auf spontane Gärung: „Die Hefen kamen aus der Luft und zufällig ins Bier“, sagt Bayer. Das Bier war dadurch oft säuerlich, mit Essig- und Milchsäuren, aber eben hygienischer als Wasser.
War Bier wichtiger als Brot?
Eine These, die heute für Aufsehen sorgt: War Bier das erste verarbeitete Getreideprodukt der Menschheit? Bayer verweist auf Expertenmeinungen und archäologische Funde:
„Es gibt Hinweise, dass schon vor 10.000 Jahren Wildgetreide gesammelt und zu Bier verarbeitet wurde – lange bevor jemand auf die Idee kam, Brot zu backen.“
Der Sud war einfacher zu machen als ein Laib, und machte außerdem satt.
Ob im alten Mesopotamien, im antiken China oder bei den Ägyptern – überall wurde Bier produziert. Teilweise in beeindruckenden Mengen: „Die Ägypter hatten Brauereien, die 20.000 Liter pro Sud schafften“, so Bayer.
Bayreuths Bierkultur hat also tiefe Wurzeln – und sie reichen bis zum Frühstückstisch der Antike.
Zum Autor
Martin Bayer ist Touristikprofi, Reiseveranstalter und leidenschaftlicher Bierguide in Bayreuth. Als „Bierkutscher“ mit Zylinder und Gespür fürs Anekdotische führt er Gruppen durch Katakomben, Biergeschichte und Bayreuther Legenden. In seiner bt-Bier-Kolumne schenkt er uns regelmäßig Geschichten mit Schaumkrone ein – mal süffig, mal nachdenklich, immer mit einem Augenzwinkern.



Etwa 130 Feuerwehrleute aus vier Landkreisen waren in Schlammersdorf vor Ort. © News5
Bild: Northernlights Sylt