Zuletzt aktualisiert am
Natur
Die Pilz Saison ist in vollem Gange – das gilt es zu beachten
Wann die Pilz-Saison genau beginnt ist schwer zu sagen, denn die gut versteckten Leckerbissen wachsen abhängig vom Wetter.
Es geht in die Pilze
Der Herbst steht vor der Tür und die sommerliche Trockenheit wird so nach und nach von Regenwetter abgelöst. Für viele passionierte Pilzjäger beginnt jetzt die Saison, in der man mit größerem Erfolg beim Sammeln rechnen kann. Pilze mögen es feucht und warm, daher ergeben sich die besten Chancen zum Sammeln, wenn es einige Tage geregnet hat, die Temperaturen aber nicht zu sehr abfallen. Bayreuth ist von Wäldern umgeben, es dürfte also nicht schwer sein, einen Ort zum Suchen ausfindig zu machen. Auch wenn alte Pilzsammler wohl kaum ihre Lieblingsplätze teilen werden. Die sind ein wohl gehütetes Geheimnis.
Regeln, Regeln, Regeln
Leider ist es nicht einfach damit getan, im Wald spazieren zu gehen und in den Korb zu stecken, was man findet. Beim Pilze sammeln gibt es viele Regeln, sowohl im Interesse der eigenen Gesundheit als auch im Sinne des Naturschutzes.
Wer sich für das Thema Pilze sammeln interessiert, tut gut daran, sich zuerst hinreichend zu informieren. Eine gute Gelegenheit dafür sind die Bayreuther Pilztage, die am Ökologisch-Botanischen Garten der Uni Bayreuth (ÖBG) zum 11. und 12. Oktober 2025 stattfinden. Bei dieser Veranstaltung können sich Interessierte rund um das Thema Pilze informieren und an Workshops teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt über die VHS Bayreuth und ist noch bis zum 6. Oktober möglich.
Sicherheit geht vor
Beim Sammeln von Pilzen ist besonders darauf zu achten, dass nur Pilze mitgenommen werden, die sich einwandfrei zum Verzehr eignen. Für die Bestimmung von Speisepilzen gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Die Sicherste ist, sich einem erfahrenen Pilzsammler oder einer -sammlerin anzuvertrauen und sich die Feinheiten, auf die es zu achten gilt, persönlich vor Ort erklären zu lassen.
Schon gelesen? „Zauberpilze“ im Gepäck: Bundespolizei stellt Drogen sicher.
Kennt man persönlich niemanden, der dafür infrage kommt, empfiehlt es sich an geführten Pilzwanderungen teilzunehmen. Geeignet sind hierfür die oben genannten Pilztage, aber mit etwas Recherche im Internet findet man noch weitere Angebote in und um Bayreuth. Wenn man sich an Profis wenden möchte, so findet man Listen von Pilzberatenden bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie oder der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft
Bei einer dieser Sachverständigen, Frau Cornelia Porzelius von der Pilzschule Bamberg, haben wir einmal genauer nachgefragt und viele hilfreiche Ratschläge erfahren.
Zum Beispiel den, sich einen guten Pilzratgeber in Buchform zu besorgen. Dabei sind vor allem Bücher zu empfehlen, die sich besonders auf Speisepilze und deren giftige Doppelgänger konzentrieren.
„Anfänger geben sich zunächst am Besten mit wenigen Sorten von Pilzen zufrieden, die leicht erkennbar sind und daher ein geringes Risiko zur Verwechslung haben. Grundsätzlich gilt aber: Nur mitnehmen, was eindeutig erkannt worden ist! Im Zweifelsfall lieber stehen lassen.“
Besser nicht auf Apps verlassen!
In App- und Playstore finden sich zahlreiche Angebote für Apps zur Pilzbestimmung, sei es mit Bezahl-Abo oder ohne. Frau Porzelius rät davon ab, sich bei der finalen Bestimmung von Speisepilzen auf derartige Apps zu verlassen. Diese würden eine unzureichende Erfolgsquote aufweisen und sind stark von der Handhabung durch den Nutzer abhängig. Zum Dokumentieren der Funde, oder einfach zum Spaß am Bestimmen können sie schon genommen werden, aber nie als Garantie für die Genießbarkeit der Pilzfunde!
Naturschutz beachten
Entnimmt man etwas aus der Natur, so ist darauf zu achten, sie dadurch nicht zu schädigen. Daher gelten für das Pilzesammeln Regeln und Naturschutzgesetze. Dazu haben wir Frau Cornelia Porzelius noch einige Fragen gestellt.
Wie viele Pilze darf ich sammeln? Dafür gibt es keine festen Regelungen – allerdings kann man sich nach der Faustregel „1-2 Kg pro Person, pro Tag“ richten. Letztendlich entscheidet der zuständige Förster oder die Försterin, ob durch das Sammelverhalten der Wald geschädigt wird.
Kann ich alles mitnehmen, was ich finde? Mitgenommen werden dürfen nur Pilze, die in einwandfrei essbarem Zustand sind. Alte oder wurmige Exemplare lieber stehen lassen. Findet man Pilze, die teilweise beschädigt sind, ist es besser die ungenießbaren Stellen direkt im Wald zu entfernen und dort zu lassen.
Kann ich auf Vorrat sammeln? Damit auch Andere etwas von der Saison haben, nimmt der vorbildliche Sammler oder die Sammlerin immer nur so viel mit, wie am gleichen Tag noch verwertet werden kann. Sammeln auf Vorrat schadet dem Wald, den Wildtieren und anderen Sammlern und Sammlerinnen.
Wie „pflücke“ ich Pilze richtig? Am besten dreht man die Pilze aus dem Waldboden heraus. Das hat mehrere Gründe: Zum einen muss der Pilz zur vollständigen Bestimmung komplett betrachtet werden. Beispielsweise kann sich beim tödlichen Knollenblätterpilz die verräterische „Knolle“ unter der Erde befinden. Zum anderen wird so der Waldboden am wenigsten beschädigt. Die offene Stelle darf dann auch wieder mit Moos oder Blättern bedeckt werden. Bei etwas fragileren Pilzen kann aber auch ein Messer zur Hilfe genommen werden, um den Stiel aus dem Boden zu hebeln.
Welche Ausrüstung brauche ich? Zur Entnahme selbst reichen die eigenen Hände und ein kleines Messer. Wichtig ist vor allem ein luftiger Korb zur temporären Lagerung. Liegen die Pilze auf dem Nachhauseweg in einer ungelüfteten Plastiktüte, so zersetzt sich das Eiweiß in den Fruchtkörpern schneller und die Pilze können im schlimmsten Fall schon ungenießbar sein, bevor man zuhause ankommt.
Was gibt es sonst zu beachten? Der Wald ist ein empfindliches Ökosystem, das durch Klimawandel und Borkenkäfer schon mehr als genug Schwierigkeiten erlebt, mit denen es zu kämpfen hat. Daher muss man sich dort stets achtsam verhalten. Aufpassen wo man hintritt, keine jungen Bäume zertreten oder beschädigen. Auch alte Pilze oder Giftpilze müssen in Ruhe gelassen werden. Sie sind wichtige Bestandteile des Ökosystems Wald.
Spannend: Oberfrankens Wälder werden bunter.
Keine Pilze für mich?
Wer es beim Lesen bis hierher geschafft hat merkt selbst: Pilzesammeln ist ein komplexes Thema. Wem die Regeln und Risiken zu viel sind, der muss aber trotzdem nicht leer ausgehen. Auf vielen Wochenmärkten gibt es zur Pilzsaison an Gemüseständen Steinpilze oder Pfifferlinge zu kaufen.
Außerdem bieten viele Restaurants in Bayreuth schmackhafte Pilzgerichte an. Es muss also niemand auf die saisonalen Leckerbissen verzichten.












Hier entstehen 24 neue Wohnungen in der Altstadt von Bayreuth. © Michael Christensen
Feldroboter in Bayreuth @bt-Redaktion