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Elektro-Premiere im Festspielhaus: Das Event schreibt Geschichte
Ein Anruf aus dem Festspielhaus, drei Wochen Vorbereitung, ein ausverkauftes Event innerhalb von drei Tagen: Was hinter der Hauptbühne des Bayreuther Festspielhauses mit DJ Alle Farben passierte, war ein Präzedenzfall.
Im 150. Jubiläumsjahr traf Tradition auf moderne Musikfestivalkultur, Wagner auf Elektromusik. Ein Präzedenzfall, denn im Festspielhaus wird sonst – mit gewissen Abzweigungen – ausschließlich Wagner gespielt, und das nur während der Festspielzeit. Im Jubiläumsjahr öffnete Festspielleiterin Katharina Wagner das Haus erstmals für etwas Neues.
Ob sich dieses Format etabliert oder ein einmaliges Ereignis bleibt, wird erst die Zeit zeigen. Wie die Opernfans pilgerten auch Elektro-Fans nach Bayreuth, um DJ Alle Farben live im Festspielhaus zu erleben.
Der Anruf, der alles auslöste
Als das Festspielhaus bei FABRIK-Inhaber Ahmad Kordbacheh anrief und Katharina Wagner fragte, ob er die Organisation übernehmen könne, war die Zeit denkbar knapp.
„Ich war sehr aufgeregt, muss ich sagen, weil es für mich einfach ein Ritterschlag ist, mit dem Festspielhaus und Katharina Wagner zusammenarbeiten zu dürfen“, sagt Kordbacheh.
Am 4. Juli fiel die Entscheidung, am 15. gingen die Tickets in den Verkauf, und erst am Tag der Veranstaltung, den 2. August, durfte aufgrund der laufenden Festspiele aufgebaut werden. „Der größte Gegner war einfach die Zeit“, so Kordbacheh.
Licht, Ton, Laser, Wagner-Kulisse
Die Zuschauer standen unter einem Vordach hinter der Hauptbühne des Festspielhauses. Dafür wurde die Bühne nach hinten geöffnet, sodass der historische Zuschauerraum die Kulisse hinter dem DJ-Pult bildete. Durch die gezielte Beleuchtung wirkte er wie eine riesige, statische Leinwand – beinahe, als wäre er projiziert.
Die Firma Laserfabrik aus Hürth ergänzte die Szenerie von der Bühne aus mit Lasereffekten, die mithilfe von Nebelmaschinen Kunstwerke in die Luft zeichneten. Gleichzeitig umrahmten Original-Bühnenelemente aus Wagner-Inszenierungen den Veranstaltungsbereich – abgetrennt und eigens in Szene gesetzt.
Für den Sound sorgte Nova Works aus Ettlingen mit einer L-Acoustics-Anlage, die trotz der akustisch anspruchsvollen Halle für ein überraschend gutes Klangbild sorgte.
Wagner trifft Techno – auf der Bühne
Die Musik des Berliner DJs und Produzenten Alle Farben steht für melodischen, sonnigen und mitreißenden Dance-Pop beziehungsweise Deep House.
Das wohl prägendste Markenzeichen von Alle Farben ist die Kombination aus elektronischen House-Beats und echten, akustischen Instrumenten. Dies kam besonders zur Geltung, als ein Trompeter die berühmte Melodie des „Walkürenritts“ spielte, bevor sie in den Drop von Alle Farben überging. Dafür hatte der DJ eigens für den Abend ein Wagner-inspiriertes Stück produziert und live gespielt.
Der Künstler selbst zeigte sich beeindruckt von der Energie des Publikums. „Unheimliche Energie“, sagte er im Gespräch mit Kordbacheh. Kurz vor seinem historischen Auftritt im Festspielhaus war Alle Farben bei der Nature One und beim Parookaville aufgetreten – zwei der größten elektronischen Musikfestivals in Deutschland.
Rund 1700 Gäste
„Es war auf jeden Fall sehr, sehr besonders, sehr berührend – diese Menschenmassen in dieser Location zu sehen und alle am Tanzen und Feiern. Kein Stress, nichts Negatives passiert“, so Kordbacheh rückblickend.
Nach Kordbachehs Angaben feierten rund 1700 Menschen ausgelassen. Lediglich vereinzelt wurde der Wunsch nach Essensständen geäußert. „Wir sind davon ausgegangen, dass um 20 Uhr alle schon gegessen haben“, sagt Kordbacheh. Der FABRIK-Geschäftsführer, der nach eigenen Angaben zum Perfektionismus neigt, sieht sich bei solchen Veranstaltungen vor allem in der Rolle des Gastgebers. „Aber sonst bin ich sehr zufrieden mit dem Ablauf.“
Vom Einlass am frühen Sonntagabend bis zum Ende der Show gegen Mitternacht und dem anschließenden Ausklang bis etwa 1 Uhr blieb die Veranstaltung ohne größere Probleme.
Starke Partner im Hintergrund
Möglich wurde der Abend nur durch ein großes Team. „Es wäre überhaupt nicht möglich gewesen, in so kurzer Zeit so etwas auf die Beine zu stellen – ohne wirklich ein gutes Team und gute Partner“, sagt Kordbacheh.
Neben dem FABRIK-Team unterstützte die Sparkasse Bayreuth kurzfristig die Veranstaltung. Das Arvena Kongresshotel brachte die Technik-Crew unter, das Posthotel von Alexander Herrmann beherbergte die Künstler. Auf Seiten des Festspielhauses unterstützten unter anderem der Technische Direktor Henning Angebrandt, Bodo Hirschmann und Sicherheitsbeauftragter Bernd Schuckmann. Die Firma Matrix begleitete zudem das Sicherheitskonzept des Festspielhauses.
„Sie haben alle wirklich stark zum Gesamtergebnis beigetragen. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Applaus – und Wiederholung?
Nach der Show bedankte sich Katharina Wagner persönlich bei Kordbacheh für die Organisation. Die innerhalb von drei Tagen ausverkaufte Show spricht für die große Nachfrage.
Auch aus der Bayreuther Stadtgesellschaft, etwa von Uni-Präsident Stefan Leible, gab es Zuspruch – verbunden mit dem Wunsch nach einer Wiederholung. „Eine weitere legendäre Bayreuther Nacht … Klingt nach Wiederholung“, schrieb er über das Event in den sozialen Medien.
Kordbacheh selbst kann sich das gut vorstellen: „Sobald man diesen Hügel hochfährt, spürt man einfach, dass das etwas Besonderes ist.“ Ein jährlich wiederkehrendes Format während der vierwöchigen Festspielzeit hält er durchaus für wünschenswert.
Als Nächstes geht das FABRIK-Team ins Kreuzsteinbad
Der nächste Termin steht bereits fest: In etwa einem Monat legt Sven Väth im Kreuzsteinbad auf – das erste Open Air auf dem Gelände überhaupt. Ein weiterer Baustein in Bayreuths wachsendem Angebot an Bühnen.











Symbolbild: Pixabay
Polizei Symbolbild: Pixabay