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Gesundheitswesen

Erste Anwendung der neuen Alzheimertherapie in Bayreuth

Mit Lecanemab ist erstmals ein Medikament gegen Alzheimer zugelassen, das den Verlauf im frühen Stadium verlangsamen kann. In Bayreuth wurde die erste Patientin behandelt.

Alle 14 Tage kommt Irmela P. derzeit aus Nürnberg zur Behandlung nach Bayreuth. Sie ist die erste Patientin, die in Bayreuth mit der neuen Alzheimer-Therapie behandelt wird.

„Wir wissen, was ohne Behandlung auf uns zukommt. Jede Möglichkeit, das hinauszuzögern, ist ein Gewinn“, sagt Johann P., der Ehemann der ersten Patientin. Ein Heilmittel ist das neue Medikament jedoch nicht.

Hoffnung auf mehr gemeinsame Zeit

Der Zeitpunkt ist für Irmela P. nicht ideal – das weiß sie. Das Medikament wirkt am besten, wenn Alzheimer früh erkannt wird. Dennoch war es für sie und ihren Mann keine Frage, die Behandlung zu beginnen, auch wenn mögliche Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen sind. Diese werden in der Klinik engmaschig überwacht.

Irmela P. und ihr Mann spüren die Einschränkungen der Krankheit bereits deutlich. Ohne Behandlung würde sie nach und nach mehr Hilfe im Alltag benötigen und vieles vergessen. Beide hoffen nun, dass die Therapie das Fortschreiten der Erkrankung so weit verlangsamen kann, dass ihnen noch mehr gemeinsame Zeit bleibt – und im Idealfall Zeit gewinnen, bis neue Behandlungsoptionen zur Verfügung stehen.

Neuer Ansatz in der Alzheimertherapie

Für Patrick Oschmann, Direktor der Klinik für Neurologie am Klinikum Bayreuth, bedeutet die Zulassung von Lecanemab einen wichtigen Schritt in der Behandlung von Alzheimer:

„Das Medikament behandelt nicht nur die Symptome, sondern kann den Krankheitsverlauf tatsächlich verlangsamen.“

Lecanemab greift sogenannte Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn an – Eiweißstoffe, die die Kommunikation zwischen den Nervenzellen stören. Durch ihren gezielten Abbau soll der Verlauf der Krankheit verlangsamt werden.

Eine Heilung ist dennoch nicht möglich, denn neben Beta-Amyloid spielt auch das Tau-Protein eine entscheidende Rolle. Es schädigt im weiteren Krankheitsverlauf die Nervenzellen – ein Prozess, der sich mit den derzeitigen Therapien nicht aufhalten lässt.

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Für wen die Behandlung geeignet ist

Lecanemab kann nur bei Patientinnen und Patienten eingesetzt werden, bei denen Alzheimer in einem sehr frühen Stadium diagnostiziert wurde, heißt es aus der Klinik in Bayreuth.

Nicht infrage kommen Personen, die Blutverdünner einnehmen oder genetische Risiken für Hirnblutungen aufweisen.

Laut Oschmann gilt: „Je früher die Therapie beginnt, desto größer ist die Wirkung.“

Studien habe gezeigt, dass das Medikament den Krankheitsverlauf um mehrere Monate, teilweise sogar um Jahre, hinauszögern könne.

Frühzeitige Diagnose entscheidend

Das Medikament wirkt nur, wenn die Erkrankung früh erkannt wird. Oschmann rät deshalb, bereits bei ersten Anzeichen wie Gedächtnislücken oder Orientierungsschwierigkeiten ärztlichen Rat einzuholen.

„Scheuen Sie sich nicht vor dem Arztbesuch. Wenn sich der Verdacht bestätigt, können wir jetzt erstmals den Verlauf verlangsamen. Und wenn nicht – umso besser“, sagt der Neurologe.

Bayreuth sei gut vorbereitet

Um geeignete Patientinnen und Patienten frühzeitig zu identifizieren, arbeitet die Klinik für Neurologie eng mit der Klinik für Nuklearmedizin zusammen. Mit einem PET-CT lassen sich Ablagerungen im Gehirn sichtbar machen, lange bevor Symptome auftreten – der ideale Zeitpunkt für einen Therapiebeginn.

Neue Perspektiven für Forschung und Behandlung

Neben Lecanemab wurde inzwischen auch ein weiteres Medikament mit dem Wirkstoff Donanemab zugelassen. Es wirkt auf ähnliche Weise. Für Oschmann ist das ein wichtiger Impuls:

„Das ist ein Türöffner für die Forschung. Ich hoffe, dass wir bald weitere Therapieoptionen haben werden.“

Die Alzheimerforschung erreicht damit einen wichtigen Meilenstein – mit neuen Möglichkeiten, mehr Zeit zu gewinnen.