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Falsche Käuferin aus Kanada: Wie Betrüger einen bekannten Maler fast reinlegten
Fünf Gemälde, mehrere Zehntausend Euro – für den Bamberger Maler Cleff III. klang die Anfrage aus Kanada zunächst nach einem Glücksfall. Bekannt ist der Künstler weit über Oberfranken hinaus, unter anderem porträtierte er den langjährigen Bayreuther Festspielleiter Wolfgang Wagner. Genau solche renommierten Künstler könnten ins Visier von Betrügern – deshalb meldet sich Cleff III. jetzt selbst bei unserer Redaktion, um andere Kunstschaffende auch in der Region Bayreuth vor der Masche zu warnen.
„Im ersten Moment war ich ein wenig irritiert, dann fühlte ich mich auch etwas geschmeichelt“, beschreibt Cleff III. seine erste Reaktion auf die Anfrage. Was folgte, entpuppte sich als ausgeklügelter Betrugsversuch mit gefälschter Spedition, angeblicher Versicherung und einem geschickt inszenierten Zeitdruck.
Wie die Betrüger bei Cleff III. vorgingen
Eine angebliche Künstlerin aus Kanada meldete sich per Mail bei Cleff III. und zeigte Interesse an seinen Landschaftsgemälden. Man wurde sich einig: Fünf Bilder sollten den Besitzer wechseln.
Dann kam die erste verdächtige Wendung. Eine vermeintliche Spedition verlangte plötzlich rund 3700 Euro für den Transport der Bilder nach Kanada – zu zahlen von Cleff III. Der Maler winkte ab: Das sei Sache der Käuferin, nicht seine.
Die Käuferin zeigte sich daraufhin kooperativ, ließ den Versicherungswert der Bilder auf rund 40.000 Euro taxieren und gab an, das Geld für den Transport bereits überwiesen zu haben. Kurz darauf meldete sich sogar eine angebliche Versicherung bei Cleff III. Spätestens jetzt schrillten bei ihm die Alarmglocken.
Woran der Künstler den Betrug erkannte
Cleff III. fiel auf, dass die Spedition ihn zunehmend unter Zeitdruck setzte: Er sollte die 3700 Euro binnen drei Tagen überweisen. Als er das Logo der Transportfirma auf den zugesandten Dokumenten wiedererkannte, rief er dort direkt an.
„Mir wurde dann gesagt: Hände weg, das ist Betrug.“
— Cleff III., Maler
Das echte Transportunternehmen hatte mit der Anfrage nichts zu tun und stellte umgehend Strafanzeige. Auch Cleff III. schaltete die Polizei ein.
Besonders perfide an der Masche: Die angebliche kanadische Künstlerin existiert tatsächlich. Sie betreibt eine eigene Internetseite, ist in sozialen Medien präsent und zeigt dort echte Skulpturen und Gemälde. Cleff III. vermutet, dass ihre Identität missbraucht wurde, um Vertrauen zu erzeugen – ohne dass die Frau selbst davon weiß.
„Das war ein kleines Theaterstück.“
— Cleff III., Maler
Nach seiner Einschätzung setzen die Täter gezielt darauf, dass potenzielle Opfer nur noch das Geld im Blick haben und Ungereimtheiten übersehen: „Dann kommt eine Euphorie, und die Synapsen werden ausgeschaltet. Meine blieben aber offen“, sagt Cleff III.. Wut oder Enttäuschung empfinde er deshalb nicht – dafür sei er zu wachsam geblieben.
Wer ist Cleff III.?
Geboren 1947 in Bamberg, stammt Cleff III. aus einer Künstlerfamilie: Sein Großvater Erich Cleff der Ältere und sein Vater Erich Cleff der Jüngere waren ebenfalls Maler und Bildhauer. Cleff III. selbst wurde vor allem mit Porträts prominenter Persönlichkeiten bekannt: Otto von Habsburg, Hans-Dietrich Genscher, Edmund Stoiber, Boris Becker und eben Wolfgang Wagner gehören zu seinen Modellen, ebenso Siegfried und Roy in Las Vegas.
Gerade dieser internationale Bekanntheitsgrad macht Künstler wie Cleff III. zu einem attraktiven Ziel für Betrüger, die auf hochwertige Kunstwerke und zahlungskräftige Käuferschichten aus dem Ausland setzen.
Wir berichten hier beim Bayreuther Tagblatt ja immer wieder über Callcenter-Betrüger. Der Fall von Cleff III. zeigt: Auch vermeintlich seriöse Geschäftsanfragen per Mail, die mit einem plausiblen Vorwand Geld für Transport oder Versicherung verlangen, gehören in dieses Muster. Wer selbst Kunst, Handwerk oder andere hochpreisige Waren verkauft, sollte bei solchen Zahlungsaufforderungen besonders wachsam sein.
Häufige Fragen
Was ist die Betrugsmasche mit dem angeblichen Kunstverkauf ins Ausland?
Betrüger geben sich als kaufwillige Kundschaft aus dem Ausland aus, einigen sich mit Künstlerinnen und Künstlern auf einen Kauf und verlangen dann über eine gefälschte Spedition oder Versicherung eine Vorauszahlung für Transport oder Versicherung der Ware.
Woran erkenne ich diese Betrugsmasche?
Warnsignale sind plötzlicher Zeitdruck, Zahlungsaufforderungen an eine Spedition oder Versicherung statt an die eigentliche Käuferschaft sowie Kommunikation, die ausschließlich per Mail läuft. Ein Anruf bei der angeblich beauftragten Firma unter offiziell recherchierter Telefonnummer schafft schnell Klarheit.
Was sollte ich tun, wenn ich eine solche Anfrage erhalte?
Keine Vorauszahlungen leisten, die angeblich beauftragten Firmen eigenständig kontaktieren und im Zweifel die Polizei einschalten. Auch das reale Unternehmen, dessen Name missbraucht wurde, sollte informiert werden.
Ist die angebliche kanadische Künstlerin eine echte Person?
Ja, laut Cleff III. existiert die Frau tatsächlich und ist mit eigenen Werken im Internet präsent. Vermutlich wurde ihre Identität ohne ihr Wissen für den Betrugsversuch missbraucht.
Gibt es ähnliche Betrugsfälle in Bayreuth?
Ja, die Kriminalpolizei Bayreuth registriert regelmäßig verschiedene Betrugsmaschen mit Vorauszahlungen oder vorgetäuschten Notlagen. Die Kampagne „Aktenzeichen BT“ klärt gezielt darüber auf.












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