Wie der Kühlschrank das Bierbrauen in Bayreuth revolutioniert hat
von Katharina Müller-Sanke und Martin Bayer
In der bt-Bierkolumne geht’s heute darum wie und warum sich das Bierbrauen über die Jahre von den Kommunbrauhäusern in Fabrikhallen verlagert hat.
Bis ins frühe 19. Jahrhundert war Bierbrauen in Bayreuth kleinteilig: Jeder Bürger mit Braurecht durfte im Kommunbrauhaus seinen Sud ansetzen, ihn zuhause vergären und in seiner Schankstube nach der Freigabe durch einen Bierkieser ausschenken. Doch Anfang des 19. Jahrhunderts, genauer ab 1807, wurde der sogenannte Bierbann aufgehoben und es entstanden mehr und mehr Privatbrauereien. Diese entstanden teilweise aus den Kommunbrauhäusern, welche von Brauern übernommen wurden.
Carl von Linde und die kalte Revolution
Die vielleicht größte Revolution kam 1873: Carl von Linde erfand die künstliche Kühlung. „Vorher musste man Bier, insbesondere das immer beliebter werdende untergärige Bier, im Winter brauen, da es nur dann kühl genug war um den Sud auf die richtige Gärtemperatur zu bekommen. Mit der neuen Technik wurde es möglich, Bier ganzjährig und stabil zu produzieren“, erklärt Martin Bayer. Es entstanden mehr und mehr größere Brauereien, die ihr Bier nicht mehr nur rund um den Kirchturm verkauften. Gleichzeitig bedeutete das aber auch das Aus für viele kleinere Brauer, die mit dem technischen Fortschritt nicht mithalten konnten.
In Bayreuth verschwand nach und nach eine Vielzahl an Mini-Brauereien, die zuvor noch das Stadtbild geprägt hatten. Was blieb, waren die größeren Namen – wie etwa Maisel, das später zur bekannten Brauerei mit Exporterfolg wurde.
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Konkurrenz und Überleben
„Im Jahr 1910 existierten in Deutschland gut 4300, vor dem Zweiten Weltkrieg noch rund 2500 Brauereien – heute sind es nur noch etwa 1450“, sagt Bayer. In Bayreuth überlebten nur die, die sich anpassten: durch technische Innovation, durch stärkere Markenbildung oder durch den Export.
Dass Bayreuth trotz der Industrialisierung bis heute eine reiche Bierkultur hat, liegt also nicht am Zufall, sondern an Tradition und Erneuerung gleichermaßen.
Bier als kulturelles Erbe
Während viele Städte ihre kleinen Brauer verloren, gelang es Bayreuth, Bier als kulturelles Aushängeschild zu bewahren – in der Altstadt, in den Biergärten, bei den Festspielen. Wer heute ein Bayreuther Bier trinkt, trinkt also nicht nur einen Sud – sondern ein Stück Überlebensgeschichte.
Zum Autor
Martin Bayer ist Touristikprofi, Reiseveranstalter und leidenschaftlicher Bierguide in Bayreuth. Als „Bierkutscher“ mit Zylinder und Gespür fürs Anekdotische führt er Gruppen durch Katakomben, Biergeschichte und Bayreuther Legenden. In seiner bt-Bier-Kolumne schenkt er uns regelmäßig Geschichten mit Schaumkrone ein – mal süffig, mal nachdenklich, immer mit einem Augenzwinkern.



Freiwillige aus der Kirchengemeinde, Eltern und Kinder der Grundschule St. Georgen sowie Mitglieder des Lions Clubs pflanzten gemeinsam die neuen Streuobstbäume. © Günter Saalfrank
Luftaufnahmen der Hochbrücke Bayreuth ©Hajo Dietz - Nürnberg Luftbild