Zuletzt aktualisiert am

Wirtschaft

Betriebseinstellung der SDV Winter in Weidenberg – 91 Mitarbeiter betroffen

von bt-Redaktion am 31. Dezember 2024, Update am 27. Februar 2025

Die SDV Winter in Weidenberg bei Bayreuth wird bereits Ende dieser Woche den Betrieb einstellen. Die Entscheidung betrifft alle 91 Mitarbeitenden der operativen Gesellschaft.

Am Freitag, den 28. Februar 2025, sollen die Insolvenzverfahren voraussichtlich eröffnet werden. In der Holding, die 13 Mitarbeitende zählt, werden in den kommenden Wochen einige Mitarbeiter noch Abwicklungsarbeiten durchführen. Parallel dazu beginnt der Verwertungsprozess.

Insolvenzverwalter äußert sich zur Schließung

Dr. Christian Heintze, vorläufiger Insolvenzverwalter der SDV Winter GmbH, erklärt: „Bis Ende letzter Woche gab es noch Hoffnung, die beiden operativen Gesellschaften an einen Investor aus der Branche zu verkaufen. Leider hat der letzte verbliebene Interessent Anfang dieser Woche abgesagt.“ Heiko Schaefer, ebenfalls vorläufiger Insolvenzverwalter, bedauert die Nachricht für die Mitarbeiter: „Die Mannschaft hat bis zuletzt engagiert mitgearbeitet.“

Mangelnde Kaufinteressenten

BBL beauftragte M&A-Berater hatten in den vergangenen Monaten insgesamt 114 potenzielle Käufer angesprochen. Es gab Gespräche mit sieben Interessenten aus dem In- und Ausland, mit drei von ihnen wurde intensiv verhandelt. „Am Ende blieb nur ein potenzieller Käufer, der jedoch sein Angebot zurückzog“, berichtet Schaefer.

Marktbedingungen und Herausforderungen

Trotz moderner Maschinen und guter Mitarbeiter hat es das Unternehmen nicht geschafft, im Wettbewerbsumfeld zu bestehen. „Der Markt für Druckerzeugnisse leidet unter Überkapazitäten und einem ruinösen Preiswettbewerb in der Massenproduktion“, erläutert Heintze.

Meldung am 31. Dezember 2024

Ein ehemaliger Mitarbeiter der SDV Winter GmbH in Weidenberg, Wilhelm Zapf, sprach mit unserer Redaktion über seine Reaktion auf die Insolvenz. Heute arbeitet er in der Touristinformation in Bischofsgrün.

„Ich bin geschockt, dass es so weit gekommen ist“, sagte Zapf. „Die Zeit bei der SDV Winter war sehr schön. Ich habe dort 20 Jahre lang gearbeitet, wurde als Mediengestalter ausgebildet und habe noch immer Kontakt zu ehemaligen Kollegen. Ich hoffe, dass eine Lösung gefunden wird, damit es irgendwie weitergeht.“

Insolvenz der SDV Unternehmensgruppe

Die SDV stellt Druckprodukte her und hilft Unternehmen, Werbung über verschiedene Kanäle wie Briefe, E-Mails und soziale Medien zu planen und zu steuern. Am 12. Dezember 2024 ordnete das Amtsgericht Dresden die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der SDV Medien + Service GmbH und ihrer Tochtergesellschaften an. Diese umfassen die SDV Direct World GmbH und die SDV Winter GmbH in Weidenberg.

Die Insolvenzverwaltung wurde an die Kanzlei BBL übertragen. Während Christian Graf Brockdorff für die Holding verantwortlich ist, übernehmen Christian Heintze und Heiko Schaefer die Leitung der operativen Einheiten in Dresden und Weidenberg.

Schon gelesen? Kreistag sagt „Ja“ zum Regionalen Innovationszentrum (RIZ) – aber unter Bedingungen.

Krise der Druck- und Papierindustrie

Als Grund für die Insolvenz wird in einer Mitteilung des Insolvenzverwalters die anhaltende Krise in der Druck- und Papierindustrie genannt. Diese Krise sei durch die zunehmende Digitalisierung und eine veränderte Preissensitivität der Kunden verstärkt worden.

Die SDV Unternehmensgruppe erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 36 Millionen Euro und beschäftigt derzeit 220 Mitarbeiter, davon etwa 80 in der SDV Winter GmbH in Weidenberg.

Hoffnung auf Fortführung und Sanierung des Unternehmens

Trotz der Insolvenz gibt es Hoffnung auf eine Fortführung des Geschäftsbetriebs. Christian Graf Brockdorff, der Insolvenzverwalter, betonte, dass das Unternehmen aktiv an einer Sanierung arbeite. Der Geschäftsbetrieb werde fortgeführt, um die notwendigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sanierung zu schaffen. Alle laufenden Aufträge werden weiterhin ausgeführt, und auch neue Aufträge werden angenommen.

Das Unternehmen führe Gespräche mit Kunden und Lieferanten, um die Zusammenarbeit fortzusetzen. Zudem seien die Mitarbeiter durch das Insolvenzgeld für drei Monate abgesichert, was dem Unternehmen eine notwendige Entlastung verschaffe und ihm helfe, sich neu aufzustellen.

Die Zukunft der SDV Winter GmbH in Weidenberg bleibt ungewiss, doch die Bemühungen um eine Sanierung und die Solidarität der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bieten einen Hoffnungsschimmer.