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Klinikum Bayreuth äußert sich zu Facebook-Vorwürfen einer Mutter
Ein Facebook-Post einer Mutter sorgt derzeit für hitzige Diskussionen. Sie wirft dem Klinikum Bayreuth vor, ihre behinderte Tochter tagelang vernachlässigt zu haben. Die Klinikleitung weist die Darstellung inzwischen zurück und sucht das Gespräch mit der Familie.
Das Klinikum Bayreuth steht in der Kritik. Auslöser ist ein Facebook-Beitrag von Michaela Ziegler vom 5. August. Darin schildert sie, wie ihre behinderte Tochter während eines rund einwöchigen Klinikaufenthalts angeblich über Stunden ohne Hilfe blieb. Nach Angaben des Klinikums begann der Aufenthalt am 27. Juli, die Entlassung erfolgte am 5. August, dem Tag der Veröffentlichung. Der Post verbreitete sich rasant und zog zahlreiche Kommentare nach sich.
Vorwürfe gegen das Klinikum Bayreuth lösen Welle der Empörung aus
In ihrem Beitrag schreibt Ziegler, sie sei „mehr als traurig, wütend und stink sauer“ auf das Klinikum. Ihre Schilderung listet mehrere einzelne Vorfälle auf, die sich während des Aufenthalts ereignet haben sollen.
Zunächst geht es um eine Nacht, in der ihre Tochter durchgehend erbrach. Laut Ziegler musste die Zimmernachbarin deshalb fünfmal (wiederholt) aufstehen, um Hilfe zu holen, obwohl sie selbst eigentlich Bettruhe einhalten sollte. Am folgenden Tag sei ihre Tochter zudem den ganzen Donnerstag weder gewaschen noch frisch gemacht worden, bis Ziegler sich am Nachmittag selbst darum kümmerte.
Ein weiterer Vorwurf betrifft die Flüssigkeitsversorgung. Von Donnerstagabend bis Freitagnachmittag habe ihre Tochter bei Außentemperaturen von rund 35 Grad weder etwas zu trinken noch eine Infusion erhalten. Erst nachdem Ziegler sich erneut und nachdrücklicher beim Personal gemeldet habe, sei die Infusion angeordnet worden.
Am schwersten wiegt für die Mutter jedoch ein Vorfall in derselben Nacht. Ihre Tochter habe zusätzlich Durchfall bekommen und neun Stunden lang darin liegen müssen. Anschließend sei sie in diesem Zustand quer durchs Klinikum zu einer Untersuchung gefahren worden. Eine Pflegehelferin der Familie habe die junge Frau am Nachmittag danach vollständig reinigen und das Bett eigenständig neu beziehen müssen.
Empörte Reaktionen in den sozialen Medien
Unter dem Post sammelten sich zahlreiche Solidaritätsbekundungen. Mehrere Nutzerinnen und Nutzer schilderten ähnliche Erfahrungen aus dem Klinikum Bayreuth oder anderen Einrichtungen der Region. Eine Kommentatorin riet Ziegler, Anzeige bei der Polizei zu erstatten und die Klinikleitung offiziell zu informieren.
Andere Leser sprachen von einem generellen Pflegenotstand, der solche Vorfälle begünstige. Gleichzeitig lobten einzelne Stimmen ausdrücklich andere Häuser der Region als positives Gegenbeispiel. Der Post entwickelte sich dadurch schnell zu einer breiteren Debatte über die Pflegesituation in bayerischen Krankenhäusern.
Klinikum Bayreuth widerspricht den Vorwürfen
Geschäftsführer Dietmar Pawlik äußerte sich auf Nachfrage inzwischen zu den Vorwürfen. Vorab weist er auf den Datenschutz hin. Normalerweise gebe das Klinikum zu einzelnen Behandlungen keine Auskunft. Da Ziegler die Details ihrer Tochter jedoch selbst öffentlich gemacht habe, entfalle dieses Thema in diesem Fall. Pawlik geht dabei davon aus, dass Ziegler als gerichtlich bestellte Betreuerin ihrer volljährigen Tochter zu dieser Veröffentlichung berechtigt war.
Der Geschäftsführer betont, das Klinikum nehme öffentliche Kritik grundsätzlich ernst und arbeite Vorwürfe konsequent auf. In diesem Fall sei jedoch keine offizielle Beschwerde beim Klinikum eingegangen. Von dem Facebook-Beitrag habe Pawlik noch am Abend der Veröffentlichung durch einen Bekannten erfahren. Der Vorgang werde inzwischen intern aufgearbeitet, um die Vorwürfe sorgfältig zu prüfen.
Grundlage seiner inhaltlichen Einschätzung sind die interne Pflegedokumentation sowie fünf schriftliche Stellungnahmen der beteiligten Mitarbeitenden. Diese Pflegedokumentation wird laut Pawlik parallel zur eigentlichen Behandlung geführt und ist nachträglich nicht veränderbar. Jede Eintragung sei revisionssicher protokolliert.
Nach Auswertung dieser Unterlagen bestätigt sich aus Sicht des Geschäftsführers zwar der grobe zeitliche Ablauf der von Ziegler geschilderten Ereignisse. So seien Erbrechen, die anschließende Medikamentenumstellung sowie der Stuhlgang in der fraglichen Nacht tatsächlich dokumentiert. Auch der Zeitpunkt, zu dem die Zimmernachbarin wegen des Erbrechens Hilfe holte, decke sich demnach mit den Einträgen.
Widersprüchlich zeigt sich Dietmar Pawlik zufolge das Bild beim zentralen Vorwurf, das Personal habe nicht reagiert. Die Dokumentation und die Stellungnahmen der Mitarbeitenden würden hier vielmehr eine geordnete und zeitnahe Betreuung belegen, so Pawlik. Auch die Behauptung, ihre Tochter sei einen ganzen Tag lang nicht gewaschen worden, weist der Geschäftsführer unter Verweis auf die entsprechenden Einträge zurück.
Zum Durchfall-Vorwurf äußert sich Pawlik konkret. Ziegler hatte in ihrem Post geschildert, ihre Tochter habe die ganze Nacht Durchfall gehabt und neun Stunden darin liegen müssen. Laut Pflegedokumentation habe die Patientin bei diesem Vorgang geklingelt, um das Erbrechen zu melden. Im selben Zusammenhang sei laut Dokumentation auch Stuhlgang aufgetreten, der umgehend beseitigt worden sei, so die Darstellung des Klinikums. Damit widerspricht Pawlik der Schilderung Zieglers direkt.
Wie Hilferufe im Klinikum bearbeitet werden
Zum Ablauf der Alarmierung erklärt Pawlik, jedes Patientenbett verfüge über eine Notklingel. Werde diese betätigt, erscheine der Klingelruf direkt auf mobilen Geräten des Pflegepersonals auf Station. Solche Rufe würden grundsätzlich als Notfall behandelt und umgehend kontrolliert.
Eine technische Protokollierung einzelner Klingelrufe existiere in Krankenhäusern allerdings nicht, anders als etwa in Pflege- oder Altenheimen, wo dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Dadurch lässt sich im Nachhinein nicht lückenlos rekonstruieren, wie oft und wann genau geklingelt wurde. Belegbar sei laut Pawlik lediglich, was im Anschluss an einen Ruf pflegerisch veranlasst und dokumentiert wurde.
Zum Vorwurf des ausbleibenden Trinkens erklärt Pawlik zudem, die Patientin sei vor einer geplanten Untersuchung nüchtern zu halten gewesen. Erst danach habe sie eine Infusion zur Flüssigkeitszufuhr erhalten. Die hohen Zimmertemperaturen räumt der Geschäftsführer offen ein und verweist auf die veraltete Bausubstanz des Klinikums. Eine nachträgliche Klimatisierung sei aus hygienischen Gründen im laufenden Betrieb kaum umsetzbar.
Auch die im Netz vielfach als Grund genannte Personalnot weist Pawlik für diesen Fall zurück. Die gesetzliche Pflegepersonaluntergrenze sei an den betreffenden Tagen eingehalten worden. Wörtlich sagt er dazu, „kann ich nicht von Pflegenotstand an der Stelle sprechen“.
„Das heißt nicht – um das klarzustellen –, dass unser Haus fehlerfrei arbeitet. Wo Menschen arbeiten, können Fehler passieren. Fehler entstehen nur dort nicht, wo niemand arbeitet. Wir wissen, dass wir nicht fehlerfrei sind. Deshalb versuchen wir mit unseren Systemen und Abläufen, Fehler möglichst zu vermeiden.“
Bislang kein direkter Kontakt zur Familie
Die Darstellungen beider Seiten widersprechen sich in zentralen Punkten. Michaela Ziegler spricht von einer über Stunden ausbleibenden Versorgung. Das Klinikum verweist hingegen auf eine revisionssichere Pflegedokumentation, in der die entsprechenden Pflegemaßnahmen festgehalten seien. Zusätzlich stützt sich das Klinikum auf Stellungnahmen von fünf beteiligten Mitarbeitenden.
Nach eigener Aussage versuchte Pawlik bereits am Abend nach Bekanntwerden des Posts, Michaela Ziegler über Facebook zu kontaktieren. Eine Rückmeldung habe er bislang nicht erhalten. Ein persönliches Treffen mit Familie Ziegler stehe weiterhin aus, so Pawlik abschließend.
Ob und wie sich die Vorwürfe letztlich klären lassen, ist derzeit unklar. Michaela Ziegler kündigte in ihrem Beitrag einen Leserbrief in der Zeitung an. Damit dürfte das Thema Klinikum Bayreuth auch über die sozialen Medien hinaus weiter für Gesprächsstoff sorgen.
Für Betroffene und Angehörige bleibt festzuhalten: Ein persönliches Gespräch mit der Klinikleitung wird von beiden Seiten grundsätzlich als möglicher Weg zur Klärung genannt. Bislang kam ein solcher Austausch jedoch nicht zustande.
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Brigitte Merk-Erbe, Alt-Oberbürgermeisterin der Stadt Bayreuth. Bild: privat
Unfall Symbolbild: Pixabay