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Kommunalwahl

OB-Wahl 2026 – Kandidat Christopher Süss

Die Kommunalwahl am 8. März 2026 rückt näher. In unserer Interviewreihe mit den Bayreuther Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters/der Oberbürgermeisterin stellen wir alle neun Personen vor, die sich um das Amt bewerben. Im Interview spricht Christopher Süss über die Sanierung von Schulen, die Schaffung von Wohnraum ohne ideologische Verbote sowie eine transparente Bürgerbeteiligung.

1. Warum Bayreuth? Was ist hier besser als anderswo?

Bayreuth steht für eine hohe Lebensqualität. Die Stadt ist groß und vielfältig genug, um Raum für unterschiedlichste Lebensentwürfe zu bieten, und zugleich überschaubar und familiär. Lebensqualität zeigt sich hier im Alltag: in kurzen Wegen, einer schnell erreichbaren Natur und einem Miteinander, das trägt. Die Universität prägt Bayreuth als junge, lebendige Stadt und bringt Offenheit, Innovation und internationale Impulse. Gleichzeitig ist Bayreuth ein herausragender Kulturstandort, dessen Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinausreicht. Man kennt sich, unterstützt einander und übernimmt Verantwortung – in Vereinen, im Ehrenamt und im täglichen Zusammenleben.

Für mich persönlich ist Bayreuth jedoch weit mehr als ein Standort. Hier lebt meine Familie, hier sind meine Freunde, und hier habe ich erfahren, was diese Stadt ihren Menschen geben kann. Als Oberbürgermeister möchte ich etwas zurückgeben: Verantwortung übernehmen und gemeinsam dafür sorgen, dass Bayreuth als meine Heimat auch künftig eine Stadt mit hoher Lebensqualität bleibt.

2. Welche Erfahrungen in Ihrem Leben haben Sie am stärksten geprägt – und was haben Sie daraus gelernt?

Geprägt haben mich mein persönlicher und beruflicher Werdegang. Meine schulische Laufbahn am Gymnasium Christian-Ernestinum hat mir früh Werte wie Verantwortungsbewusstsein, Leistungsbereitschaft und gesellschaftliches Engagement vermittelt. Daran schloss sich eine hervorragende universitäre Ausbildung an, die mein analytisches Denken geschärft und mein Verständnis für rechtliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge vertieft hat.

Bereits 2014 wurde ich im Alter von 20 Jahren in den Stadtrat gewählt. Später übernahm ich als jüngster Fraktionsvorsitzender Führungsverantwortung. Früh habe ich gelernt, was politische Verantwortung bedeutet: unterschiedliche Interessen abzuwägen und Entscheidungen zu treffen – auch dann, wenn sie unbequem, aber notwendig sind. Dies hat mir gezeigt, wie wichtig Beharrlichkeit im politischen Geschäft ist. Viele wichtige Projekte brauchen Zeit und Durchhaltevermögen. Ein Beispiel ist der Abenteuerspielplatz, für den ich mich über Jahre hinweg eingesetzt habe – trotz Rückschlägen und Widerständen. Solche Vorhaben zeigen, dass Politik dann erfolgreich ist, wenn man an sinnvollen Ideen festhält und sie konsequent weiterverfolgt.

Aber am meisten geprägt, haben mich die Begegnung mit Menschen. Vor allem meine Familie und Freunde. Diese geben Halt und machen das Leben erst lebenswert.

3. Sollten Sie gewählt werden – was machen Sie im Rathaus als erstes?

Wenn ich gewählt werde, setze ich im Rathaus vom ersten Tag an eine klare Priorität: die Sanierung unserer Schulen. Ich werde dem Hochbauamt verbindlich vorgeben, dass die Sanierungen des WWG, des RWG und Graserschule höchste Priorität haben und endlich umgesetzt werden.

Das Ziel ist klar: Spätestens bis zum Ende meiner Amtszeit sollen die Schülerinnen und Schüler dort wieder in Gebäuden lernen, die den Namen Schule wirklich verdienen.

Viele unserer Schulgebäude sind seit Jahren sanierungsbedürftig. Es wurde vertagt, angekündigt und verschoben. Dabei handelt es sich nicht nur um eine rechtliche Pflichtaufgabe der Stadt, sondern um eine Frage der Verantwortung. Es darf nicht sein, dass Kinder, Eltern und Lehrkräfte über Jahre im Stich gelassen werden.

Wenn für einzelne Projekte wie das Friedrichsforum über 110 Millionen Euro zur Verfügung stehen, während Schulgebäude in einem schlechten Zustand sind, dann stimmt etwas nicht bei den Prioritäten. Schulen sind die Grundlage für Bildung, faire Chancen für Kinder und die Zukunft Bayreuths. Wer Verantwortung für diese Stadt übernehmen will, muss hier zuerst handeln.

Für mich gilt klar: Schulen zuerst!

4. Was soll in Bayreuth bleiben wie es ist? Was soll sich ändern?

Bleiben soll das, was die Bayreuther an ihrer Stadt schätzen: die hohe Lebensqualität, das gute Miteinander und die Bodenständigkeit. Bayreuth funktioniert dort gut, wo Menschen Verantwortung übernehmen und sich füreinander einsetzen. Das ist eine echte Stärke dieser Stadt.

Ändern muss sich aber grundlegend, wie wir mit unseren politischen Problemen umgehen. Zu vieles wird im Rathaus seit Jahren aufgeschoben, ausgeblendet oder schöngeredet. Wir sehen das an kaputten Schulen, fehlenden Kita-Plätzen, einem Klinikum, das finanziell in eine gefährliche Schieflage gerät, und Projekten wie dem Friedrichsforum, die ein Vielfaches teurer werden als geplant. Auch unsere städtischen Unternehmen wie die Stadtwerke oder das Klinikum stehen unter massivem Druck und machen immer mehr Schulden.

Gleichzeitig werden die finanziellen Spielräume immer enger. Umso wichtiger ist es, vor Ort ehrlich zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Führung heißt nicht, sich nur mit den Sonnenseiten zu beschäftigen, sondern auch die unangenehmen Themen offen anzusprechen und anzupacken.

Ich spüre in dieser Wahl sehr deutlich: Die Bayreuther merken, dass die Probleme größer werden und zu lange nicht mutig gelöst wurden. Genau das muss sich ändern. Bayreuth braucht im Rathaus klare Führung, Ehrlichkeit und den Willen zur Veränderung. Wenn wir jetzt handeln, haben wir noch die Chance, unsere Lebensqualität und unser gutes Miteinander zu bewahren.

5. Viele Bayreuther klagen über hohe Mieten und fehlenden Wohnraum. Was ist Ihr konkreter Plan für bezahlbares Wohnen in der Stadt in den nächsten sechs Jahren?

Bezahlbares Wohnen ist eines der Themen, das junge Menschen in Bayreuth heute am stärksten umtreibt. Das Thema greift tief ins Leben ein. Wenn Wohnen unbezahlbar wird, bleiben Lebensentwürfe, Familiengründung und Zukunftspläne auf der Strecke.
Mein Ansatz ist klar; Als Oberbürgermeister werde ich alle Hebel nutzen, die wir vor Ort haben, um mehr Wohnraum zu schaffen: Wir müssen bauen – unbürokratisch, günstig, und mit Tempo. Dazu gehört, neue Bauflächen auszuweisen, die GEWOG konsequent einzubinden und genossenschaftliches Bauen zu stärken. Wir brauchen auch Vielfalt beim Wohnen – und keine ideologischen Verbote gegen neue Einfamilienhäuser.

Gleichzeitig dürfen wir den vorhandenen Wohnraum nicht ignorieren. Leerstände sind in einer Situation wie dieser nicht akzeptabel. Hier will ich Immobilienbesitzer in die Verantwortung nehmen, Leerstände systematisch erfassen – und aktiv auf Eigentümer zugehen, um Wohnraum wieder nutzbar zu machen.

6. Prestige-/Großprojekte kontra soziale Projekte: Was ist wichtiger oder warum ist beides wichtig?

Großprojekte sind nicht per se schlecht, und sie stehen auch nicht im Gegensatz zu sozialen Projekten. Entscheidend ist, ob ein Projekt einen echten Mehrwert für die Stadt bringt, solide geplant ist und von den Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen wird. Wo das nicht der Fall ist, leidet zwangsläufig das Vertrauen in Politik und Verwaltung. Das Friedrichsforum bzw. die Stadthalle ist dafür leider ein Negativbeispiel.

Solche Vorhaben binden über Jahre hinweg Geld und Personal – Ressourcen, die dann an anderer Stelle fehlen, etwa für dringend notwendige soziale, bildungs- oder infrastrukturelle Maßnahmen. Deshalb ist mein Maßstab klar: Große Projekte ja, aber nur mit Augenmaß, mit nachweisbarem Mehrwert und ohne Kostenexplosionen.
Wichtig ist, dass durch Großprojekte nicht der Fokus für die vielen tollen sozialen und oft ehrenamtlichen Projekte verloren geht. Denn oft lässt sich mit vermeintlich wenig städtischen Zuschüssen bei Sport, Ehrenamt, Kultur und im sozialen Bereich viel bewegen.

7. Verkehr ist eines der Dauerthemen in Bayreuth: Wie stellen Sie sich eine faire Aufteilung des Straßenraums zwischen Auto, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr vor?

Worauf wir nicht hereinfallen dürfen, ist ein Denken in Lagern. Autofahrer gegen Radfahrer auszuspielen, führt nicht weiter. Die meisten Menschen sind beides – und zudem auch zu Fuß unterwegs. Verkehr funktioniert nur als Miteinander, nicht als Gegeneinander.

Deshalb müssen wir weiter gezielt in den Radverkehr investieren und sichere Wege schaffen. Gerade bei Kindern zeigt sich, dass viele heute weniger sicher Fahrrad fahren können. Das ist nicht nur eine Frage der Mobilität, sondern auch eine soziale Aufgabe.
Beim öffentlichen Nahverkehr ist Ehrlichkeit gefragt. Der Busverkehr wird von den Stadtwerken betrieben und ist derzeit nur mit erheblichen Zuschüssen aus dem Querverbund der Stadtwerke möglich. Hier ist Ehrlichkeit gefordert. Bevor neue Versprechen gemacht werden, muss erst einmal versucht werden den Status Quo zu halten und hierfür die Finanzierung sicherzustellen. Dies wird schon eine Herausforderung.

Bayreuth ist zudem eine Einpendlerstadt. Das Auto wird daher auch künftig eine Rolle spielen – nicht zuletzt, um die Innenstadt zu beleben und weiterem Ladensterben entgegenzuwirken. Um den Verkehr zu entlasten, halte ich Park-and-Ride-Angebote am Stadtrand in Verbindung mit gut getakteten Busverbindungen für sinnvoll.
Mein Ansatz ist ein ausgewogener Verkehrsmix, der zu Bayreuth passt: Auto, öffentlicher Nahverkehr, Rad- und Fußverkehr gemeinsam gedacht. Viele Bayreutherinnen und Bayreuther nutzen all diese Wege – und genau daran müssen wir unsere Entscheidungen ausrichten

8. Leerstände sind ärgerlich in der Innenstadt. Welche Nutzung wünschen sie sich dort?

Bayreuth braucht endlich ein aktives Leerstandsmanagement. Nur wenn wir genau wissen, was leer steht – bei Läden wie bei Wohnungen – können wir gezielt handeln. Hier muss die Stadt eine aktivere Rolle übernehmen, statt nur zuzuschauen.
Bei der Nutzung gilt für mich: Es gibt keine Einheitslösung. Leerstehender Wohnraum sollte wieder zum Wohnen genutzt werden. Das ist angesichts des angespannten Wohnungsmarkts dringend nötig.

Bei leerstehenden Ladenflächen braucht es mehr Augenmaß. Die Innenstadt lebt vom Handel, vom Publikumsverkehr, von Gastronomie und Kultur. Nicht jeder ehemalige Laden sollte automatisch zu Wohnraum umgebaut werden, vor allem im Erdgeschoss.

Eine lebendige Innenstadt braucht auch abends Leben. Dass es dabei nicht immer vollkommen ruhig ist, gehört in einer lebendigen Stadt wie Bayreuth dazu.

Wo klassischer Einzelhandel nicht mehr funktioniert, müssen neue Nutzungen möglich werden. Das können Büros, Kulturstätten, Ateliers oder Orte der Begegnung sein. Entscheidend ist, dass die Stadt aktiv vermittelt, Eigentümer und Interessenten zusammenbringt und gute Beispiele aus anderen Städten aufgreift.

9. Viele Menschen wünschen sich mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung im Rathaus: Können Sie das nachvollziehen und wie kann man diesem Wunsch gerecht werden?

Ich haben im Stadtrat mit dem Jungen Bayreuth immer wieder dafür geworben, moderne Formen der Beteiligung zu nutzen. Dazu gehört auch ein Antrag auf eine digitale Bürgerbeteiligungsplattform, wie sie andere Städte wie Bamberg bereits einsetzen. Technisch wäre das problemlos möglich. Dass unsere Vorschläge bisher abgelehnt wurden, zeigt: Es scheitert nicht an der Technik, sondern am politischen Willen.

Immerhin gibt es dank unserer Initiative inzwischen eine jährliche Jugendversammlung in Bayreuth, bei der junge Menschen direkt mit der Politik ins Gespräch kommen und ihre Vorschläge einbringen können.

Auch den Wunsch nach mehr Transparenz kann ich sehr gut nachvollziehen. Für mich ist Transparenz kein Selbstzweck, sondern eine Frage von Verantwortung. Verantwortung heißt, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und zu erklären, warum man sie trifft.

Dazu gehört für mich auch, dass ein Oberbürgermeister die heutigen Kommunikationswege nutzt. Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass man sie direkt informiert und ansprechbar ist – nicht nur über Pressemitteilungen. Viele junge Menschen bekommen kommunale Politik nur noch mit, wenn sie aktiv und über moderne Kanäle vermittelt wird.

10. Was sind drei ganz persönliche Dinge, die Bayreuth über Sie wissen sollte – abseits der Politik (z.B. Hobbys, Macken, Lieblingsorte in Bayreuth) – und was verraten diese über Ihren Charakter?

Ich war 2006 schon einmal „Bürgermeister“ – bei Mini-Bayreuth. Man könnte sagen, der Gedanke an das Amt begleitet mich schon sehr lange und ich bin bestens qualifiziert.

Meine Hobbys, neben der Politik, sind Fußball, meine Freunde und mein ehrenamtliches Engagement. Orte, an denen man mich Öfters und gerne finden kann, ist das Hans-Walter- Wild-Stadion -wenn die Oldschdod spielt sowie die innenstädtische Gastronomie, am liebsten in Wirtshäusern und Kneipen mit Bayreuther oder oberfränkischem Bier. Ich mag Orte, an denen man ins Gespräch kommt und die Stadt so erlebt, wie sie ist.

Was das alles über mich aussagt, das dürfen die Leser selbst entscheiden.

Zu der Übersicht mit den weiteren Kandidatinnen und Kandidaten geht es hier entlang.