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OB-Wahl 2026 – Kandidat Frank Hofmann
Die Kommunalwahl am 8. März 2026 rückt näher. In unserer Interviewreihe mit den Bayreuther Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters/der Oberbürgermeisterin stellen wir alle Personen vor, die sich um das Amt bewerben. Im Interview spricht Frank Hofmann über: seine tiefen Wurzeln in Bayreuth, das familiäre Credo „Frage nicht, was andere für dich tun können“ und seine Vision einer lebendigen Innenstadt, in der alle Generationen gerne zusammenkommen.
Warum Bayreuth? Was ist hier besser als anderswo?
Bayreuth ist meine Geburts- und Heimatstadt in der ich mit meiner Familie gerne lebe.
Ich liebe die kurzen Wege innerhalb von Bayreuth und das reichhaltige Angebot für Familien. Spiel- und Bolzplätze, die Wilhelminenaue, die Eremitage, u.v.m. Bayreuth hat die ideale Größe.
Welche Erfahrungen in Ihrem Leben haben Sie am stärksten geprägt – und was haben Sie daraus gelernt?
Ich lebe seit meiner Schulzeit und durch meine beruflichen Ausbildungen hindurch nach dem Gedanken, den mir meine Familie und im Besonderen mein jetzt 91jähriger Opi immer vorgelebt hat: Frage nicht, was andere für Dich tun können – frage, was Du für andere tun kannst. Und ich hatte das Glück, vielen wertvollen Menschen in den zurückliegenden 48 Jahren begegnen zu dürfen, die mir stets bestätigt haben, dass das eine Eigenschaft an mir ist, die ich nicht nur glaubhaft vermittle, sondern die ich sichtbar lebe. Das hat mir viele Türen geöffnet und dafür bin ich sehr dankbar.
Sollten Sie gewählt werden – was machen Sie im Rathaus als erstes?
Als Erstes werde ich die dringenden Schulsanierungen angehen und die zwischenzeitlich Prioritätenlisten bündeln, dass nach 6 Jahren nicht nur eine Schulsanierung (RWG) angegangen worden ist, sondern parallel weitere angegangen und möglicherweise schon abgeschlossen worden sind. Ich werde mit allen demokratischen Fraktionen den regen Austausch suchen, da nur Miteinander Gutes gelingt. Dazu zählt für mich auch Wertschätzung und Respekt anderen gegenüber zu leben. Als Oberbürgermeister habe ich viel Verantwortung, die ich bereit bin zu übernehmen, aber Oberbürgermeister zu sein heißt nicht, sich in den Vordergrund zu drängen, sondern persönlich hart zu arbeiten um die Stadt nach vorne zu bringen. Oberbürgermeister sein heißt für mich nicht nur repräsentieren, das gehört dazu, kann aber von vielen Menschen in unserer Stadt wahrgenommen werden. Ich werde das OB-Referat umbauen und die Wirtschaft wieder zur OB-Sache machen. Kleine weitere Referatszuschnitte im Hochbaubereich und in der Stadtplanung sind auch dringend erforderlich. Ich werde Konzepte die in den letzten 6 Jahren im Stadtrat beschlossen wurden, konsequent anwenden.
Was soll in Bayreuth bleiben wie es ist? Was soll sich ändern?
Bayreuth soll eine Stadt bleiben, in der man sich kennt und gerne begegnet. Bayreuth braucht eine Innenstadt, die lebt und nicht durch Leerstand gekennzeichnet ist. Bayreuth braucht mehr Grün in den Hitzeinseln und ein faires und gerechtes Miteinander aller Generationen. Bayreuth braucht einen Oberbürgermeister der bejahend in Besprechungen und Workshops geht und nicht mit der Botschaft jeglichen Elan zerstört, in dem die einleitenden Worte sind: „Wir haben leider kein Geld“ – wie es in vielen Sitzungen mit engagierten Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern und Stadträtinnen und Stadträten geschehen ist, aber leider auch mit Vereinsvorsitzenden und Entscheidern, die nach besseren Lösungen für Bayreuth verlangt haben. Wir müssen Lösungen aufzeigen und nicht die Hürden.
Viele Bayreuther klagen über hohe Mieten und fehlenden Wohnraum: Was ist Ihr konkreter Plan für bezahlbares Wohnen in der Stadt in den nächsten sechs Jahren?
Die Bayreuther Wohnbaustrategie war hier ein wichtiger Baustein. Durch die GEWOG, meiner Meinung nach, der städtischen Vorzeige-Tochter, können wir bezahlbaren Wohnraum schaffen und modernisieren. Wir brauchen neue Wege bei der Grundrissfrage um flexibler auf die Bedürfnisse der Mieter reagieren zu können und einen sprichwörtlich „alten Baum“ (Bewohnerin/Bewohners) später nicht „verpflanzen“ zu müssen. Ich werde auch mit den beiden Genossenschaften nach Wegen suchen, wie wir deren Bestand erweitern und sanieren können. Auf die Bundes- und Landesregierung gilt es einzuwirken, damit wieder Förderprogramme für bezahlbaren Wohnraum entstehen. Angebot an bebaubaren Flächen (sogenannte Baurechte) haben wir genug. Diese müssen schnell und bezahlbar umgesetzt werden.
Prestige-/Großprojekte kontra soziale Projekte: Was ist wichtiger oder warum ist beides wichtig?
Man darf das Eine nicht gegen das Andere ausspielen. Soziale Projekte ermöglichen das Zusammenleben unserer Stadtgesellschaft und wir, die Kandidatinnen und Kandidaten der Bayreuther Gemeinschaft sind alles aktive Bürger aus allen Schichten, die sich für die Demokratie in unserer Stadt einsetzen und Werte wie Ehrlichkeit, Respekt, Verantwortung, Fairness, Mitgefühl und Gerechtigkeit leben. Die von Ihnen angesprochen Prestige-/Großprojekte haben wir als BG und werden wir in Zukunft unterstützen, weil sie Bayreuth nach außen sichtbar machen und unsere Stadt attraktiver. Ich denke da an das Friedrichsforum, das nach meiner Vorstellung durch Kleinkunst, bürgerliches Engagement (der sogenannten Subkultur) und Hochkultur zum kulturellen Wohnzimmer für alle Bayreutherinnen und Bayreuther werden soll aber auch Strahlkraft weit über die Grenzen Bayreuths hinaus haben wird. Die gewerbliche Berufsschule, aber auch das RIZ verzahnen Uni, Handwerk und Wirtschaft und werden von erheblicher Bedeutung für Bayreuth sein. Aber auch dringend notwendige Schulsanierungen wie das RWG, Graserschule, WWG, etc. die man zwar aus Kostengründen als Großprojekte bezeichnen muss, sind genauso unabdingbar wie die Modernisierung/bzw. der Neubau unserer in die Jahre gekommenen Sportstätten. Bayreuth hat vor 50 Jahren einen unheimlichen Aufschwung durch die Ansiedelung der Uni erhalten und in den nächsten 6 Jahren stehen wichtige Entscheidungen an, wie wir mit diesem Bestand nachhaltig und verantwortungsvoll umgehen um den Bürgerinnen und Bürgern zu zeigen, dass wir nicht nur verwalten.
Verkehr ist eines der Dauerthemen in Bayreuth: Wie stellen Sie sich eine faire Aufteilung des Straßenraums zwischen Auto, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr vor?
Kurz und knapp: So gleichberechtigt wie irgendwie möglich. Wir brauchen sichere Fahrradwege für unsere Kinder und Jugendlichen, wir brauchen einen gut angebundenen und zunehmend barrierefreien ÖPNV, wir brauchen Fußwege auf denen man sicher laufen kann und wir brauchen auch Straßenraum. Vor 50 Jahren hat man Bayreuth umgebaut um dem Auto Vorrang einzuräumen. Da denken wir heute anders darüber und das wird in den nächsten 6-12 Jahren Bayreuth massiv beschäftigen.
Leerstände sind ärgerlich in der Innenstadt. Welche Nutzung wünschen sie sich dort?
Leerstände entstehen durch mangelnde Nachfrage oder überhöhte Mietvorstellungen. Wir haben in der Wirtschaftsförderung ein Leerstandsmanagement für solche Fälle. Dessen Abläufe werde ich mir als OB erkläre lassen, Wirtschaft ist ja dann wieder OB-Sache und nach Lösungsmöglichkeiten suchen und kurzfristig anbieten. Privatvermieter können hier von der Verwaltung Unterstützung angeboten bekommen, aber wir können als Verwaltung die Leerstände nicht verhindern.
Viele Menschen wünschen sich mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung im Rathaus:
Können Sie das nachvollziehen und wie kann man diesem Wunsch gerecht werden?
Als Erstes werde ich alle demokratischen Fraktionen dazu bringen, dass wir den Livestream und Speicherung der Stadtratssitzungen für 4 Wochen (Video on Demand) wieder einführen. Ich war gegen die Streichung und halte es für einen Fehler. Bürgerbeteiligungsangebote gab es auch in der Vergangenheit schon viele und durch unsere repräsentative Demokratie haben wir ja per se schon eine Bürgerbeteiligung, aber ich werde das Angebot an zusätzlicher Bürgerbeteiligung auf jeden Fall beibehalten.
Was sind drei ganz persönliche Dinge, die Bayreuth über Sie wissen sollte – abseits der Politik (z.B. Hobbys, Macken, Lieblingsorte in Bayreuth) – und was verraten diese über Ihren Charakter?
Jede freie Minute mit meinen Kindern zu verbringen, eine Macke von mir ist, dass ich am liebsten jede Aufgabe selbst übernehmen würde und mein Lieblingsort ist die Wilhelminenaue. Ich bin gerne für andere da, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.
Eine Übersicht über alle OB-KandidatInnen in Bayreuth gibt es hier.












Symbolbild ©News5/Stephan Fricke
Der Mann mit der Baskenmütze: Ferd Röntgen. Foto: Kunstmuseum Bayreuth.