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Zuletzt aktualisiert am 21. Januar 2026 | 12:31

Kommunalwahl

OB-Wahl 2026 – Kandidat Jannick Metz (die Linke)

Katharina Müller-Sanke

Die Kommunalwahl am 8. März 2025 rückt näher. In unserer Interviewreihe mit den Bayreuther Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters/der Oberbürgermeisterin stellen wir alle acht Personen vor, die sich um das Amt bewerben. Im Interview spricht Jannick Metz über seine Vision einer sozial gerechten und bürgernahen „15-Minuten-Stadt“, in der bezahlbarer Wohnraum durch radikale mietpolitische Maßnahmen gesichert und soziale Teilhabe über Prestigeprojekte gestellt wird.

Jannick Metz tritt für die Linke bei der Wahl an ©bt-Redaktion
Jannick Metz tritt für die Linke bei der Wahl an ©bt-Redaktion

1. Warum Bayreuth? Was ist hier besser als anderswo?

Ursprünglich komme ich aus der Nähe von Bad Kissingen in Unterfranken. Ich bin zum Studieren nach Bayreuth gezogen und ich muss gestehen, Bayreuth hat mich ein wenig eingefangen. Ich finde die Stadt ist nicht zu groß, aber auch nicht zu klein. Es hat die Vorteile einer Stadt, sobald eine Person sich aber nach der Natur sehnt, ist es nicht sehr weit in z.B. die fränkische Schweiz.

2. Welche Erfahrungen in Ihrem Leben haben Sie am stärksten geprägt – und was haben Sie daraus gelernt?

Mit am stärksten geprägt, hat mich die Kombination aus dem Wegzug von meinen Eltern, Studienbeginn und die beginnenden Corona Pandemie 2020. Dies war damals eine mehrfache Belastung, die viele Menschen in meinem Alter durchlebten. Auch heute kennen wir es doch alle, dass wir in Begriffen wie vor und nach Corona sprechen. Was mir das Ganze damals gezeigt hat ist, dass unser Land doch mehr gespalten ist, als ich es davor angenommen hatte. Gerade deshalb bin ich mehr und mehr der Überzeugung, dass wir wieder mehr miteinander reden müssen, uns gegen die soziale Kälte und die immer weiter voranschreitende Ausgrenzung verschiedener Menschengruppen einsetzen müssen.

3. Sollten Sie gewählt werden – was machen Sie im Rathaus als Erstes?

Zwei Dinge werde ich direkt angehen. Zum Einen soll von der Stadt ein System der einkommensabhängigen Kindergartengebühren geprüft werden. Das soll dazu führen, dass einkommensschwächere Familien direkt entlastet werden.
Das Zweite, was ich angehen möchte, ist einen Milieuschutz für die Altstadt zu prüfen. Ein Milieuschutz soll Stadtteile vor Gentrifizierung schützen. Gerade durch solche Prozesse verschwindet immer mehr günstiger Wohnraum.

4. Was soll in Bayreuth bleiben, wie es ist? Was soll sich ändern?

Was ich derzeit gut in Bayreuth finde, dass es recht grün ist und vieles sehr gut erreichbar ist (letzteres zumindest tagsüber). Das soll so in seiner Form bleiben, bzw. verbessert werden. Gut heißt eben nicht perfekt.

Was sich verändern soll, sind auf jeden Fall die Angebote für Jugendliche und Studierende. Deshalb wollen wir uns für den Erhalt der Schoko und den Ausbau von Jugendräumen einsetzen. Gleichzeitig sind wir für die Umsetzung des Konzepts einer Smart-City. Das heißt genauer, dass wir uns für den Einsatz von Technologien einsetzen wollen, die den Alltag aller Menschen in Bayreuth erleichtern, sei es nun klassisch die Digitalisierung der Stadtverwaltung, bis zu öffentlichen WLAN-Netzen oder einem intelligenten Stromnetz.

5. Viele Bayreuther klagen über hohe Mieten und fehlenden Wohnraum: Was ist Ihr konkreter Plan für bezahlbares Wohnen in der Stadt in den nächsten sechs Jahren?

Das ist ein Thema, bei dem wir an vielen Schrauben gleichzeitig drehen müssen und ist unser Hauptthema. Der Wohnungsmangel ist in beinahe allen Städten Deutschlands angekommen und auch in Bayreuth sind die Mieten in den letzten 15 Jahren kontinuierlich gestiegen. Deswegen hier erstmal ein kleiner Ausschnitt zu unseren Plänen.
Zum Einen muss die Stadt eine neue Bodenstrategie verfolgen. Hiermit meine ich einen gezielten Aufkauf von Grundstücken, die dann entweder direkt von der GEWOG bebaut werden sollen, oder über die Einführung eines Erbpachtrechts günstig für den Bau von Sozialwohnungen vergeben werden sollen. Gleichzeitig soll die Bauverordnung abgeändert werden, damit der Anteil an Sozialwohnungen bei Neubauten von derzeit 30 Prozent auf 50 Prozent steigen soll. Abschließend wollen wir die Mieten der Bayreutherinnen und Bayreuther, die bei der GEWOG zur Miete sind, für die nächsten 5 Jahre auf dem Niveau vom 01.01.2026 einfrieren.

6. Prestige-/Großprojekte kontra soziale Projekte: Was ist wichtiger oder warum ist beides wichtig?

Hier ist meine Antwort sehr klar und eindeutig, mit mir gibt es keine Prestigeprojekte. Unsere Stadt verfügt über viele alte Gebäude, die unbedingt in Stand gehalten werden müssen, aber ein Desaster wie das Friedrichsforum wird es mit mir nicht geben. An erster Stelle muss die Verbesserung der Lebensumstände der Bayreutherinnen und Bayreuther stehen. Was bringt es den hier lebenden Menschen, wenn der Name des Oberbürgermeisters auf einem neuen Gebäude steht, sie aber keinen Kitaplatz für ihre Kinder finden, weil kein Geld für einen neuen Kindergarten mehr übrig war? Mein Fokus wird demnach in den kommenden Jahren darauf liegen das soziale Netz in unserer Stadt zu stärken, indem wir über ein Sozialticket für Bus und Bahn und subventionierte Kitaplätze reden werden, anstatt ein weiteres Prestige-Projekt, auf dem ich meinen Namen setzen könnte.

7. Verkehr ist eines der Dauerthemen in Bayreuth: Wie stellen Sie sich eine faire Aufteilung des Straßenraums zwischen Auto, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr vor?

Ich möchte in einem Bayreuth leben, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht 3 Tonnen Metall, die am Straßenrand stehen. Deshalb möchte ich mich als Oberbürgermeister für das Konzept einer 15-Minuten-Stadt einsetzen. Das bedeutet, das alle wichtigen Alltagsbereiche, in 15 Minuten zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Bus zu erreichen sein sollen. Hierfür ist für mich von absoluter Priorität den ÖPNV und vor allem die Infrastruktur für Rad- und Fußgänger auszubauen. Das Auto sollte perspektivisch vor allem aus der Innenstadt kurz- bis mittelfristig verschwinden, sobald die nötigen Gegenangebote geschaffen wurden.

8. Leerstände sind ärgerlich in der Innenstadt. Welche Nutzung wünschen sie sich dort?

Hier wünsche ich mir mehr Orte des Zusammenkommens. Seien es jetzt Jugendräume, Spiele-Cafés, Gastronomien, lokale Einzelhändler (z.B. Unverpacktläden, Repair-Shops etc.) oder der Umbau zu flexibel nutzbaren Büros für junge Unternehmen.

9. Viele Menschen wünschen sich mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung im Rathaus: Können Sie das nachvollziehen und wie kann man diesem Wunsch gerecht werden?

Das kann ich absolut nachvollziehen! Natürlich gibt es einmal im Jahr die Bürgerversammlung, aber diese ist doch sehr schlecht beworben. Ich glaube wäre ich nicht Mitglied einer Partei und würde mich für Kommunalpolitik interessieren, hätte ich keine Ahnung, dass diese stattfinden. Hier sehe ich direkt das erste Potential der Verbesserung. Gleichzeitig muss auch besser aus dem Stadtrat heraus kommuniziert werden, was am Ende mit Anträgen geschieht, die auf einer dieser Bürgerversammlungen von den Menschen beschlossen wurden. Dennoch muss nicht nur hier die Kommunikation nach außen verbessert werden. Ich würde mich hier einmal aus dem Fenster lehnen und behaupten, kaum ein Mensch in Bayreuth bekommt überhaupt mit was im Stadtrat geschieht und beschlossen wird.
Mein Lösungsvorschlag wäre deshalb grundsätzlich mehr Informationen auf der Website des Rathauses und auf Social Media zu teilen, sowie mehr Möglichkeiten der Begegnung zwischen Stadtratsmitgliedern und in Bayreuth lebenden Menschen zu organisieren. Diese können in ähnlichen Formen wie die Bürgerversammlung stattfinden, in denen Bürger direkt die jeweiligen Kommunalpolitiker befragen können.

Weiterhin können wir auch mehr auf Bürgerräte setzen, um direkt Probleme in Stadtteilen anzusprechen, die andere teilweise übersehen, weil sie am anderen Ende der Stadt wohnen. Diese können direkt in den Stadtrat getragen werden, und dieser muss sich am Ende um die Lösung kümmern.

10. Was sind drei ganz persönliche Dinge, die Bayreuth über Sie wissen sollte – abseits der Politik (z.B. Hobbys, Macken, Lieblingsorte in Bayreuth) – und was verraten diese über Ihren Charakter?

Eines meiner längsten Hobbys ist schwimmen. Ich bin mittlerweile seit 15 Jahren DLRG-Mitglied und habe mich dort auch bereits 3-mal zum Wachdienst an der Ostsee gemeldet. Ich finde Ehrenamt etwas sehr Wichtiges und Unterstützenswertes, da ohne die vielen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren unsere Gesellschaft nicht funktionieren würde.
Als einen meiner Lieblingsorte in Bayreuth würde ich den Röhrensee sehen. Gerade im Sommer ist es sehr schön dort spazieren zu gehen, oder sich mit Bekannten zu treffen. Eine Macke von mir wäre es, dass ich mich schnell in Dinge hineinsteigern kann. Gerade dann, wenn es um Ungerechtigkeiten geht, die sich vermeiden ließen.

Eine Übersicht über alle OB-KandidatInnen in Bayreuth gibt es hier. 

Kommunalwahl Jannick Metz ©bt-Redaktion
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