Zuletzt aktualisiert am
OB-Wahl 2026 – Kandidat Thomas Ebersberger (CSU)
Die Kommunalwahl am 8. März 2026 rückt näher. In unserer Interviewreihe mit den Bayreuther Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters/der Oberbürgermeisterin stellen wir alle neun Personen vor, die sich um das Amt bewerben. Der amtierende Oberbürgermeister Thomas Ebersberger spricht im Interview über Demokratie, Wohnungsbau und Rücksichtnahme.
1. Warum Bayreuth? Was ist hier besser als anderswo?
Wir sind eine überschaubare Stadt, in der man sich kennt. Wir haben ein tolles Angebot an Kultur, Sport und Freizeiteinrichtungen, und ich glaube, dass sich jede Familie bei uns wohlfühlen kann – von den Angeboten im Kindergarten über die Universität bis hin zur Versorgung im Alter mit Klinikum und Pflegeeinrichtungen.
2. Welche Erfahrungen in Ihrem Leben haben Sie am stärksten geprägt, und was haben Sie daraus gelernt?
Das war bei der Bundeswehr, bei einer Durchschlagübung. Bei ungefähr 18 Grad waren wir in einer Scheune untergebracht, konnten nicht schlafen und waren völlig fertig. Am nächsten Tag hat uns der Bauer gestattet, im Durchgang zum Schweinestall auf Granit zu schlafen. Wir haben geschlafen wie die Seligen, wir haben gestunken wie sonst was – aber wir waren am nächsten Morgen alle glücklich. Es ist eben alles relativt: Es geht immer noch schlechter.
3. Sollten Sie wiedergewählt werden – was machen Sie im Rathaus als erstes?
Ich werde mich mit den Referenten noch einmal zusammensetzen und festlegen, was in den nächsten sechs Jahren konkret weitergehen kann und wie. Ich bin sehr zuversichtlich, dass es danach auch wieder ein gutes Ergebnis geben wird.
4. Was soll in Bayreuth bleiben wie es ist? Was soll sich ändern?
Die Menschlichkeit soll bleiben, ebenso das Gefühl, dass man sich hier wohlfühlen kann und dass es sich lohnt, hier zu leben. Das ist durchgängig das Ziel – von Anfang bis Ende. Es ist immer die Frage, was man selbst bewegen kann und was nicht. Wichtig ist, dass wir die Menschen mitnehmen. Man kann sicher noch mehr anstoßen, aber am Ende geht es darum, dass man aus dem, was man vorfindet, das Beste macht.
5. Viele Bayreuther klagen über hohe Mieten und fehlenden Wohnraum: Was ist Ihr konkreter Plan für bezahlbares Wohnen in der Stadt in den nächsten sechs Jahren?
Wir haben die Mittel der städtischen Wohnbaugesellschaft von ursprünglich zehn Millionen auf 15 Millionen erhöht, nächstes Jahr auf über 30 Millionen. Gemeinsam mit Genossenschaften planen wir weitere Baumaßnahmen, unter anderem im Kreuz und anderen Stadtteilen. Entscheidend ist, dass das Angebot steigt.
In meiner bisherigen Amtszeit haben wir planerisch über 2.800 Wohneinheiten ermöglicht. Die Bauträger müssen diese Projekte aber auch umsetzen. Der Freistaat hat die Mittel im sozialen Wohnungsbau deutlich erhöht, diese sind jedoch für die nächsten Jahre bereits ausgereizt. Wir müssen versuchen, in kommende Förderprogramme wieder hineinzukommen.
Aktuell haben wir bei Sozialwohnungen Wartelisten, die in dreistellige Bereiche gehen. Das ist sehr problematisch und wir versuchen alles, um die Situation zu verbessern. Gleichzeitig bin ich stolz darauf, dass wir in den letzten Jahren über 100 Wohnungen für Menschen mit Einschränkungen fertiggestellt haben oder in Planung haben. In den letzten 20 Jahren davor wurde in diesem Bereich praktisch nichts gebaut.
6. Prestige-/Großprojekte kontra soziale Projekte: Was ist wichtiger oder warum ist beides wichtig?
Gesetzlich sind zuerst die Pflichtaufgaben zu erfüllen, dann die begonnenen Projekte und erst danach das Wünschenswerte. Selbstverständlich haben soziale Aufgaben Vorrang vor Prestigeobjekten. Danach muss man die Projekte sinnvoll finanzieren und priorisieren.
7. Verkehr ist eines der Dauerthemen in Bayreuth: Wie stellen Sie sich eine faire Aufteilung des Straßenraums zwischen Auto, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr vor?
Das muss immer gemeinsam gedacht werden – Auto, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr. Gegenseitige Rücksichtnahme ist entscheidend. Das regelt im Grunde schon Paragraph 1 der StVO.
8. Leerstände sind ärgerlich in der Innenstadt. Welche Nutzung wünschen Sie sich dort?
Wünschenswert wäre, dass Vermieter die Mietpreise senken und sich an dem orientieren, was Mietinteressenten zahlen können. Der Einfluss der Stadt ist hier begrenzt. Wir betreiben Leerstandsmanagement und arbeiten mit Stadt und Land zusammen. Im Vergleich zu vielen anderen Städten stehen wir aber noch relativ gut da.
9. Viele Menschen wünschen sich mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung im Rathaus: Können Sie das nachvollziehen und wie kann man diesem Wunsch gerecht werden?
Nachvollziehen kann ich es. Gleichzeitig haben wir eine repräsentative Demokratie. Gewählte Vertreter sollen Verantwortung übernehmen. Wir haben viele vorgelagerte Gremien, insbesondere im Umweltbereich, was Verfahren verlängert, aber Beteiligung ermöglicht. Wir müssen konstruktiv bleiben und Bürokratie etwas zurückdrängen.
10. Was sind drei ganz persönliche Dinge, die Bayreuth über Sie wissen sollte – abseits der Politik (z.B. Hobbys, Macken, Lieblingsorte in Bayreuth) – und was verraten diese über Ihren Charakter?
Ich treibe gern Sport, bin gern in der Natur, verbringe Zeit mit meiner Familie und dem Hund. Mein Arbeitstag beginnt meist um halb acht und endet oft erst gegen 22 Uhr. Dazwischen bleibt nicht mehr viel Platz. Politik ist für mich kein Beruf, sondern Lebensinhalt – Work is Life, Life is Work – das ist meine Balance.
Wie die anderen KandidatInnen auf unsere 10 Fragen geantwortet haben, gibt es hier zu lesen.












Kyle Bollers im Spiel der Tigers gegen den EC Peinting ©Dirk Ellmer
Streik von ver.di © bt-redaktion